Den Witz flach halten
Die Deutschen haben "Waldis EM-Klub", wir haben ab sofort "Gernots Verlängerung". Mit Witz und prominenten Gästen soll der Zuseher bei der Stange gehalten werden - aber eine Verlängerung kann sehr lang sein. Ein Kommentar von Matthias Reif.

Foto © APA | ORF RamsdorferViktor Gernot
Eine Verlängerung gab es am Donnerstagabend beim Spiel zwischen Tschechien und Portugal nicht. Dafür waren unsere nördlichen Nachbarn viel zu schwach. Cristiano servierte die "Silberne Generation" mit einem wuchtigen Kopfballtor ab und bekommt nun im Halbfinale einen ernsthaften Gegner - Spanien oder Frankreich. Für die ORF-Zuseher war der Fußballabend damit aber noch nicht beendet, denn mit "Gernots Verlängerung" feierte die österreichische Version von "Waldis EM-Klub" Premiere. 50 Minuten satirischer Nachbetrachtung wurden zu Beginn versprochen. Gastgeber Viktor Gernot, Blödelpartner von Michael Niavarani, holte sich natürlich Verstärkung: Zu Gast waren Falko-Mime Manuel Rubey, die Kabarettisten Thomas Stipsits, Lukas Resetarits und Gernot Kulis sowie Herbert Prohaska, der das EM-Studio nach dem Spiel gar nicht verlassen musste - es wurde lediglich eine Sitzgelegenheit installiert.
Von Beginn an war man um Heiterkeit bemüht, der Schmäh hat sich aber nur zu einem "Prohaska" hinreißen lassen (tschechisch für "Spaziergang", wie Schneckerl später verraten sollte). Mit dem Einkleben von Abziehbildchen der Protagonisten ins "Gernotini-Album" wurde die Runde eröffnet. Herbert Prohaska bedachte man dabei endlich einmal mit einem neuen Spitznamen: der Grammatiker. Ein Scherzerl, das auch nicht lustiger wurde, als sich bewusste Fallfehler ins verbale Geplänkel mischten. Prohaskas "Hurnkinder-Sager" durfte natürlich nicht fehlen, allerdings klärte er dabei zumindest über die Hintergründe auf - Kinder hatten ORF-Mann Diendorfer und ihn damals mit Papierfliegern beworfen. Auch Anton Pfeffers "Hoch wermas nimma gwinnan" wurde bemüht. Das legendäre Interview von Günther Neukirchner wird wohl nächstes Mal eingespielt. Als die Bankerlsitzer nach ihrer liebsten Spielerfrau gefragt wurden, wollte Manuel Rubey das Tabuthema der "Spielermänner" beleuchten und wurde prompt abgewürgt und zu Thomas Stipsitz strafversetzt.
So stark wie Österreich
Balljunge Valentin servierte Budweiser und Powidltascherl. Als Viktor Gernot augenzwinkernd verriet, er habe den jungen Mann mit einem weißen Lieferwagen entführt und er wohne seither bei ihm im Keller, lachte nicht einmal das "beste Publikum der Welt" (Zitat Gernot). Comedyhirte Kulis wies darauf hin, dass Österreich bei dieser EM zum ersten Mal so stark wie Holland (null Punkte) gewesen wäre - ein humoristischer Lichtblick, der gnadenlos niedergegrätscht wurde, als dem Zuseher per Einspielung mit zwei Frankfurtern klargemacht wurde, dass man "Gernots Verlängerung" auch anders verstehen kann.
Wenigstens bei der Vorschau auf das Spiel zwischen Griechenland und Deutschland fischte man nicht zu ausgiebig im abgestanden Polittümpel und ließ die Euro-Scherze außen vor. Ö1-Stimme Paul (der) Krake(r) biss zum Abschluß in eine Weißwurst und sagte damit den nächsten Halbfinalisten voraus. Bei Gernots Verlängerung würde man sich wieder die Golden-Goal-Regel wünschen, auch wenn ein humoristischer Volltreffer unerwartet fallen würde.













