Neue Köpfe braucht das (Fussball-) Land
ÖFB-Teamchef Didi Constantini wird seinen Hut nehmen müssen, die Zeit der Kandidaten ist angebrochen. Sturm-Coach Franco Foda gilt als Favorit.

Foto © GEPAVon Franco Foda bis Christoph Daum: Wer w
Diese Konstellation verdient sich das Prädikat "Groteske der EM-Qualifikation". Österreich verliert gegen Deutschland 2:6 und noch immer ist die EM-Chance nicht völlig vernichtet. Mit drei Siegen und Niederlagen, darunter einem Erfolg mit mehr als zwei Toren Unterschied über die Türkei und einer Sechs-Punkte-Reise nach Aserbaidschan und Kasachstan, dazu Niederlagen der Türken (zu Hause) und der Belgier gegen Deutschland kann das Nationalteam noch den zweiten Gruppenplatz und damit die Relegation erreichen.
Es werden also viele Bedingungen gestellt, nach menschlichem Ermessen zu viele. Erschwerend hinzu kommt der Umstand der bisherigen Vorlagen des Austro-Teams. Demnach ist vor allem nicht anzunehmen, dass Österreich neun Punkte holt. Die EM-Qualifikations-Bilanz 2011 hat nach vier Spielen eine glatte Null vorzuweisen und dennoch verharrt ÖFB-Präsident Leo Windtner - zumindest nach außen hin - in der Teamchef-Frage in der Abwarteposition. Das Türkei-Spiel müsse wegen der minimalen Chance noch abgewartet werden. "Ein Schnellschuss bringt jetzt nichts." Er würde nur die Vorbereitung auf das Wiener Match am Dienstag stören.
Kein Heimvorteil
Für diese Partie wird übrigens eine Umkehrung des Heimvorteils befürchtet, denn für den Gegner geht es nach dem äußerst glücklichen Erfolg über Kasachstan tatsächlich auf realistischer Ebene um Platz zwei und ein beträchtlicher Teil der bisher verkauften 44.000 Karten dürfte an in Wien ansässige türkische Anhänger gegangen sein.
Ein schärferer Blick auf den festgefahrenen rot-weiß-roten EM-Anlauf gibt noch einige andere erschütternde Details preis. Besonders die in der Schalke-Arena einmal mehr desaströse Abwehr wird von den puren Zahlen in ihre Bestandteile aufgelöst. So liegt Österreich in einer Zwischenwertung bei den erhaltenen Toren unter 51 an der EM-Qualifikation teilnehmenden Nationen mit 16 Stück auf Platz 45, gleichauf mit Malta und Andorra, aber noch hinter Luxemburg oder Liechtenstein. Lediglich die sogar von der Constantini-Elf geschlagenen Mannschaften von Kasachstan und Aserbaidschan sowie die Färöer und San Marino haben mehr Treffer erhalten. Hier ist Österreich statistisch im Reich der Zwerge angekommen.
Ein Teamchef, dessen Handschrift solche Zahlen zurücklässt, ist nicht zu halten. Daher wird schon heftig über mögliche Nachfolger spekuliert. Franco Foda gilt als erster Anwärter auf den Posten, zumal Sturm die Champions League verpasst hat. Andi Herzog könnte interimistisch übernehmen, eine Dauerlösung käme wohl zu früh. Paul Gludovatz darf als ernsthafter Kandidat gelten, doch stellt sich beim 65-jährigen Ried-Betreuer die Altersfrage. Das Feld der Kandidaten geht weit auf, wenn sich die ÖFB-Granden zu einer Außenlösung durchringen. Ex-Austria-Wien-Coach Christoph Daum wäre frei, ist aber sehr umstritten. Arsene Wenger hat derzeit Probleme bei Arsenal, ein Mann seiner Kategorie ist aber kaum zu bekommen. Mirko Slomka war schon vor Jahren im Gespräch, hat sich aber inzwischen in der deutschen Bundesliga gefestigt. Doch es ist höchste Zeit für einen Wechsel.
Features
Mögliche Teamchef-Nachfolger
- Franco Foda: Der Teamchef-Favorit
- Mirko Slomka: Der Hannoveraner
- Arsene Wenger: Der Unfinanzierbare
- Toni Polster: Der Möchtegern-Teamchef
- Paul Gludovatz: Der Altmeister
- Andreas Herzog: Der Kronprinz
- Christoph Daum: Der Sprücheklopfer










