Spielen nur nach Sex mit dem Trainer
Im nigerianischen Frauenfußball scheint die Welt in Ordnung: Man gilt als die erfolgreichste Damen-Elf am Kontinent, das ganze Land steht hinter der Mannschaft. Hinter dieser Fassade zeichnet sich jedoch ein gewaltiger Schatten ab.

Foto © APFrauenfußball in Nigeria: Wer spielen will, muss mit dem Trainer schlafen.
Heute trifft die deutsche Damen-Elf auf das nigerianische Nationalteam. Während die deutschen Kickerinnen mit dem Druck der Favoritenrolle umgehen müssen, sehen sich die nigerianischen Spielerinnen in ihren heimischen Ligen mit einer anderen Art von "Druck" konfrontiert. Einer Art von Druck, die in unseren Breiten unvorstellbar wäre, gegebenenfalls als einzigartiger Skandal abgetan werden würde.
Tabu
Egal, ob talentiert, fleißig oder Wunderkind, in Nigeria gilt oftmals die Regel, dass Trainer oder Club-Funktionäre "in jeder Hinsicht" zufrieden zu stellen sind. So undenkbar es klingen mag: Profi-Karrieren stehen und fallen mit der Bereitschaft der Spielerinnen, sich für sexuelle Gefälligkeiten zur Verfügung zu stellen. "Die meisten männlichen Trainer stellen Spielerinnen nur auf, wenn sie mit ihnen Sex haben", wird die nigerianische Fußballerin Zainab Udueyin in der "Zeit" zitiert. Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel.
Offen über die unhaltbaren Zustände zu sprechen, ist in Nigeria jedoch ein Tabu-Bruch erster Güteklasse. In einem Land, in dem Homosexualität unter Strafe steht und Vergewaltigung von einem Großteil der von Männern dominierten Gesellschaft als akzeptable, "korrektive" Maßnahme gebraucht wird, kann Kritik oder das Publikmachen solcher Praktiken schwerwiegende Folgen nach sich ziehen – und das, obwohl es sich dabei ohnehin um ein offenes Geheimnis handelt.
"Ersatzzahlungsmittel"
Sex als "Ersatzzahlungsmittel" beschränkt sich in Nigeria jedoch nicht nur auf den Damenfußball. An Schulen und Universitäten stellt sich die Lage nicht anders dar. Prüfungen werden oftmals nicht nur mit guten Noten "bestanden". Gerade den Ärmsten und Schwächsten bleibt häufig keine andere Wahl, als mit Sex zu bezahlen.









