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GAK², Gratkorn und Fischl - das ist Geschichte Abrechnung mit den GAK-Hooligans Voriger Artikel Aktuelle Artikel: GAC Nächster Artikel GAK², Gratkorn und Fischl - das ist Geschichte Abrechnung mit den GAK-Hooligans
Zuletzt aktualisiert: 09.06.2012 um 22:14 UhrKommentare

Das "ewige Problem" Randalierer

Nach dem Platzsturm einiger "Fans" des GAK in Hartberg fragt man sich: Wie ist so etwas möglich? Antworten auf viele Fragen rund um das Spiel in Hartberg und auf ein Problem, dem man kaum Herr werden kann.

Abgeführt: ein Rädelsführer

Foto © GEPAAbgeführt: ein Rädelsführer

Warum wurde das Spiel überhaupt in Hartberg ausgetragen und nicht in einem größeren Stadion?

ANTWORT: Weil Hartberg nicht auf den Heimvorteil verzichten wollte. "Auch wenn es wirtschaftlich vernünftiger gewesen wäre, woanders zu spielen", sagt Hartbergs Obmann Franz Grandits. Zudem wurde das Stadion kommissioniert. "Die Infrastruktur ist in Ordnung, es gibt getrennte Zugänge und getrennte Sektoren", erklärt Manfred Komericky, der das Stadion für die Erste Liga und den Cup kommissioniert und lizenziert hat. Man hätte Hartberg also nicht zwingen können, das Match zu verlegen. "Sicher hätte es noch höhere Zäune geben können. Das macht solche Ausschreitungen zwar vielleicht schwieriger, verhindert sie aber nicht komplett", sagt Komericky.

Warum schafften es bekannt gewaltbereite Fans eigentlich, in das Stadion zu kommen?

ANTWORT: Die Polizei kann einem Kartenbesitzer den Zutritt zum Stadion nur dann verweigern, wenn er entweder Stadionverbot von der Bundesliga hat oder ein gerichtlicher Beschluss gegen ihn vorliegt. Somit sind der Exekutive rechtlich die Hände gebunden und der Verein selbst kann nur für das eigene Stadion ein Verbot aussprechen. Beim Verkauf der Karten werden von Fangruppen oftmals ganze Kontingente erstanden und an die Mitglieder weitergegeben, oder es werden "Strohmänner" geschickt. In einzelnen Fällen ist es sogar von Vorteil, wenn bekannte Gruppen im Stadion sind, da sie die Exekutive besser im Auge behalten kann als vor den Toren.

Was haben die Randalierer zerstört, wie hoch ist der Schaden und vor allem: Wer bezahlt ihn?

ANTWORT: Viel ist nicht ganz geblieben. "Die GAK-Fans haben alles abgerissen, was es auf ihrer Tribüne zum Abreißen gab. Unter anderem auch die Pissoirs der Toilettenanlagen, die sie dann auf das Spielfeld geworfen haben", sagt Obmann Franz Grandits. Nach einer ersten Bestandsaufnahme dürfte sich der Gesamtschaden auf 25.000 bis 30.000 Euro belaufen. Die endgültige Bilanz der Schreckensnacht steht aber noch nicht fest. Grandits: "Wer für den enormen Schaden aufkommt, müssen wir auch erst sehen. Auf alle Fälle wollten wir den GAK nicht gleich nach dem Spiel am Freitag mit diesem Problem konfrontieren. Die haben jetzt genug andere Sorgen."

War das Spiel in Hartberg ein Risikospiel und was heißt das?

ANTWORT: Ja. Dabei gibt es vor dem Stadion Schutzzonen, ein Wegweisungsrecht und es herrscht Alkoholverbot. Das hat Hartberg zumindest nicht eingehalten. "Es gab kein alkoholfreies, sondern Leichtbier, aber das wurde in der Sicherheitsbesprechung abgesprochen", sagt Klubsekretär Kurt Riedl. Die Schutzzone wiederum soll rivalisierende Fangruppen trennen. Das war in diesem Fall aber nicht das Problem, denn vor dem Spiel war in Hartberg ja noch alles ruhig.

Wie viele Spielabbrüche gab es bereits beim GAK?

ANTWORT: Drei Mal in den letzten drei Jahren sind Spiele des GAK aus Sicherheitsgründen abgebrochen worden: am 18. September 2009 (Platzsturm in Weinzödl gegen FC Lustenau beim 0:2), am 13. November 2010 (Becherwurf in St. Florian beim 0:2) und jetzt in Hartberg. Am 18. März 2006 stand das Grazer Derby gegen Sturm knapp vor dem Abbruch, weil die GAK-Fans zündelten und Rauchbomben warfen. Damals bekam der GAK eine Geldstrafe von 20.000 Euro.

Wie verlief der Polizeieinsatz? Griff die Polizei zu früh oder zu spät ein? Warum waren die Einsatzeinheiten nicht direkt vor dem GAK-Sektor postiert?

ANTWORT: Zwei Mal sei das Risiko-Spiel im Vorfeld besprochen worden, ein weiteres Mal unmittelbar vor Anpfiff, erklärt Einsatzleiter Martin Spitzer. Insgesamt 180 Beamte waren im Einsatz, davon 150 (sechs Züge) ausgebildete Beamte der Einsatz-Einheit (EE). "Vor dem Spiel und auch beim Marsch zum Stadion war es ruhig", sagt Spitzer. Warnungen sogenannter "szenekundiger Beamter" kamen erst zwischen dem 2:0 und dem 3:0. "Wir haben die Einsatz-Züge sofort zum GAK-Sektor beordert, aber dass die Lage so schnell eskaliert, war nicht abzusehen." Bis 23 Uhr gab es dann Auseinandersetzungen.

Wie viele gewaltbereite Fans wurden festgenommen? Gab es Verletzte? Welche Strafen warten auf die Randalierer? Wie werden diese ausgeforscht?

ANTWORT: Sieben Rädelsführer der GAK-Fans wurden kurzfristig festgenommen, nach Feststellung der Identität wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie werden wohl wegen verschiedener Delikte (Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung, Sachbeschädigung im und vor dem Stadion, Verstoß gegen das Pyrotechnik-Gesetz) angezeigt. Weitere Täter sollen mittels Videoaufnahmen (die teils auch von der Kleinen Zeitung angefordert wurden) ausgeforscht werden. Zum Glück ging alles sehr glimpflich ab, einzig eine junge Frau wurde im Zuge der Ausschreitungen nach Angaben der Exekutive leicht verletzt.

Wie hat England nach den schweren Fußball-Krawallen in den 70er- und 80er-Jahren die Gewalt in den Stadien in den Griff bekommen?

ANTWORT: In englischen Stadien gibt es ausschließlich Sitzplätze - das nimmt Krawallmachern die Möglichkeit, in der Menge unterzutauchen. Jeder Sitzplatz wird videoüberwacht und personalisiert. Wer eine Karte kauft (die Preise wurden stark angehoben), muss seine Adresse gleich mit angeben. Das macht die Weitergabe schwierig. Alkohol? Fehlanzeige. Wer alkoholisiert versucht, in ein Stadion zu kommen, macht sich strafbar. Es herrscht Null-Toleranz: Wer auffällt, fliegt raus, wird registriert und erhält im schlimmsten Fall mehrere Jahre Stadionverbot. Das wirkt: Nur fünf Prozent der registrierten Chaoten werden rückfällig.

THEMA-TEAM: HANS BREITEGGER, CHRISTOPH HEIGL, VALENTIN KRAUSE, GEORG MICHL, KLAUS MOLIDOR, ALEX TAGGER

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