Marcel Koller als der "Anti-Peppi"
Die Bestellung des Schweizers Marcel Koller als neuer ÖFB-Teamchef in der "Außensicht" der Süddeutschen Zeitung.

Foto © APAÖFB-Boss Leo Windtner und sein neuer Fußball-"Oberlehrer" Marcel Koller
Mit der Wahl des unspektakulären Ausländers Marcel Koller hat sich der Österreichische Fußball-Verband tatsächlich für ein klares Gegenmodell entschieden. Sonst wurden zumeist spektakuläre Inländer genommen, wie Didi Constantini, ein lässiger Mann mit Schilehrer-Charme, zu dessen herausragendsten Karriere-Leistungen es gehört, irgendwann mal Ernst Happel über den Weg gelaufen zu sein. Die meisten von Didis Vorgängern waren besser bekannt unter ihren Kampfnamen Peppi (Hickersberger), Schneckerl (Prohaska) und Goleador (Krankl), lustige Burschen allesamt, zu deren herausragendsten Karriere-Leistungen es gehört, den Piefkes bei der WM 1978 die Schmach von Cordoba zugefügt zu haben.
Seither haben sie den österreichischen Fußball in wechselnden Funktionen im Griff. Wenn sie nicht gerade selber Teamchef sind, schreiben sie Kolumnen für Boulevardzeitungen, in denen sie mit hinterhältigem Schmäh über den Teamchef lästern (aufgrund eines noch nicht näher untersuchten Zufalls gibt es in Österreich ungefähr genau so viele Boulevardzeitungen, wie es Helden von Cordoba gibt).
Handwerklich war die öffentlich geführte Trainersuche des Verbandes von imponierender Unbeholfenheit, aber das ist nichts, was gegen Marcel Koller verwendet werden darf. Der 50-Jährige ist ein Anti-Peppi, ein trockener, von jeglichem Schmäh weiträumig umfahrener Schweizer, der sich bei seinen Stationen in der deutschen Bundesliga (Köln, Bochum) einen sehr seriösen Ruf erwarb. (. . .) Er ist sogar so besonnen, dass Freunde österreichischer Folklore künftig sehr tapfer sein müssen.
Koller wird sich nicht wie Didi Constantini nach der offiziellen Pressekonferenz zu den Journalisten stellen und ein inoffizielles Weißbier mit ihnen trinken. Er werde aber "alles dafür tun, dass wir mit Leidenschaft spielen und die Fans mitnehmen", sagte Koller. Er wird im November beginnen, die letzten Qualifikationsspiele coacht vertretungshalber Sportdirektor Willi Ruttensteiner.
"Ohne Koller zu nahe zu treten: Solche Trainer haben wir in Österreich genügend", stichelte Schneckerl Prohaska, kaum dass die Personalie bekannt war. Es geht schon los.
Marcel Koller wird dieses spezielle Milieu noch kennenlernen, aber wer diesen vernunftbetonten Denker kennt, traut ihm zu, dass er sich von subversivem Schmäh nicht aus der Ruhe bringen lässt. Koller weiß, dass er ein Kompromisskandidat ist. Plan A wäre die kleine, die österreichische, die Andy-Herzog-Lösung gewesen. Plan B wäre die große Lösung gewesen, jene mit Christoph Daum, aber im Verband haben sie Sorge gehabt, dass ihnen dieser schrille Mensch über den Kopf wachsen könnte.
Marcel Koller ist Plan C. Er ist kein Österreicher, aber er versteht ihre Sprache, und er geht davon aus, dass Österreicher nur dann etwas gegen Schweizer haben, wenn sie aus Versehen die Abfahrt in Kitzbühel gewinnen.













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