Leider steil
Spanischer Fußball ist wie Liebe ohne Sex. Trotzdem war das ewige Querpass-Gefummel jahrelang ein unerreichbarer Höhepunkt. Es sah so aus, als wäre das nun vorbei – doch dann zeigte Spanien, dass sie ihn noch können: den steilen Pass nach vorne. Leider, aus Sicht aller anderen Teams. Ein Kommentar von Sebastian Krause.

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Was hat man nicht alles probiert. Die falsche Zehn, die moderne Sechs, das 4-2-3-1. Nur funktioniert hat alles lediglich bedingt, wenn man die letzten drei Turniere heranzieht. Gewonnen hat immer Spanien, egal, wie genau man das iberische System kopieren wollte. Begeisternd, aber fast konservativ mutete da an, was Italien bei dieser Europameisterschaft offensiv an den Tag legte: Ein Zehner, nur ein Sechser und zwei Stürmer. Dazu kurze Kombinationen durch die Mitte, hohe Bälle über die Abwehr und das gute alte Flankenspiel. Sie versuchten mit Tradition, die spanische Moderne zu besiegen.
Die Wahrnehmung hat sich zumindest verändert. Was haben wir nicht gejubelt, vor vier Jahren, als Spanien technisch brillante Fußballkunstwerke auf dem Rasen installierte und was ödet uns die Zuschaustellung der Überlegenheit heute manchmal an. Der Zauber war bei diesem Turnier lange verschwunden, übrig blieb: Effizientes Ballgeschubse, das Gegner und die Zuschauer ermüdete. Das war keine Kunst mehr, sondern Fußball wie er wäre, wenn Beamte ihn erfunden hätten: Verwaltung, Langeweile - und trotzdem sitzen sie am längeren Ast. Weil sie, wenn sie müssen, noch traumhaft spielen können, aber gelernt haben, es nicht immer zu tun. Mit halber Kraft kam das Team fast lustlos wirkend ins Finale – und spielte dann doch wieder unerreichbaren Offensivfußball. Statt quer ging es wieder steil, in die Spitzen, sie spielten in der ersten Hälfte wie berauscht. Italien hielt gut dagegen, hatte Pech – war aber dann doch chancenlos. Trotzdem sind auch sie Sieger, weil sie den italienischen Fußball zurück an die Weltspitze geführt haben und das in sympathischer, offensiver Gangart.
Verdienter Sieger
"Spanischer Fußball, das ist ein bisschen wie Liebe ohne Sex", sagte der französische Ex-Nationale Bixente Lizarazu. Schuld daran hat auch der FC Barcelona. Spanien spielt wie der katalanische Klub, aber das große Spektakel fehlt bisweilen. Tika-Taka braucht einen wie Messi oder Villa, einen echten Stürmer, der den ewigen Kombinationen irgendwann ein Ende setzt – mit Toren. Dann ist es die wohl schönste, perfekteste Art des Fußballs. Im Finale hat Spanien gezeigt, dass sie es auch ohne diesen Ausnahme-Stürmer schaffen. Das ist vielleicht die größte Leistung dieses nahezu unbesiegbaren Teams, deshalb haben sie wieder verdient gewonnen. Auch, wenn das manchmal langweilig wird.













