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  • 25. April 2014 08:35 Uhr | Als Startseite
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    Zuletzt aktualisiert: 12.06.2012 um 22:23 UhrKommentare

    Der Marsch als Schlacht

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    Es war abzusehen. Schon Tage vor dem Spiel Polen gegen Russland wurde in polnischen und russischen Medien von Ausschreitungen geschrieben. Die nationalkonservative "Rzeczpospolita" stellte die Frage, ob es nur ein Marsch oder ein Straßenkrieg werden wird, Polens ehemaliger Staatspräsident Aleksander Kwasniewski fügte an, dass der Marsch aufgrund der polnisch-russischen Geschichte politisch ist. In Hooligan-Foren wurde zur "Schlacht um Warschau" aufgerufen, weil Aleksandr Schprygin, Chef der russischen Fanvereinigung und Unterstützer Putins, Öl ins Feuer goss. Er äußerte Unverständnis für das Verbot von kommunistischen Symbolen. "Wenn die Polen es nicht anders wollen, dann fordern wir russische Anhänger in Warschau auf, rote T-Shirts mit Hammer und Sichel zu tragen. Dann können sie uns ja verhaften."

    Dieser ignorante Umgang mit der Geschichte ist mitverantwortlich für die Ausschreitungen. "Sie können gerne marschieren und ihr Team unterstützen, aber sie haben uns unterdrückt. Ich will hier keine Hammer und Sichel sehen", erzählt Frau Marysia, eine etwas in die Jahre gekommene Dame, kurz vor Beginn des Marsches. Vor uns hält es ein Russe für eine gute Idee, die Flagge der Sowjetunion zu schwenken. Er erntet Pfiffe und Unmutsbekundungen der Polen. TV-Teams reißen sich um die besten Bilder. Die Ressentiments gegen Russland sind alt und tief verankert. "Wenn es die Absurdität nicht gäbe, so würde sie heute erfunden werden", echauffiert sich Frau Marysia. "Sie feiern das Ende der Sowjetunion mit kommunistischen Symbolen. Das hat doch keinen Sinn."

    Es versammeln sich immer mehr "erlebnisorientierte Fans", wie sie sich nennen - vermummte Gestalten in Jogginghosen. Sie sprechen darüber, wie sie die Polizeibarriere vor uns durchbrechen können. Vor dem Match schaffen es einige, an der Polizei vorbei zu kommen, es kommt zu wüsten Schlägereien. Als die Polizei einschreitet, hagelt es Feuerwerkskörper, Steine und Flaschen. Unweit von mir und Swetlana, einer Russin, die in der Menge ihre Freunde verloren hat, explodiert ein Böller. Die Angst steht nicht nur ihr ins mit der polnischen und russischen Flagge bemalte Gesicht geschrieben. 100 Festnahmen gibt es, via Twitter wurde sogar die Meldung verbreitet, ein Russe sei ums Leben gekommen. Die Nachricht blieb vorerst unbestätigt. Wir passieren die Poniatowski-Brücke auf der heute noch "Willkommen in Warschau, russische Brüder! Scheiß auf die Politik, lasst uns heute Abend Wodka trinken", stand. Die Sätze sind mit weißer Farbe übermalt.

    Der "Rote Marsch" am "Tag Russlands" hatte nichts mit einem Fußballfest gemein.

    RADOSLAW ZAK

    Zur Person

    Radoslaw Zak ist Redakteur des Fußballmagazins "ballesterer"

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      Infos

      Alle Informationen und Reservierungen per Mail unter fussball@kleinezeitung.at

      Alle Europameister

      2012: Spanien
      2008: Spanien
      2004: Griechenland
      2000: Frankreich
      1996: Deutschland
      1992: Dänemark
      1988: Niederlande
      1984: Frankreich
      1980: Deutschland
      1976: Tschechoslowakei
      1972: Deutschland
      1968: Italien
      1964: Spanien
      1960: UdSSR

       

      Ewige Bilanz

      Deutschland: 3 Titel
      (1972, 1980, 1996)
      Spanien: 3 (1964, 2008, 2012)
      Frankreich: 2 (1984, 2000)
      Griechenland: 1 (2004)
      Dänemark: 1 (1992)
      Niederlande: 1 (1988)
      Tschechoslowakei 1 (1976)
      Italien: 1 (1968)
      UdSSR: 1 (1960)

       

      Torschützenkönige

      2012 - 3 Tore:
      Fernando Torres (ESP)
      2008 - 4 Tore:
      David Villa (ESP)
      2004 - 5 Tore:
      Milan Baros (CZE)
      2000 - 5 Tore:
      Patrick Kluivert (NED)
      Savo Milosevic (JUG)
      1996 - 5 Tore:
      Alan Shearer (ENG)
      1992 - 3 Tore:
      Vier Spieler
      1988 - 5 Tore:
      Marco van Basten (NED)
      1984 - 9 Tore:
      Michel Platini (FRA)
      1980 - 3 Tore:
      Klaus Allofs (GER)
      1976 - 4 Tore:
      Dieter Müller (GER)
      1972 - 4 Tore:
      Gerd Müller (GER)
      1968 - 2 Tore:
      Dragan Dzajic (YUG)
      1964 - 2 Tore:
      Jesus Pereda (ESP)
      Dezsö Novak (HUN)
      1960 - 2 Tore:
      Fünf Spieler

       

      Rekordspieler

      16 Spiele:
      Edwin van der Sar (NED)
      Lilian Thuram (FRA)
      14 Spiele:
      Nuno Gomes (POR)
      Zinedine Zidane (FRA)
      Luis Figo (POR)
      Karel Poborsky (CZE)
      13 Spiele:
      Alessandro Del Piero (ITA)
      Peter Schmeichel (DEN)
      Thomas Häßler (GER)
      Jürgen Klinsmann (GER)
      Laurent Blanc (FRA)
      Didier Deschamps (FRA)
      Paolo Maldini (ITA)
      Dennis Bergkamp (NED)
      Phillip Cocu (NED)

       

      Rekordtorjäger

      9 Tore:
      Michel Platini (FRA)
      7 Tore:
      Alan Shearer (ENG)
      6 Tore:
      Ruud van Nistelrooy (NED)
      Patrick Kluivert (NED)
      Thierry Henry (FRA)
      Nuno Gomes (POR)
      5 Tore:
      Savo Milosevic (YUG)
      Milan Baros (CZE)
      Marco van Basten (NED)
      Jürgen Klinsmann (GER)
      Zinedine Zidane (FRA)
      4 Tore:
      Elf Spieler

       

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