"Österreich ist wieder auf einem guten Weg"
Für Gladbach-Legionär Martin Stranzl (30) ist das österreichische Fußball-Nationalteam kein Thema mehr. Und das hat seine Gründe.

Foto © GEPAMartin Stranzl absolvierte 65 Spiele für Rot-Weiß-Rot
Herr Stranzl, Teamchef Marcel Koller hat Sie besucht und eine Abfuhr für das Nationalteam erhalten . . .
MARTIN STRANZL: Ja, er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, wieder für Österreich zu spielen. Wir haben uns in einer guten Atmosphäre ausgetauscht, aber ich habe ihm erklärt, dass ich nicht mehr zur Verfügung stehe.
Was sind die Gründe?
STRANZL: Mein Vertrag bei Gladbach läuft bis 2013, danach werde ich meine Karriere beenden. Unsere Planung sieht vor, dann ins Burgenland zurückzukehren. Ein Kind kommt in den Kindergarten, das andere in die Schule.
Aber dann sind Sie doch erst 33?
STRANZL: Ich kenne die Entwicklung des Fußballs und ich kenne meinen Körper. Vor diesem Hintergrund macht es keinen Sinn, eine Qualifikation für ein Turnier zu spielen, bei dem ich dann auf keinen Fall mehr dabei wäre.
Kann Österreich die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien denn überhaupt schaffen?
STRANZL: Ich wünsche Marcel Koller, dass er es packt. Er ist ein netter und geradliniger Mensch.
Dessen Verpflichtung von sehr viel Kritik begleitet wurde . . .
STRANZL: Darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Es ist eine richtige Unart geworden, jemanden zu beurteilen, ohne dass er seine Arbeit unter Beweis gestellt hat. Jeder Trainer hat seine eigenen Gedanken und Vorstellungen, also sollte ihm auch Zeit eingeräumt werden. Am Ende gibt ihm dann der Erfolg recht oder eben auch nicht.
Seit rund 20 Jahren passiert in Österreich eher Letzteres. Warum?
STRANZL: Das lässt sich gut an meiner Karriere erklären, denn ich bin in einer Generation groß geworden, in der es nicht mehr lief. Wir haben Junioren-Länderspiele gegen Frankreich und Deutschland mit 0:6 und 1:5 verloren. Da habe ich mich gefragt, ob in diesen Nationen besser gearbeitet wird, und bin schon mit 17 nach München gegangen. Dort habe ich festgestellt, dass tatsächlich bessere Jugend-Konzepte existieren und im Training ein höheres Tempo vorherrscht.
Und in Österreich?
STRANZL: Da haben sie falsch geplant. Die Vereine haben damals mit viel Geld versucht, Ausländer zu holen und ihre eigenen Talente dabei vergessen. Und die, die noch gespielt haben, waren mit ihrem Status zufrieden, anstatt sich zu trauen, im Ausland einen Schritt zur weiteren Entwicklung zu machen.
Nun scheinen viele Ihrem Vorbild zu folgen. Prödl, Arnautovic und Harnik zum Beispiel.
STRANZL: Martin hat eine super Entwicklung genommen. Prödl hat eine lange Verletzungspause etwas gebremst, aber er hat Potenzial und auch die nötige Fähigkeit zur Selbstkritik. Und über Arnautovic müssen wir nicht diskutieren. Er ist genial. Österreich ist zumindest wieder auf einem guten Weg.













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