Kein griechisches Freilos
Werder-Legionär und ÖFB-Teamspieler Sebastian Prödl im Gespräch mit der Kleinen Zeitung über...

Foto © APGriechenland - der "FC Chelsea der Euro"
...Deutschlands mögliches Freilos Griechenland. Beide Teams konnten sich keinen besseren Gegner wünschen. Auf der einen Seite die Deutschen, denen das ungemütliche Spiel gegen Polen erspart blieb und die sich nun mit der, zumindest auf dem Papier, lösbaren Aufgabe Griechenland anfreunden durften. Andererseits die Griechen, die sich wegen der aktuellen wirtschaftlichen Situation in ihrem Land und den damit verbundenen politischen Disputen mit Deutschland nun über den Fußball abreagieren können. Das Duell ist aber auch ein Duell zweier Spielsysteme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Bedingungslose Offensive gegen kompakte Defensive, oder: ,,agieren" vs. "reagieren". Aber: Ein Freilos sind die Griechen keinesfalls.
...Griechenlands nicht vorhandene Chancen. Laut Buchmachern, Statistiken und Fachleuten gibt es für Griechenland nichts zu gewinnen. Und dennoch gibt es die eine, alleinige Chance für die Hellenen: Sie dürfen nicht auf Sieg spielen. Klingt komisch, ist aber so. Denn in der K.o.-Phase kommt ihnen die Zeit entgegen. Sie werden auf den "lucky punch" hoffen. Auch wenn sich keiner mit dieser Spielweise anfreunden will, war sie in den letzten Jahren durchaus erfolgreich. Die Bayern-Spieler wissen das nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Chelsea nur allzu gut. Bleiben die deutschen Nerven so stark wie in der Vorrunde, erreichen Mario Gomez und Co. aber wohl ohne Probleme das Halbfinale.
...die Anforderungen an Spieler in der K.o-Phase eines Turniers. Durch das Erreichen des Viertelfinales fällt der erste Druck ab und es entwickelt sich ein noch größerer. Die Freude und zugleich die Lust auf mehr steigt. Man bekommt die sogenannte zweite Luft. Man kann aus der Emotion und der Vorstellung, das Halbfinale zu erreichen, Kräfte entwickeln, die einen tragen. Viel hängt von der berühmten Tagesverfassung ab. Das ist die hohe Kunst des Fußballs, denn die lässt sich trainieren - durch zusätzliche Einheiten mit Psychologen und Mentaltrainern. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen - oder besser gesagt: die Halbfinalisten von denen, die durch das Aus unerwünscht und vorzeitig in den Urlaub geschickt wurden.
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Sebastian PrödlFoto © GEPA
Zur Person
Sebastian Prödl (25) ist seit 2008 Fußball-Profi in der Deutschen Bundesliga bei Werder Bremen.













