Der laute Ruf nach Technik
Das nicht gegebene Tor der Ukraine gegen England macht deutlich: Fußball braucht moderne Technik.

Foto © APA"Hawk Eye", Torpfosten mit Sensoren: Versuch Anfang Juni beim Freundschaftsspiel England gegen Belgien
Es mag überraschend klingen, aber es ist Tatsache: Das letzte Mal wurden die Regeln des Fußballsports 1997 geändert. Damals wurden vom "International Football Association Board" (IFAB), Hüter des Regelwerks, vor allem stilistische Änderungen im englischsprachigen Text vorgenommen. Ansonsten gilt die IFAB als, vorsichtig formuliert, konservativ. Mit einer simplen Begründung: "Die Attraktivität des Fußballs liegt in seiner Einfachheit. Als Hüter der Regeln versucht das IFAB so gut wie möglich die Wurzeln zu bewahren, aus denen der Sport so spektakulär aufgeblüht ist", heißt es offiziell.
Und doch sieht es so aus, als ob sich das achtköpfige Gremium (siehe Info) just diesen Sommer zu einer Neuerung durchringen könnte: der Zulassung von elektronischen Hilfsmitteln, um zu klären, ob ein Ball im Tor (= mit vollem Durchmesser hinter der Torlinie) war, oder nicht. Und das nicht erst seit dem vermeintlichen Treffer des Ukrainers Marko Devic, den John Terry hinter der Linie wegschlug. Dank der Fernsehbilder klar ersichtlich, für den Schiedsrichter-Assistenten an der Torlinie aber offenbar nicht.
Beckenbauer lenkt ein
Angesichts dieser Bilder schwenkte auch Franz Beckenbauer, der kurz vor der Euro in einem Interview mit der Kleinen Zeitung entschieden gegen den Einsatz von Videobeweisen war ("Das braucht man doch nicht") um. Nun ist auch er für die Einführung neuer Technik.
Am 5. Juli soll das Board bei seiner nächsten Sitzung eine Entscheidung fällen. Zur Diskussion steht etwa das aus dem Tennis schon bekannte Hawk-Eye-System, das im Wembley-Stadion bereits in einem Länderspiel getestet wurde. Auch an der Methode, einen Chip im Ball zu installieren, wird am Fraunhofer-Institut in Erlangen geforscht.
Der Ball liegt bei den acht Personen des IFAB - mit vier Vertretern aus Großbritannien. Interessant: Bisher war vor allem das englische Team (WM-Finale Wembley 1966, bei der WM 2010 und nun bei der Euro) von umstrittenen Tor/Kein-Tor-Entscheidungen betroffen.
Features
Fakten
Nicht der Weltverband FIFA entscheidet über die Regeln im Weltfußball.
Das IFAB (International Football Association Board) wacht seit dem 19. Jahrhundert über Regeländerungen.
Im Board sitzen vier Vertreter der FIFA sowie jeweils einer aus England, Schottland, Wales und Nordirland.
Treffen sind einmal jährlich, Änderungen selten. Das IFAB versucht, "die Wurzeln so gut als möglich zu bewahren".













