Koller verspürt noch keine Nervosität vor Teamchef-Debüt
Der Schweizer wünscht sich für seine Premiere einen "positiven Auftakt", weiß aber auch, dass dazu mehr als nur eine ansprechende Leistung gehört. "Um Selbstvertrauen zu bekommen, sind Ergebnisse wichtig."

Foto © GEPAMarcel Koller
Marcel Koller hat sich drei Tage vor seinem Debüt als österreichischer Fußball-Teamchef betont gelassen gezeigt. Durch das dicht gedrängte Programm des bisherigen ÖFB-Lehrgangs blieb beim Schweizer nach eigenen Angaben das große Kribbeln vor seiner Feuertaufe im Testspiel am Dienstag (20.00 Uhr MEZ/live ORF eins) in Lwiw (Lemberg) gegen die Ukraine bisher aus. "Ich bin gar nicht dazugekommen, Nervosität zu spüren. Aber ich bin überzeugt, dass eine positive Anspannung noch kommen wird", erklärte der 51-Jährige am Samstag. Seine ersten Tage als Teamchef erinnerten Koller an mehrtägige Trainingslager in seiner Zeit als Clubtrainer. "Auch da war ich von morgens bis abends vollgepackt."
Der Stress der vergangenen Tage änderte aber nichts am Optimismus des ehemaligen Schweizer Internationalen. "Ich bin voller Adrenalin und Zuversicht." Dazu trägt auch das positive Mannschaftsklima bei, das Koller jedoch nicht überbewerten wollte. "Nur weil wir vielleicht eine gute Stimmung haben, heißt das nicht, dass wir gewinnen. Es ist gut, dass man gerne zum Team kommt und Spaß hat, aber auf dem Platz muss man mit Ernst bei der Sache sein - doch das ist bei uns auch der Fall", betonte Koller und sprach von einem "guten Geist" in seiner Truppe. Der Schweizer wünscht sich für seine Premiere einen "positiven Auftakt", weiß aber auch, dass dazu mehr als nur eine ansprechende Leistung gehört. "Um Selbstvertrauen zu bekommen und Konstanz zu erreichen, sind Ergebnisse wichtig." Nach dem zuletzt intensiven Programm gewährte der Teamchef seinen Schützlingen am Samstagnachmittag einige freie Stunden. Koller selbst analysierte mit Thomas Janeschitz das 3:3 der Ukraine in Kiew gegen Deutschland, das der ÖFB-Assistenzcoach vor Ort gesehen hatte.
Positives Bild
Der Teamchef hatte die Partie gemeinsam mit der Mannschaft vor dem TV-Gerät verfolgt und vermittelte am Tag danach ein positives Bild der Osteuropäer. "Die Ukrainer haben sehr defensiv und kompakt gespielt und dann ihre Stärke - mit schnellen Leuten nach vorne zu kommen - gut umgesetzt." Für Sonntag hat der Betreuer ein Videostudium des Gegners angesetzt. "Wir wollen den Spielern vor allem die Taktik, die Standards und den Spielaufbau der Ukrainer vermitteln." Aus diesem Grund hat sich Koller bereits deren Oktober-Siege über Bulgarien und Estland zu Gemüte geführt - diese Partien dürften für die ÖFB-Auswahl in punkto Taktik mehr Aussagekraft als das Deutschland-Match haben, schließlich werden die Ukrainer gegen Österreich wohl deutlich offensiver als gegen das DFB-Team agieren. Doch weder die Gefahr eines angriffslustigen Gegners noch der Achtungserfolg des EURO-2012-Gastgebers gegen den WM-Dritten können den Nationaltrainer aus der Ruhe bringen. "Für uns hat sich die Situation nicht verändert, weil wir zuerst auf uns schauen müssen. Wir Trainer müssen den Spielern unsere Ideen näherbringen."
Seine persönliche Idee habe sich nach den vergangenen Tagen "ein bisschen" verändert, meinte Koller, ohne näher auf seine Gedankengänge einzugehen. Die werde er zuerst dem Team mitteilen. Inwieweit die Philosophie des Nationaltrainers schon gegen die Ukraine bemerkbar sein wird, wagte Koller nicht zu prophezeien. "Man wird das eine oder andere sehen, aber sicher nicht alles. Das wäre ja auch der helle Wahnsinn, wenn schon alles funktionieren würde." Die Frage nach bereits erkennbaren Fortschritten wollte Koller ebensowenig beantworten wie jene nach der Aufstellung - die erfahren zuerst die Kicker voraussichtlich am Spieltag, um Ukraine-Teamchef Oleg Blochin nicht schon im Vorfeld zu viele Informationen zukommen zu lassen. Mit dem früheren Star-Stürmer hat der ÖFB-Coach noch eine Rechnung offen, schließlich schied er als Spieler 1983 im Meistercup gegen das von Blochin angeführte Dynamo Kiew aus.












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