Am Ende war es doch ein echtes Derby
Derby-Analyse einmal anders: Wie Christian Gratzei und Dominique Taboga das Spiel erlebten. Und wann ein Spiel wirklich dramatisch ist.

Foto © GEPAGratzei (links) und Taboga benoten die Kollegen
Christian Gratzei steht jubelnd auf einem Sessel. Oben, ganz unter dem Dach der UPC Arena. Neben ihm wirkt Dominique Taboga versteinert, verzieht keine Miene. Es ist die 96. Minute des Steirer-Derbys, jener Moment, in dem Darko Bodul zum 1:0-Sieg für die Grazer trifft. Sturm-Tormann Gratzei und der Kapfenberger Abwehrchef Taboga waren zum Zuschauen verurteilt. Sie taten es diesmal mit der Kleinen Zeitung. Nervosität? "Nicht mehr als normal", sagt Gratzei. Vor dem Anpfiff. Danach wird er mitunter doch emotional. Sein Sitznachbar wirkt ruhiger.
Das mag daran liegen, dass sich Taboga mit dem "Derby-Charakter" noch nicht angefreundet hat. "Nein, ein echtes Derby - wie Sturm gegen GAK oder Kapfenberg gegen Leoben - ist es nicht. Auch, weil es meistens nicht knapp ist." Für Gratzei ist dagegen klar: "Ein Derby ist ein Derby - und das ist einfach eines. Es geht ja darum, wer die Nummer eins der Steiermark ist."
Dann geht's los. Es wird ein wenig gefachsimpelt. Über die Spielsysteme. "Wir haben ein 4-4-1-1", erklärt Taboga. Sturms 4-4-2 ist ohnehin keine Frage.
Als Darko Bodul in Minute 33 Raphael Wolf aussteigen lässt, Ralph Spirk den Ball aber noch von der Linie kratzt, sieht man das erste Mal echte Emotionen. "Wenn du den reinmachst, bist du ein Großer. Wenn nicht, dann bist das Hendl . . .", sagt Gratzei kopfschüttelnd. Taboga atmet durch. "Im Vorjahr hat Ralph an meinem Geburtstag zwei Tore gemacht. Das hätte ich heute auch gern. Aber eines streich' ich ihm nach der Rettung." Das Spiel ist abwechslungsreich. "Wir haben es unter Kontrolle, kreieren Chancen. Nur sollte eine auch reingehen", sagt Gratzei. Auch Taboga ist zufrieden: "Bisher ist es unsere beste Auswärtspartie der Saison. Ich bin überrascht, wie viel Sturm zulässt."
Nach der Pause wird alles hektischer, aufgeregter. Erstmals, nachdem Bodul von Schönberger gestoppt wird und Gelb sieht. "Wenn er ein Foul gibt, muss er ihn ausschließen", schimpft Gratzei. Und Taboga erklärt: "Es war aber kein Foul! Dass es nur Gelb gab, zeigt, dass er sich nicht sicher war." Dann wird wieder gescherzt. "Hat der Wolf schon einen selbst halten müssen?", fragt Gratzei. In diesem Moment lenkt Wolf einen Ball von Bodul leicht, aber genug ab - Stange. "Bravo Wolf!", schreit Taboga, schaut Gratzei an und sagt: "Ja. Jetzt hat er gehalten." Nach einem Gollner-Lattenschuss sagt Gratzei: "Dramatisch. Aber das kann es ja erst am Schluss sein."
Die Chancen häufen sich. Auf beiden Seiten. "Jetzt könnte sich schon keiner über einen Rückstand beschweren", sagt Taboga. Und Christian Gratzei spornt sein Team an: "Wir dürfen nicht abfallen. Wenn wir jetzt so weiterspielen, geht was." Zehn Minuten später analysiert er: "Wir werden ungeduldig. Die Bälle kommen nicht mehr in die Schnittstellen." Die anderen Sturm-Spieler schauen vorbei. Aufgeregt. Fast entnervt. "Alle spielen für uns", sagt Andreas Hölzl und schaut auf sein Handy, "und wir nützen es nicht."
Plötzlich ist es spürbar: das Kribbeln, die Derby-Atmosphäre. "Dass dieses Spiel 0:0 ausgeht, ist wirklich eine Gemeinheit", sagt Gratzei. Während Taboga oft nur noch den Atem anhält, gibt Gratzei lautstark Anweisungen, auch wenn ihn unten keiner hört. Nach dem 1:0 versteht auch er sein eigenes Wort nicht mehr. "Ich hab's ja gesagt. Dramatisch wird's am Schluss", sagt Gratzei. Taboga schüttelt ihm die Hand. Fair. Aber niedergeschlagen. In einem sind sich beide einig: "Das war das beste Derby bisher. Weil es so ausgeglichen und eng war." Danach benoten sie die Spieler des Gegners.
Gratzeis Noten für den KSV: Wolf 4; Sharifi 3, Schönberger 3, Gollner 3, Harrer 3; Hüttenbrenner 4, Spirk 4, Sencar 3, Elsneg 4; Ordos 4; Prokoph 3.
Tabogas Noten für Sturm: Cavlina 4; Standfest 4, Feldhofer 3, Dudic 3 (46. Burgstaller 3), Klem 3; Wolf 3, Weber 4, Koch 3, Kainz 4; Kienast 3, Bodul 4.



















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