Balotelli zerlegt Deutschland
Der Fluch hält an: Deutschland kann nicht gegen Italien gewinnen. Wie schon bei der WM 2006 schickt die "Squadra Azzurra" im Halbfinale Lahm & Co. nach Hause - diesmal mit einem 2:1. Italien steht im Finale und spielt am Sonntag gegen Spanien.

Foto © ReutersMario Balotelli wurde zum umjubelten Matchwinner
Das Finale der Fußball-EM lautet Spanien gegen Italien. Die "Squadra Azzurra" setzte sich am Donnerstag im Nationalstadion von Warschau etwas überraschend gegen Deutschland mit 2:1 (2:0) durch und hat damit am Sonntag in Kiew gegen den Titelverteidiger und Weltmeister die Chance auf den zweiten Europameistertitel, den ersten seit 1968. Matchwinner für die Italiener war Balotelli mit seinen Treffern in der 20. und 37. Minute. Özil gelang erst in der 92. Minute aus einem Hand-Elfmeter das Anschlusstor.
Im Gegensatz zum Viertelfinale gegen England präsentierte sich das Prandelli-Team diesmal äußerst effizient, denn Balotelli nützte die ersten beiden Chancen eiskalt. In der 20. Minute ließ Cassano den deutschen Innenverteidiger Hummels schlecht aussehen und schlug eine Maßflanke auf Balotelli, der Neuer per Kopf aus kurzer Distanz keine Chance ließ.
17. Minuten später wurde der 21-Jährige mit einem weiten Montolivo-Pass bedient - Lahm hob das Abseits auf, Balotelli marschierte auf und davon und drosch den Ball von der Strafraumgrenze ins Kreuzeck.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt verschwand der akribisch ausgetüftelte Matchplan der Deutschen im Mistkübel. Löw hatte Podolski anstelle von Schürrle und Gomez anstelle von Klose gebracht, beide mussten schon zur Pause in der Kabine bleiben. Die größte Überraschung aber lieferte der deutsche Teamchef mit der Aufstellung von Kroos. Damit verzichtete die DFB-Elf auf einen rechten Flügel und bot dafür einen zusätzlichen Zentrumsspieler auf, der die Kreise des italienischen Regisseurs Pirlo stören sollte.
Glück für Italien
Dieses Konzept schien zunächst aufzugehen: Die Deutschen erwischten den besseren Start und kamen der Führung erstmals in der 5. Minute nahe, als Hummels den Ball nach einem Corner mit dem Knie in Richtung Tor beförderte. Doch Pirlo stand goldrichtig und schlug den Ball - unter leichter Zuhilfenahme des Armes - aus der Gefahrenzone.
In der 12. Minute wehrte Buffon einen relativ harmlosen Querpass von Boateng aufs Schienbein von Barzagli, von wo das Spielgerät knapp neben das Tor kullerte. Nur wenige Sekunden später hatte der italienische Goalie bei einem Distanzschuss von Kroos Mühe. Nach dem ersten großen Auftritt von Balotelli musste Buffon noch bei Versuchen von Özil (27.) und Khedira (35.) eingreifen, ehe er in der zweiten Hälfte zunächst im Mittelpunkt eines deutschen Sturmlaufs stand.
Reus, so wie Klose zur Pause eingewechselt, prüfte den vierfachen Welttorhüter erstmals in der 48. Minute. 14 Minuten danach wehrte Buffon einen Freistoß des Neo-Dortmunders mit den Fingerspitzen an die Latte. Außerdem hatte Lahm in der 49. Minute aus guter Position weit über das Tor gezielt.
Damit hatte die DFB-Elf ihr Pulver weitgehend verschossen, eine zwingende Chance wurde trotz eklatanter Feldüberlegenheit mangels Kreativität erst in der 90. Minute (Hummels scheiterte an Buffon) herausgespielt. Der Anschlusstreffer durch einen Özil-Elfmeter nach Handspiel von Balzaretti (92.) kam zu spät.
Chance um Chance vergeben
Außerdem hätten die Italiener schon vorher für klare Verhältnisse sorgen können: In der 60. Minute schoss Balotelli am langen Eck vorbei, in der 67. Minute verfehlte Marchisio das kurze Eck nur knapp. Marchisio war es auch, der in der 75. Minute die große Möglichkeit auf die endgültige Entscheidung ausließ. Auch der für Balotelli eingewechselte Di Natale vergab das 3:0 fast schon fahrlässig (82.).
So blieb es beim 2:1 für den vierfachen Weltmeister, wodurch Deutschland erstmals seit dem 0:1 gegen Spanien im WM-Semifinale 2010 (danach folgten 15 Pflichtspielsiege en suite) wieder eine Niederlage kassierte. Die Italiener hingegen sind bereits seit 15 Bewerbsspielen ungeschlagen und haben gegen die DFB-Auswahl keines der acht Aufeinandertreffen bei großen Turnieren verloren.
Features
Presseschau
Zweites EM-Halbfinale
Deutschland - Italien 1:2 (0:2)
Warschau, Nationalstadion, 55.540, SR Stephane
Lannoy (FRA)
Torfolge:
0:1 (20.) Balotelli
0:2 (37.) Balotelli
1:2 (92.) Özil (Elfmeter)
Deutschland: Neuer - Boateng (71. Müller), Hummels, Badstuber, Lahm
- Khedira, Schweinsteiger - Kroos, Özil, Podolski (46. Reus) - Gomez
(46. Klose)
Italien: Buffon - Balzaretti, Barzagli, Bonucci, Chiellini -
Marchisio, Pirlo, Montolivo (64. Motta), De Rossi - Balotelli (70. Di
Natale), Cassano (58. Diamanti)
Gelbe Karten:
Hummels bzw. Balotelli, Bonucci, De Rossi, Motta
Die Besten: Khedira, Reus bzw. Balotelli, Buffon, Bonucci
Das Finale am Sonntag lautet Spanien gegen Italien.
Fotoserie
Italien bei Confed-Cup
Durch den Halbfinal-Sieg hat sich die italienische Nationalmannschaft für den Confederations Cup im kommenden Sommer in Brasilien qualifiziert. Unabhängig vom Ergebnis im Finale am Sonntag gegen Spanien wird die "Squadra Azzurra" als europäischer Vertreter an der WM-Generalprobe vom 15. bis 30. Juni 2013 teilnehmen.

















