Austria profitiert vom Grazer 3:3
Das Remis im Grazer Schlagabtausch ist für Austria von Vorteil. Indes spricht Rapid-Kapitän Hoffmann Klartext: "Wenn man 3:1 führt und dann 3:3 spielt, dann ist das wie eine Niederlage."

Foto © APAllen Grund zur Freude bei der Wiener Autstria
Die Wiener Austria geht mit drei Zählern Vorsprung ins entscheidende Viertel der Fußball-Bundesliga. Nach einem mühevollen 2:0-Heimsieg gegen den Kapfenberger SV profitierte der Spitzenreiter vom Remis der unmittelbaren Konkurrenz in Graz. Nach einem packenden Schlagabtausch musste sich Verfolger Sturm gegen Rapid mit einem 3:3 begnügen. Die Grün-Weißen gaben dabei nicht nur einen Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand, sondern ließen auch die Möglichkeit verstreichen, ein Zeichen im Titelrennen zu setzen.
Nach einem Fast-Abbruch bereits in der 2. Minute aufgrund eines Becherwurfs auf einen Schiedsrichter-Assistenten entwickelte sich in der ausverkauften Grazer UPC-Arena ein Spiel, das beide Trainer nach Schlusspfiff unbefriedigt zurückließ. "Es wäre mehr als ein Remis für uns drinnen gewesen", meinte Sturm Franco Foda. Sein Gegenüber Peter Pacult stieß ins selbe Horn: "Wenn man auswärts 3:1 führt, ist es natürlich schade, wenn man am Ende nicht gewinnt."
Nachdem Steffen Hofmann den Großteil der 15.323 Zuschauer mit seinem ersten Treffer seit Oktober in der 55. Minute per Freistoß verstummen ließ, sah der Rekordmeister bereits wie der Sieger aus. Doch Sturm schlug postwendend zurück, Imre Szabics und Torschützenlisten-Leader Roman Kienast mit seinem 15. Saisontor glichen innerhalb von zwei Minuten aus. Einen Zwei-Tore-Vorsprung hatte Rapid zuletzt im August 2003 gegen die Austria (2:2) vergeben.
Wie eine Niederlage
"Wenn man 3:1 führt und dann 3:3 spielt, dann ist das wie eine Niederlage", sprach Rapid-Kapitän Hofmann Klartext. Bei nun sieben Punkten Rückstand auf die Austria verpasste der Erzrivale die große Chance, an der Spitze dranzubleiben. "Mit einem Sieg wären wir wieder vorne dabei gewesen. Wir müssen trotzdem weiter nach vorne schauen", richtete der Deutsche bereits den Blick auf das "Rückspiel" am kommenden Samstag im Hanappi-Stadion.
Für Sturm blieb am Ende auch die Tatsache, gegen Rapid nicht gewinnen zu können. Seit nunmehr sechs Spielen ist man gegen die Wiener sieglos, nach drei Niederlagen gab es nun wenigstens einen Zähler. "Vielleicht gelingt uns die Überraschung nächste Woche", meinte der Ex-Rapidler Kienast mit Blick auf das Spiel an seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Wie in Graz ersichtlich, dürften beide Teams auch im Westen Wiens auf Angriff spielen. Ein weiteres Unentschieden würde nur den Rivalen nutzen.
Weiteres Remis käme Austria recht
Der Austria käme ein weiteres Remis nur recht. In den Auftritten in Kapfenberg und danach zu Hause gegen Mattersburg wollen die Violetten sechs Zähler, um womöglich mit einem kleinen Punktepolster in die finalen Runden zu gehen. "Wenn es bei der Konkurrenz eine Punkteteilung gibt und wir gewinnen, dann ist das die beste Situation, die es gibt", sagte Coach Karl Daxbacher nach dem Arbeitssieg gegen die Obersteirer.
Chance um Chance vergab der in der zweiten Spielhälfte anstürmende Spitzenreiter, sogar vom Elferpunkt ließ Florian Klein die Möglichkeit auf die Führung ungenutzt. Zum Matchwinner avancierte schließlich der unermüdlich rackernde Tomas Jun. Der Tscheche bezwang Kapfenbergs Klasse-Schlussmann Raphael Wolf mit etwas Glück zum befreienden 1:0 und legte in der Nachspielzeit nach.
"Das war wirklich ein hartes Stück Arbeit. Aber wenn wir oben bleiben wollen, müssen wir gewinnen und auch in Kapfenberg drei Punkte holen", erklärte der nach einem Kreuzbandriss in der vergangenen Saison noch immer nicht voll fitte Jun. Nach einem erfolglosen Herbst erzielte der 28-Jährige im Frühjahr bereits drei Tore und hatte mit Anteil, dass der Vizemeister mit 17 Zählern in acht Spielen die beste Elf im Jahr 2011 ist.
"Gott sei Dank spielen wir auswärts"
Dass der Weg zum Titel noch ein beschwerlicher werden kann, ist im Lager der Austria aber allen bewusst. Die sogenannten Pflichtsiege seien auch für die laut KSV-Trainer Werner Gregoritsch spielstärkste Mannschaft der Liga nicht im Vorbeigehen zu realisieren. "Wir sind sicher nicht so gut, dass wir Teams wie Kapfenberg oder Mattersburg überrennen", sagte Daxbacher nach seinem 50. Heimspiel als Austria-Coach.
Offensichtlich wurde gegen den Tabellenachten, dass die Austria vor allem bei Standardsituationen immer für ein Gegentor gut ist. "Da haben wir Probleme", gab Daxbacher zu. Kapfenberg wird jedenfalls versuchen, vor heimischem Publikum den Spieß umzudrehen. Dass der Spitzenreiter Auftritten in gegnerischen Stadien bereits entspannter entgegensieht als Heimspielen, verdeutlichte aber eine Aussage von Verteidiger Manuel Ortlechner: "Auch nächste Woche wartet ein schweres Match, aber Gott sei Dank spielen wir auswärts."


















