Was das Fernsehen nicht zeigt
Pyrotechnik, Flitzer, bewaffnete Polizisten, kritische Transparente - all das blendet die UEFA bei der Euro aus, um neutrale Bilder zu zeigen. Dazu wurden auch schon Aufnahmen zeitversetzt gesendet.

Foto © APA Pyrotechnik - auf und neben den Plätzen
Rund 60 Stunden berichtet der ORF von der bis 1. Juli laufenden Fußball-EM: 32 HD-Kameras sind pro Spiel im Einsatz und 1500 Menschen sorgen dafür, dass die Bilder aus Polen und der Ukraine in über 200 Länder übertragen werden. Der geneigte TV-Konsument mag glauben, ihm entgehe absolut nichts. Doch er irrt. Die UEFA (Europäische Fußball Union) ist alleinverantwortlich für die Fernsehbilder und sie setzt alles daran, dass ihr Turnier einer fröhlichen, friedlichen Sommerparty entspricht. Wer diesen Eindruck stört, wird aus- oder nicht eingeblendet.
Verfälschung und Zensur
Durch diese Verfälschung der Bilder entgingen den Fans zu Hause vor den Bildschirmen bisher etliche unterhaltsame wie auch ernste und traurige Szenen in den Stadien: Weder der Flitzer bei Russland - Polen noch jener, der bei Kroatien - Irland Trainer Slaven Bilic ein Bussi gab, wurden gezeigt. Verbotenerweise entzündete Pyrotechnik auf den Tribünen kommt regelmäßig vor, wird aber ebenso ignoriert. Erst wenn Rauchbomben auf den Platz fliegen, kann nicht mehr weggeblendet werden. Wenn die UEFA an dieser Stelle argumentiert, sie wolle solchen "Fans" keine Bühne vor Millionen Sehern bieten und Nachahmer verhindern, ist das zwar fernsehjournalistisch nicht objektiv, aber zumindest teilweise verständlich.
Werden aber ein Aufmarsch bewaffneter Polizisten bei Russland - Polen oder Transparente wie "Fairplay in Fußball und Politik" (gemeint ist die politische Situation in der Ukraine) nicht gezeigt, so handelt es sich um Zensur. Die UEFA sieht das natürlich anders: "Es ist ihre Philosophie, ein neutrales Bild, das sich nur um den Sport kümmert, zu zeigen", sagt der ARD-Programmchef Klaus Heinen zur "Welt". Da sich geschönte Bilder häufen, will man sich in einen Klärungsprozess mit der UEFA begeben, denn "es darf keine Zensur geben", so ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Auch der ORF hat auf die Bilder keinen Einfluss, und Sport-Chef Hans Peter Trost hält das Vorgehen für "nicht richtig". Er verweist aber darauf, dass solche Vorkommnisse "von unseren Kommentatoren angesprochen werden".
Aber selbst wenn die UEFA lustig sein möchte, wird geschwindelt: Als bei Deutschland - Niederlande Jogi Löw einen Ballbuben ärgerte, wurde diese Szene in Spielminute 22 eingespielt: Passiert ist der Schabernack aber bereits vor dem Anpfiff.














