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Zuletzt aktualisiert: 01.07.2012 um 23:21 UhrKommentare

Leider steil

Spanischer Fußball ist wie Liebe ohne Sex. Trotzdem war das ewige Querpass-Gefummel jahrelang ein unerreichbarer Höhepunkt. Es sah so aus, als wäre das nun vorbei – doch dann zeigte Spanien, dass sie ihn noch können: den steilen Pass nach vorne. Leider, aus Sicht aller anderen Teams. Ein Kommentar von Sebastian Krause.

Foto © Reuters

Was hat man nicht alles probiert. Die falsche Zehn, die moderne Sechs, das 4-2-3-1. Nur funktioniert hat alles lediglich bedingt, wenn man die letzten drei Turniere heranzieht. Gewonnen hat immer Spanien, egal, wie genau man das iberische System kopieren wollte. Begeisternd, aber fast konservativ mutete da an, was Italien bei dieser Europameisterschaft offensiv an den Tag legte: Ein Zehner, nur ein Sechser und zwei Stürmer. Dazu kurze Kombinationen durch die Mitte, hohe Bälle über die Abwehr und das gute alte Flankenspiel. Sie versuchten mit Tradition, die spanische Moderne zu besiegen.

Die Wahrnehmung hat sich zumindest verändert. Was haben wir nicht gejubelt, vor vier Jahren, als Spanien technisch brillante Fußballkunstwerke auf dem Rasen installierte und was ödet uns die Zuschaustellung der Überlegenheit heute manchmal an. Der Zauber war bei diesem Turnier lange verschwunden, übrig blieb: Effizientes Ballgeschubse, das Gegner und die Zuschauer ermüdete. Das war keine Kunst mehr, sondern Fußball wie er wäre, wenn Beamte ihn erfunden hätten: Verwaltung, Langeweile - und trotzdem sitzen sie am längeren Ast. Weil sie, wenn sie müssen, noch traumhaft spielen können, aber gelernt haben, es nicht immer zu tun. Mit halber Kraft kam das Team fast lustlos wirkend ins Finale – und spielte dann doch wieder unerreichbaren Offensivfußball. Statt quer ging es wieder steil, in die Spitzen, sie spielten in der ersten Hälfte wie berauscht. Italien hielt gut dagegen, hatte Pech – war aber dann doch chancenlos. Trotzdem sind auch sie Sieger, weil sie den italienischen Fußball zurück an die Weltspitze geführt haben und das in sympathischer, offensiver Gangart.

Verdienter Sieger

"Spanischer Fußball, das ist ein bisschen wie Liebe ohne Sex", sagte der französische Ex-Nationale Bixente Lizarazu. Schuld daran hat auch der FC Barcelona. Spanien spielt wie der katalanische Klub, aber das große Spektakel fehlt bisweilen. Tika-Taka braucht einen wie Messi oder Villa, einen echten Stürmer, der den ewigen Kombinationen irgendwann ein Ende setzt – mit Toren. Dann ist es die wohl schönste, perfekteste Art des Fußballs. Im Finale hat Spanien gezeigt, dass sie es auch ohne diesen Ausnahme-Stürmer schaffen. Das ist vielleicht die größte Leistung dieses nahezu unbesiegbaren Teams, deshalb haben sie wieder verdient gewonnen. Auch, wenn das manchmal langweilig wird.

SEBASTIAN KRAUSE

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Infos

Alle Informationen und Reservierungen per Mail unter fussball@kleinezeitung.at

Alle Europameister

2012: Spanien
2008: Spanien
2004: Griechenland
2000: Frankreich
1996: Deutschland
1992: Dänemark
1988: Niederlande
1984: Frankreich
1980: Deutschland
1976: Tschechoslowakei
1972: Deutschland
1968: Italien
1964: Spanien
1960: UdSSR

 

Ewige Bilanz

Deutschland: 3 Titel
(1972, 1980, 1996)
Spanien: 3 (1964, 2008, 2012)
Frankreich: 2 (1984, 2000)
Griechenland: 1 (2004)
Dänemark: 1 (1992)
Niederlande: 1 (1988)
Tschechoslowakei 1 (1976)
Italien: 1 (1968)
UdSSR: 1 (1960)

 

Torschützenkönige

2012 - 3 Tore:
Fernando Torres (ESP)
2008 - 4 Tore:
David Villa (ESP)
2004 - 5 Tore:
Milan Baros (CZE)
2000 - 5 Tore:
Patrick Kluivert (NED)
Savo Milosevic (JUG)
1996 - 5 Tore:
Alan Shearer (ENG)
1992 - 3 Tore:
Vier Spieler
1988 - 5 Tore:
Marco van Basten (NED)
1984 - 9 Tore:
Michel Platini (FRA)
1980 - 3 Tore:
Klaus Allofs (GER)
1976 - 4 Tore:
Dieter Müller (GER)
1972 - 4 Tore:
Gerd Müller (GER)
1968 - 2 Tore:
Dragan Dzajic (YUG)
1964 - 2 Tore:
Jesus Pereda (ESP)
Dezsö Novak (HUN)
1960 - 2 Tore:
Fünf Spieler

 

Rekordspieler

16 Spiele:
Edwin van der Sar (NED)
Lilian Thuram (FRA)
14 Spiele:
Nuno Gomes (POR)
Zinedine Zidane (FRA)
Luis Figo (POR)
Karel Poborsky (CZE)
13 Spiele:
Alessandro Del Piero (ITA)
Peter Schmeichel (DEN)
Thomas Häßler (GER)
Jürgen Klinsmann (GER)
Laurent Blanc (FRA)
Didier Deschamps (FRA)
Paolo Maldini (ITA)
Dennis Bergkamp (NED)
Phillip Cocu (NED)

 

Rekordtorjäger

9 Tore:
Michel Platini (FRA)
7 Tore:
Alan Shearer (ENG)
6 Tore:
Ruud van Nistelrooy (NED)
Patrick Kluivert (NED)
Thierry Henry (FRA)
Nuno Gomes (POR)
5 Tore:
Savo Milosevic (YUG)
Milan Baros (CZE)
Marco van Basten (NED)
Jürgen Klinsmann (GER)
Zinedine Zidane (FRA)
4 Tore:
Elf Spieler

 

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