Auftakt ohne die echte Nummer Eins
Empörung vor dem EM-Auftakt. Christian Gratzei wurde zur Nr. zwei degradiert. Jürgen Macho steht im Tor.

Foto © GEPAChristian Gratzei
Nach einer Woche Trainingslager in Flachau ist die österreichische Nationalmannschaft gestern nach Salzburg übersiedelt. Und nicht nur das war ein Hinweis darauf, dass es nun auch für die rot-weiß-rote Auswahl in Sachen EM-Qualifikation ernst wird. Heute wartet in Wals-Siezenheim Auftaktgegner Kasachstan auf Marc Janko und seine Kollegen. Ein anderes Indiz für den Anpfiff. Die "T-Frage" wurde endlich gelöst. Nach einer Woche des Rätselns ließ Teamchef Didi Constantini die Katze, respektive den Tormann, aus dem Sack. Und der Tiroler machte es kurz und schmerzlos. "Jürgen Macho wird gegen Kasachstan im Tor stehen." Gründe für die Entscheidung zugunsten des Burgenländers und zuungunsten des Steirers Christian Gratzei wollte er vor versammeltem Auditorium keine nennen.
Alter und Erfahrung
Im Vieraugengespräch war Österreichs Fußball-Feldherr dann anzumerken, dass die Entscheidung keine leichte war. "Alle drei (Macho, Gratzei und Michael Gspurning Anm.) sind Einser-Goalies. Gratzei hat immer, wenn er im Team gespielt hat, Topleistungen gebracht. So eine Entscheidung ist immer eine Bauchsache", versuchte Constantini die Wahl zu erklären, um dann hinzuzufügen, dass schlussendlich für Macho "die größere internationale Erfahrung und das höhere Alter" gesprochen haben. "Gratzei kann noch fünf Jahre länger spielen als Macho, seine Zeit kommt noch."
Auch für Ex-Teamspieler Peter Stöger gibt es keinen sportlichen Grund, der für den einen oder den anderen sprechen würde. "Ich weiß, ich bin unfair zu Gratzei, der seit Monaten bei Sturm ohne Fehler agiert, aber auch in meiner Wahrnehmung ist Macho eher der Einser-Teamtormann. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass er mehr Selbstbewusstsein ausstrahlt."
Für Sturms Sportdirektor Oliver Kreuzer ist die Entscheidung "unverständlich und nicht nachvollziehbar, weil alle sportlichen Gründe klar für Christian sprechen". Die Tormann-Wahl des Teamchefs sei aber zu respektieren und zu akzeptieren. "Für mich war es immer ein hohes Ziel, in der EM-Qualifikation zu spielen", freute sich Macho über die Entscheidung.
Gratzei gab sich als fairer Verlierer. "Ich kann dazu nichts sagen", war sein einziger Kommentar und der Sturm-Tormann versuchte dabei unverfänglich zu klingen. Wer aber weiß, welche Alphatiere Torleute sind, der kann die Enttäuschung sehr gut erahnen.
Ein kleiner Trost für Gratzei. Constantini ließ durchblicken, dass die Wahl des Tormanns nur für das Spiel gegen Kasachstan gilt. Aber ehrlich gesagt darf der österreichische Tormann heute gegen die Kasachen ohnehin keine Hauptrolle spielen.
Porträt des Tages Seite 7
Features
Mögliche Aufstellung:
Österreich – Kasachstan (20.30 Uhr/live ORF1, EM-Stadion Wals-Siezenheim, SR Marijo Strahonja/Kroatien)
Österreich: Macho (Panionios Athen/19 Länderspiele/-18 Gegentore) - Dag (Besiktas/2 Länderspiele/0 Tore), Prödl (Werder Bremen/24/2), Pogatetz (Hannover/38/2), Schrammel (Ried/0) - Kavlak (Rapid/8/0), Schiemer (Salzburg/14/2), Alaba (Bayern München/3/0), Jantscher (Salzburg/7/1) - Janko (Twente Enschede/16/7), Hoffer (Kaiserslautern/17/2)
Ersatz: Gratzei (Sturm Graz/4/-8) - Dragovic (Austria/9/0), Klein (Austria/2/0), Baumgartlinger (Austria/6/0), Leitgeb (Salzburg/27/0), Harnik (Stuttgart/17/2), Linz (Austria/36/7), Maierhofer (Duisburg/10/1), Wallner (Salzburg/29/7)
Fraglich: Fuchs (Mainz/32/0 - Rückenprobleme)
Es fehlen: Korkmaz (Viruserkrankung), Beichler (Leisten-OP), Junuzovic, Hölzl (beide Muskelfaserriss im Oberschenkel), Ulmer (Adduktorenriss), Ortlechner (Bänderverletzung im Sprunggelenk)










