Coole Hitzeschlacht

Foto © KrennhuberSo geht's auch: holländisch- deutsche Freundschaft vor dem Spiel
Der ukrainische Sommer kann gnadenlos sein. Das Thermometer am zentralen Freiheitsplatz von Charkiw zeigt 36 Grad. Bis zum Anpfiff des abendlichen Schlagers zwischen Deutschland und Holland wird es nur unmerklich abkühlen. In der bummvollen Fan-Zone läuft das Bier - und der Schweiß. Der niederländische Trance-DJ Armin van Buuren heizt den 30.000 zusätzlich ein. Abgesehen von der Temperatur geht das Aufeinandertreffen der beiden Fangruppen cool über die Bühne. Anders als am Vortag in Warschau verläuft hier alles in zivilisierten und mitunter gar freundschaftlichen Bahnen. Deutsche wie Holländer suchen Abkühlung an den vielen Springbrunnen der Stadt, bereitwillig posieren sie für gemeinsame Fotos, die ukrainischen Sicherheitskräfte halten sich im Hintergrund.
Vor 20 Jahren hätte es das nicht gegeben. Da wäre ein Heer von Polizisten aufmarschiert", sagt Michael Gabriel. Der gebürtige Kärntner leitet für die Koordinationsstelle der Fan-Projekte die deutschen Fan-Botschaften, die als Treffpunkt und Infostelle für die weit gereisten Anhänger dienen. Gabriel schätzt die Zahl der gekommenen Deutschen auf 9000. "Oranje", das alle drei Vorrundenspiele in Charkiw absolviert, hat sogar 15.000 Fans mobilisiert. Im Park nahe der U-Bahn-Station des Stadions haben ein paar Rostocker ihr Lager vor einer großflächigen Deutschland-Fahne aufgeschlagen. Die vorbeiziehenden Holländer werden gegrüßt, ab und zu folgt ein Schmähruf. Jens, der der DFB-Elf seit Jahrzehnten hinterherreist, hat auch anderes erlebt: "1992 bei der EM in Schweden hat es richtig geknallt. Damals waren die Fan-Szenen aber auch noch total anders."
Er habe mit den Orangen nicht das geringste Problem, meint der Ostdeutsche, lieber seien ihm nur noch die Schweden. Ein paar Ecken weiter unterhalten sich Fans aus dem Ruhrpott und dem niederländischen Zwolle. Der Schmäh rennt. "Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht", sagt ein Deutscher. "Die schlechte: Du wirst erschossen. Die gute: Robben schießt." Gelächter auf beiden Seiten. Bierflaschen klirren - hier in geselliger Absicht.
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Reinhard Krennhuber ist Gründer des Fußballmagazins "ballesterer"













