Tyton, der Traumtänzer
Przemyslaw Tyton kam unerwartet zu EM-Ehren und rettete Gastgeber Polen einen Punkt gegen Griechenland. Nach seiner Einwechselung kniete er nieder und bekreuzigte sich.

Foto © ReutersPrzemyslaw Tyton
Warschaus Straßen sind auch zwei Tage nach dem Eröffnungsspiel gegen Griechenland wie leer gefegt. Die polnische Hauptstadt schläft ihren Kater aus, zu mitreißend war die Achterbahnfahrt zwischen Himmel und Hades. Der frühen Führung durch Robert Lewandowski, folgte der bittere Ausgleich in Überzahl, dann lud Wojciech Szczesny Schuld auf sich, brachte seine Mannschaft mit einem Foul im Strafraum und einer Roten Karte in eine aussichtslose Lage. In griechischen Tragödien kann die sich abzeichnende Katastrophe trotz größter Anstrengungen nicht verhindert werden. Ein Mann, der bei dieser EM eigentlich für keine einzige Spielminute vorgesehen war, verhinderte sie.
Przemyslaw Tyton, aufgrund der Verletzung von Szczesnys Vereinskollegen Lukasz Fabianski zur Nummer zwei avanciert, verhinderte Polens Katastrophe. Nach seiner Einwechselung drehte er dem Elferschützen Georgios Karagounis den Rücken zu, kniete nieder und bekreuzigte sich. Sein Gebet wurde erhört, er sprang in die richtige rechte Ecke. "Der Papst hat ihm geholfen", schreit ein offensichtlich noch nicht ausgenüchterter Fan am Bankowy-Platz, als er einen Gastgarten passiert, dessen Leinwand Tytons Wundertat den Besuchern und Passanten gefühlte zehn Mal wiederholt. "Stanislaw Dziwisz betete auch für ihn", hallt es ihm entgegen. Der ehemalige Privatsekretär von Papst Johannes Paul II. und heutige Erzbischof von Krakau schrieb in seinem Blog, dass seine "Gebete mit ganzem Herzen bei Tyton waren" und "der Himmel Polen unterstützt". Vor allem aber den 25-jährigen Keeper von PSV Eindhoven, der über seine ganze Karriere hinweg nur belächelt wurde.
Isaksson verdrängt
Als er 2007 zu Roda Kerkrade wechselte, fragten sich die polnischen Experten, was ein Tormann aus der zweiten polnischen Liga in der niederländischen Ehredivision zu suchen habe. Vier Jahre später traute ihm niemand den Durchbruch bei der PSV zu, dort verdrängte der ehemalige polnische Juniorenmeister im Gesellschaftstanz Andreas Isaksson. Nun hat der 1,95-Meter-Hüne das Lächeln auf den Lippen, erntet in Polen mit seiner Bescheidenheit viele Sympathien. Mit Engelsgeduld wiederholt er die Antworten auf Fragen, die ihm schon kurz nach dem Eröffnungsspiel in der Mixed-Zone von Journalisten gestellt worden sind, wieder und wieder.
Vor dem Gastgarten sammeln sich immer mehr Menschen, um zu hören, was ihr Held zu sagen hat. "Adam Matuszczyk hat mir vor der Einwechslung gesagt, ich hätte die Chance, Geschichte zu schreiben. Ich sehe meine Tat aber eher als eine kleine Erzählung an." Geschichte kann Tyton am Dienstag gegen Russland schreiben.
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Radoslaw Zak ist Redakteur des Fußballmagazins "ballesterer"






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