Garics: Ivanschitz, Stranzl hätten ÖFB-Nominierung verdient
György Garics hat sein Unverständnis über einige Vorkommnisse rund um die österreichische Fußball-Nationalmannschaft zum Ausdruck gebracht.

Foto © APAGyörgy Garics
So würde der Atalanta-Legionär etwa Andreas Ivanschitz oder Martin Stranzl gern in der ÖFB-Auswahl sehen und dafür härtere "Zugangskriterien" für Youngsters schaffen. Differenzen gibt es mit Teamchef Dietmar Constantini auch in der Frage der Aufgaben-Definition eines Außenverteidigers.
Garics wundert sich, warum der aktuelle Topscorer der deutschen Bundesliga und der Innenverteidiger eines russischen Titelanwärters im Moment nicht gut genug für die ÖFB-Auswahl sein sollen. Dabei hatte der Defensivspieler noch im vergangenen Frühjahr die Entscheidung von Constantini unterstützt, auf die Beiden zu verzichten, da sie damals bei ihren Clubs keine Spielpraxis hatten. "Ich war der erste Gegner von Andi (Ivanschitz), das habe ich ihm auch immer wieder gesagt. Als er nicht gespielt hat, war ich einverstanden, dass er nicht geholt worden ist", sagte der 25-Jährige.
Qualität
Mittlerweile aber sei die Situation eine andere. "Ich glaube, dass er mit seiner Qualität ins Team reingehört. Man schießt in Deutschland nicht umsonst diese Tore, bringt diese Leistungen und diese Assists." Ähnliches gelte auch für Stranzl. "Als er nicht gespielt hat, war ich auch einverstanden, dass er nicht dabei war. Leider zählt im Fußball nicht die Vergangenheit, nicht das, was du geleistet hast, sondern nur das, was du zur Zeit bringst und was du noch bringen wirst. Doch wenn er bei seinem Club spielt, muss er meiner Ansicht nach dabei sein."
Mit dem Sager von Josef Hickersberger über "die Besten" und "die Richtigen" kann Garics wenig anfangen. "Die Besten und die Richtigen gibt es nicht. Auf jeder Position im Nationalteam müssen die Besten spielen. Es gibt die, die sich das Recht durch ihre Leistungen bei den Vereinen verdient haben. Die werden hergeholt und müssen schauen, dass sie diese Leistungen hier auch bringen. Ob die jetzt 17 oder 33 Jahre alt sind, soll völlig egal sein", forderte der gebürtige Ungar.
Der Rechtsverteidiger kann mit der Vorgehensweise von Constantini, junge Spieler schon nach wenigen gelungenen Auftritten in der Liga zum ÖFB-Team zu holen, wenig anfangen. "Wenn ein Spieler bei seinem Verein zwei-, dreimal gut gespielt hat und jung ist, soll das nicht heißen, dass er im Team einen fixen Platz hat. Denn das muss verdient sein."
Zwar liege die Entscheidung beim Nationaltrainer ("Er ist dafür bestimmt worden und dafür auch verantwortlich"), dennoch würde sich Garics wünschen, dass eine Bestätigung des ersten "Strohfeuers" erfolgen sollte. "Wenn der Teamchef der Ansicht ist, derjenige verdient es nach zwei, drei guten Spielen, dass er im Team dabei ist, holt er ihn dazu. Aber dann muss es in die andere Richtung genauso funktionieren. Sollte derjenige beim Verein zweimal schlecht spielen, dann kann ich ihn nicht noch einmal dazuholen und sagen: Na gut, er hat zwei-, dreimal gut gespielt, er ist noch jung", betonte der Ex-Rapidler und meinte außerdem: "Das Team ist immer noch das Nationalteam, da sollten die Besten einer Nation spielen."
Die Youngsters müssten erst einmal beweisen, dass sie über einen längeren Zeitraum gute Leistungen bringen können. "Warum kaufen Top-Vereine keine Spieler nach einer guten Saison? Die warten alle auf eine Bestätigung. Auf hohem Niveau funktioniert das so, und genauso sollte es hier (im ÖFB-Team) sein."
Offensivdrang
Auch im Zusammenhang mit der Interpretation der Rolle eines Außenverteidigers ist Garics nicht einer Meinung mit Constantini. Der Tiroler verlangt auf dieser Position von seinen Spielern, ihre Offensivaktionen deutlich einzuschränken. "Der Teamchef hat immer angesprochen, dass er möchte, dass hinten trocken gespielt wird. Aber ich glaube, im heutigen Fußball wird es immer wichtiger, dass die Außenverteidiger Offensivdrang haben", erklärte Garics, zeigte aber auch ein bisschen Verständnis. "Weil wir im Team meistens Außenseiter sind, ist es sicherlich eine Art und Weise, sich zu schützen, dass man bei einem eventuellen Ballverlust nicht zu offen steht. Das könnte die einzige Überlegung dahinter sein."
Außerdem sei zu akzeptieren, dass der Trainer die Taktik bestimme. "Jeder Teamchef hat seine Art und Weise, zu spielen. Ich habe meine Art und Weise und natürlich ist er der Chef. Ich muss mich an ihn anpassen."
So wie Constantini wünscht sich laut Garics auch der aktuelle Atalanta-Trainer Antonio Conte defensiv eingestellte Außenverteidiger. "Conte hätte am liebsten vier Innenverteidiger, weil er nicht will, dass die Außenverteidiger nach vorne gehen. Ich sage, das ist ein vollkommener Blödsinn. Überall werden linke und rechte Verteidiger gesucht, die den Drang nach vorne haben, die 90 Minuten auf und abgehen können, was aber nicht heißt, dass sie nicht verteidigen können. Du musst deine Defensivaufgaben leisten, aber je mehr Mittel du hast, nach vorne mitzugehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du mehr Druck erzeugen kannst und erfolgreicher wirst."









