Der zwölfte Mann war doch da
Es wurde nichts aus dem befürchteten Auswärtsspiel in der Heim-Arena. Österreichs Fans waren gegen die Türkei in Form, ließen aber auf sich warten.
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V ier Stunden vor dem Anpfiff des Duells zwischen Österreich und der Türkei geht die letzte der 47.500 Karten über den Ladentisch. Das Happel-Stadion ist ausverkauft. Zwei Stunden später im Schweizerhaus im Wiener Prater. Dort wo sich vor Länderspielen die österreichischen Fans traditionell zu Hunderten aufwärmen, sind zwar auch diesmal alle Tische besetzt, aber es ist deutlich ruhiger als sonst.
Zum selben Zeitpunkt rollen die U-Bahnen bereits gefüllt mit stimmgewaltigen türkischen Fans in Richtung Stadion. Es deutet alles auf ein Auswärtsspiel in Österreichs Heim-Arena hin.
Kurz vor Sieben ein symptomatisches Bild. Der türkische Mannschaftsbus muss sich im Schritttempo den Weg durch begeisterte Fans bahnen. "Türkiye, Türkiye" hallt es hundertfach über den Stadionvorplatz. Als Minuten später der Bus der Hausherren vorfährt, nehmen die heimischen Fans kaum Notiz davon. Dass es doch dezenten Applaus gibt, ist dem türkischen Anhang zu verdanken.
Keine Spur von Fußballfrust
Ist der gemeine österreichische Fußballfan der Nationalelf endgültig überdrüssig? Haben die zuletzt dürftigen Darbietungen die rot-weiß-rote Fußballseele derart verletzt, dass man nicht mehr gewillt ist, die Daumen zu drücken?
Nein, denn pünktlich zum Anstoß steht er auf den Tribünen, schwenkt zum Radetzkymarsch begeistert die Fahnen, überstimmt selbst die lautstarken türkischen Fans, singt voller Inbrunst die Hymne - Österreichs zwölfter Mann.
Plötzlich ist nichts mehr zu bemerken von einem etwaigen Fußballfrust im Land. Es hat den Anschein, als wolle man sich noch einmal gemeinsam dem Unvermeidbaren entgegenstemmen - dem Scheitern in der EM-Qualifikation. Also klammert man sich an den letzten, winzig kleinen Strohhalm und versucht Christian Fuchs und Kollegen zu einem Erfolg gegen die Türkei zu peitschen.
Lediglich beim Verlesen des Fair-Play-Kodex' der UEFA gibt es Misstöne, denn der türkische Kapitän Cetin Servet wird dabei gnadenlos ausgepfiffen. Das wiederum dürfte UEFA-Präsident Michel Platini nicht gefallen haben. Der hatte vor dem Anstoß Österreichs Rekord-Internationalen Andreas Herzog für seine 103 Länderspiele geehrt und saß am Dienstag ebenso auf der Ehrentribüne wie Bundespräsident Heinz Fischer, Verteidigungs- und Sportminister Norbert Darabos, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und natürlich Möchtegern-Teamchef Toni Polster.










