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26. Mai 2013 08:22 Uhr | Als Startseite
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Zuletzt aktualisiert: 18.07.2011 um 11:52 UhrKommentare

Ihrer Zeit voraus

Japan ist Weltmeister im Frauen-Fußball. Das Land wollte den Titel erst 2015, geklappt hat es aber schon heuer. Das leidgeprüfte Land des Lächelns muss erst wieder lernen, sich zu freuen. Von Sebastian Krause.

Japans WM-Frauen: Endlich wieder Jubeln

Foto © APJapans WM-Frauen: Endlich wieder Jubeln

Nächstes Jahr, bei den olympischen Spielen, da will er es besser machen. Norio Sasaki hat etwas erreicht, das sein Land erst in vier Jahren gerne von ihm verlangt hätte, so der Plan des japanischen Fußball-Verbands. Der Trainer des neuen Weltmeisters im Frauenfußball war nach dem gewonnen Spiel gegen die USA trotzdem schon beim kommenden Großereignis. "Wir haben unsere Schwachpunkte kennen gelernt – das ist die Grundlage, um es beim nächsten Mal besser zu machen", sagte er trocken. Besser als der Titel? Sasaki lächelte nicht.

In der Heimat feierte ein ganzes Land den Titelgewinn. TV-Stationen wiederholten am Montagmorgen die besten Spielszenen wie ein Mantra. Als wollten auch die Medien sie genießen, die ersten guten Nachrichten seit langer Zeit. Die größten Zeitungen fertigten Sonderausgaben an und verkauften sie in den Straßen an lachende, gelöste Menschen. Auf Twitter schrieben Hunderttausende Zeilen wie "Danke, dass ihr Japan neuen Mut gebt". Dass es ausgerechnet die Frauen sind, die Japans von Männern dominierter Gesellschaft Hoffnung schenken, kommentiert ein anderer User: "Nippons Frauen muntern das Land auf".

Fotoserie: Frauen-WM: Jubel und Tränen nach Japan-Sieg

"Wir haben Selbstvertrauen und es ist an der Zeit, dass Gott uns einen Sieg gönnt", sagte Sasaki vor dem Spiel. Man hatte das Gefühl, dass er nicht nur vom Fußball sprach. Nach dem Spiel waren seine Gedanken sofort wieder bei den Opfern der Erdbebenkatastrophe und dem Super-GAU von Fukushima. Per TV dankte er besonders den Menschen in der leidgeplagten Region für ihre Unterstützung. Japan hat sich selbst verboten zu lächeln in diesen schweren letzten Monaten. Regierungschef Naoto Kann, politisch schwer angezählt, hatte sich kurz überlegt, für das Finale nach Frankfurt zu fliegen, ließ es dann aber doch bleiben. Bilder eines lachenden, jubelnden Staatsoberhauptes können in diesen Tagen zum politischen Grab werden.

Last der Hoffnung

Wie groß die Last der Hoffnung auf den Schultern der Spielerinnen ist, lässt sich nur erahnen. Verhalten war der Jubel nach dem historischen Sieg, als wollten sie ihr Land nicht überfordern, als wüssten sie nicht, ob sie jetzt wieder lächeln dürfen. Honore Sawa, Kapitän des Weltmeisters, wurde nach dem Spiel mit Auszeichnungen überhäuft. Als sie die Bühne zum dritten Mal betrat, um die Trophäe als beste Spielerin des Turniers entgegenzunehmen, wirkte sie nicht wie eine Sportlerin, die ihren Triumph nicht fassen kann, sondern staatsmännisch und stoisch. In der Heimat waren Trikots und Fanartikel schon vor dem Spiel restlos ausverkauft, spätestens beim Empfang in Tokio werden dann auch die Heldinnen des WM-Teams merken, dass sie jetzt wieder lachen dürfen, weil sie Japan in eine neue Zeit der Hoffnung führen, zumindest für ein paar Wochen.

Dass die Japanerinnen den USA spielerisch nicht das Wasser reichen konnten, ist den Spielerinnen bewusst. Mit der gewohnten Disziplin lobte Torfrau Ayumi Kaihori ihre Mitspielerinen und deren Kampfgeist. Und bedankte sich dann bei den USA für ein tolles Spiel. Es sei eine Hilfe gewesen, dass sie im Elfmeterschießen die Nerven weggeworfen haben – dass sie selbst einen wichtigen Elfmeter hielt, erwähnte sie nicht. "Sie haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, niemals aufzugeben", sagte ein TV-Kommentator nach dem Finale. Wieder hat man das Gefühl, es ginge hier nicht nur um Fußball.


Quote

Frauen-Fußball als Publikumsmagnet: Das Endspiel in Frankfurt verfolgten in Deutschland rund 15 Millionen Menschen live im TV.

Auch in Österreich sahen 195.000 das Finale zwischen Japan und den USA in der ARD. Auf ORF Sport Plus sahen in der Verlängerung immerhin 40.000 Menschen zu, im Elfmeterschießen sogar 51.000.

Die besten Bilder der WM

Frauen-WM: Jubel und Tränen nach Japan-Sieg 

Frauen-WM: Jubel und Tränen nach Japan-Sieg

 




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