Kollers bisherige Bilanz: Starke Deutsche, gute Spiele
Schweizer warnt nach Schweden- und Iren-Aus vor zu großer Zuversicht in WM-Qualifikation.

Foto © APAMarcel Koller
Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller hat knapp vor dem Ende der EM-Gruppenphase eine erste Turnierbilanz gezogen und sich dabei von der Qualität der Turnierspiele beeindruckt gezeigt. Der Schweizer sieht Deutschland, am 11. September in Wien erster Gegner der ÖFB-Auswahl in der WM-Qualifikation, neben Spanien als großen Turnierfavoriten. Auch vor den weiteren Quali-Kontrahenten Schweden und Irland hat Koller trotz des frühen Ausscheidens großen Respekt.
Der schnelle Abschied der Schweden und Iren dürfe in Österreich nicht zu einem übertriebenen Optimismus führen, warnte der Nationaltrainer am Dienstag im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. "Es bringt nichts, jetzt große Sprüche zu klopfen und zu denken, der zweite Platz wäre locker drin." Von überzogenen Erwartungen der Öffentlichkeit hält Koller nichts. "Aber wir können das ja sowieso nicht beeinflussen. Entscheidend wird sein, dass wir innerhalb der Mannschaft nicht glauben, wir können uns locker und leicht qualifizieren."
"Sie agieren mit Körpereinsatz"
Dafür sei die Qualität der Gegner zu hoch. "Schweden hat mit Ibrahimovic einen Klasse-Fußballer, aber auch noch andere Spieler, die ein Match entscheiden können", erklärte der 51-Jährige. Bei den Iren hinterließ vor allem deren physische Stärke Eindruck. "Sie agieren mit Körpereinsatz, Leidenschaft und Wucht. Wir müssen gegen sie bereit sein, die Zweikämpfe anzunehmen und mit einem ruhigen Kopf nach vorne zu kommen." Der möglicherweise bevorstehende Umbruch im irischen Kader wird laut Koller für die Ausgangsposition des ÖFB-Teams wenig Konsequenzen haben. "Auch wenn neue Spieler dazukommen, wird das an der Philosophie von Teamchef Giovanni Trapattoni nichts ändern."
Mit Irland und Schweden bekommen es die Österreicher erst 2013 zu tun, das erste Duell mit Deutschland hingegen ist nicht einmal drei Monate entfernt. Ob es im Wiener Happel-Stadion zum Kräftemessen mit einem frischgebackenen Europameister kommt, ist für Koller sekundär. "Auch in diesem Fall wären die Deutschen sicher nicht überheblich, sondern hochkonzentriert. Für uns wird es wichtig sein, dass wir nicht in Ehrfurcht erstarren. Wenn wir gegen sie etwas erreichen wollen, müssen wir auch nach vorne etwas unternehmen und unsere Chancen konsequent nützen."
Steigerung
Der Respekt vor der DFB-Mannschaft ist nach den drei Siegen in der Gruppenphase nicht gerade kleiner geworden, selbst wenn sie bisher noch keine echte Glanzleistung hingelegt hat. "Wir sind auch nicht davon ausgegangen, dass die Deutschen gleich einen Hurra-Fußball spielen werden. Sie sind eine Turniermannschaft und können sich weiter steigern. Bisher haben sie abgeklärt und souverän agiert", analysierte Koller. Der ÖFB-Coach saß bei allen drei Deutschland-Partien im Stadion und wird auch bei den Viertelfinali Tschechien - Portugal am Donnerstag in Warschau und Deutschland - Griechenland am Freitag in Danzig (Gdansk) zu Gast sein. Danach ist seine EM-Spionagereise unabhängig vom weiteren Abschneiden des DFB-Teams zu Ende. Kollers Assistent Fritz Schmid wurde Zeuge der drei Irland-Auftritte, der zweite Co-Trainer Thomas Janeschitz sah den Schweden dreimal vor Ort auf die Beine.
Diese Partien zeichneten sich laut Koller so wie auch die übrigen EM-Matches durch hohe Qualität aus. "Die Zuschauer dürfen sich über ein sehr offensives Turnier freuen. Es wird nach vorne gespielt, es fallen viele Tore und es werden viele Möglichkeiten kreiert." Wirklich neue Erkenntnisse gewann Koller im bisherigen EURO-Verlauf nicht, dafür nahm er die taktischen Varianten von Italien (mit einer Dreier- bzw. Fünferkette) und Spanien (ohne echten Stürmer) interessiert zu Kenntnis. Ein System ohne klassische Spitze kann sich der Schweizer für Österreich nicht vorstellen, zumindest mittelfristig nicht ausschließen wollte er hingegen die italienische Verteidigungsformation. "Doch im Moment wäre das zu früh. Wir sind noch nicht so weit, dass wir im taktischen Bereich großartige Veränderungen machen könnten."
Welche Rolle Österreich in der europäischen Elite gespielt hätte, wagte der Teamchef nicht einzuschätzen. "Es bringt nichts, darüber zu spekulieren. Wir haben zuletzt zwei respektable Spiele in Innsbruck gemacht, waren dabei aber nicht über die komplette Spielzeit konsequent. Das wird nicht reichen, wenn wir uns qualifizieren wollen."













