DFB-Team mit alten Tugenden: Kein Glanz, aber Erfolg
"Der Sieg ist das Allerwichtigste", resümiert Deutschlands Joachim Löw nach dem wenig überzeugenden 1:0-Sieg über Portugal.

Foto © GEPAJubel bei Mario Gomez und Co.
Nach dem ersten Auftritt Deutschlands bei der Fußball-EM spricht zumindest die Statistik für einen Titelgewinn der DFB-Auswahl. Wie bei den EM-Triumphen 1972, 1980 und 1996 glückte zum Auftakt ein Sieg. Dass die Truppe von Joachim Löw mit ihrer Leistung beim 1:0 am Samstag in Lwiw (Lemberg) gegen Portugal ihrer Favoritenrolle auf den Henri-Delaunay-Pokal nicht gerecht werden konnte, störte den kontinentalen Rekordchampion nur wenig.
"Ich bin mit der Mannschaft sehr zufrieden, weil sie im ersten Spiel taktisch sehr gut gespielt hat. Wir haben 1:0 gewonnen, das ist das Allerwichtigste", sagte Löw und rechtfertigte den verhaltenen Start. "Eine EM ist wie ein Formel-1-Rennen, aber ohne Warm-up. Jeder Gegner ist immens stark, man hat keine Zeit, sich anzupassen."
Gomez statt Klose
Die Erklärungsversuche änderten nichts daran, dass bei den Deutschen von der oft zitierten neuen Spielfreudigkeit wenig zu sehen war. Dafür kamen sie mit ihren altbekannten Tugenden zum Erfolg. Nicht schön, aber effektiv - unter diesem Motto standen ihre ersten 90 EM-Minuten. Verlass war immerhin auf die zuletzt gescholtene Viererkette und auch auf Mario Gomez.
Der Bayern-Goalgetter bekam den Vorzug gegenüber Miroslav Klose und bedankte sich mit dem entscheidenden Tor. "Ich bin sehr glücklich, dass ich das Vertrauen des Trainers zurückzahlen konnte", meinte der 26-Jährige.
Löw hatte auf seinen etatmäßigen Einser-Stürmer Klose verzichtet und stattdessen auf Gomez gesetzt. "Im Moment braucht Miro vielleicht noch ein paar Prozent. Er hat längere Zeit nicht regelmäßig gespielt", sprach der Ex-Tirol- und Austria-Trainer die von Verletzungen durchzogene Saison von Klose an.
Gomez nützte die Chance, obwohl ansonsten vom besten Bayern-Torschützen wenig zu sehen war. "Ich habe gedacht, eine Chance kriegst du noch, und genau so ist es gekommen. Die Flanke war abgefälscht und kam mir genau auf den Schädel, da war es nicht mehr so schwierig", meinte der 26-Jährige.
Ärger bei den Portugiesen
Weniger glücklich agierten die Portugiesen, die zweimal an Aluminium scheiterten und noch weitere gute Chancen ausließen. "Deutschland hatte bis auf ein paar Flanken keine Chancen, das Ergebnis ist völlig ungerecht. Wir wurden vom Pech und von fehlender Treffsicherheit bestraft", ärgerte sich Teamchef Paulo Bento.
Sein Kapitän Cristiano Ronaldo sprach ebenfalls von einem unfairen Resultat. "Wir waren besser als die Deutschen. Aber wenn wir weiterhin so spielen, können wir jeden schlagen." Der Superstar und seine Kollegen erhielten nach dem Schlusspfiff Besuch von Real-Madrid-Trainer Jose Mourinho, der im Stadion Zeuge der Niederlage wurde. "Er hat uns gratuliert und gesagt, dass wir gute Chancen haben, wenn wir so stark agieren wie gegen Deutschland."
Die Portugiesen stehen nun am Mittwoch wieder in Lwiw gegen Dänemark bereits mit dem Rücken zur Wand. Gleiches gilt für die nach dem 0:1 gegen die Dänen ebenfalls noch punktlosen Niederländer in Charkiw gegen Deutschland. "Mir wäre in diesem Match ein Unentschieden lieber gewesen. Die Holländer waren sehr stark, haben viele Chancen herausgespielt. Es ist schwierig zu verstehen, warum sie kein Tor geschossen haben. Jetzt müssen sie gewinnen, das macht die Partie noch dramatischer", meinte Löw im Hinblick auf den großen Schlager der Gruppenphase.







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