Diese Sportministerin wird zur EM-Lachnummer
Es kursieren bereits Witze über die einst "schönste Abgeordnete" Polens, die zwar eine gut ausgebildete Gesundheitsökonomin ist, aber von Sport - wie viele Kommentatoren meinen - keine Ahnung habe.

Foto © ReutersDie 36-jährige Joanna Mucha
Es ist ein Klischee: Frauen haben keine Ahnung von Sport. Eine Frau im Sportministerium entspricht in der männlich-chauvinistischen polnischen Tradition überhaupt nicht der Norm. Eine hübsche Frau schon gar nicht. Im Vorfeld der Europameisterschaften, die am 8. Juni beginnen, wird der Politikalltag für die polnische Sportministerin Joanna Mucha (36) nun immer mehr zum Hürdenlauf. In zahlreichen Zeitungsberichten kursieren bereits Witze über die Ministerin - eine Kostprobe gefällig? "Bei einer Rede liest die Ministerin vor: "O, O, O, O, O..." Eine Assistentin eilte herbei: "Frau Ministerin, das sind die Olympischen Ringe. Der Text fängt erst weiter unten an."
Im heurigen Jahr der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine schauen viele Polen sehr genau auf das sonst kaum beachtetes Ressort: das Sportministerium. Und ausgerechnet da habe sich Ministerpräsident Donald Tusk nach der Parlamentswahl im vergangenen Jahr eine glatte Fehlbesetzung geleistet, meinen immer mehr Kommentatoren. Joanna Mucha aus Tusks rechtsliberaler Partei "Bürgerplattform" (PO) geriet in die Schusslinie auch der regierungsfreundlichen Presse.
Zeitschriften wählten Joanna Mucha regelmäßig zur attraktivsten Abgeordneten im Unterhaus Sejm. Dies wird der 36-jährigen als Ministerin nun zur Bürde, denn die Kommentatoren kontrastieren ihr Aussehen nur zu gern mit ihrer mutmaßlichen Inkompetenz. Frauenrechtlerinnen kritisieren das als Sexismus: "Das Aussehen von männlichen Politikern wird ja auch nicht erörtert", erklärte Joanna Piotrowska von der "Feminoteka" in einem Radiointerview. Allerdings verteidigte auch sie die Ministerin mit wenig schmeichelhaften Worten: "Eine Sportministerin muss doch keine Ahnung von Sport haben."
Den ersten Ausrutscher fanden viele Polen noch amüsant: Joanna Mucha fragte öffentlich, wer denn bestimmt habe, dass beim Fußball-Supercup Legia Warschau und Wisla Krakau gegeneinander antreten. Denn zumindest für die meisten männlichen Polen ist klar, dass sich hier Meister und Cupsieger gegenüberstehen.
Etwas schwerer zu erklären war für die Ministerin schon, warum sie ausgerechnet dem Besitzer des Friseursalons, bei dem sie im heimischen Lublin Kundin war, einen hohen Posten verschaffte. Marek Wieczorek wurde Vizechef des Sportzentrums COS, das unter anderem die Auslandsreisen polnischer Athleten organisiert. "Er ist hervorragend ausgebildet, hat Wirtschaftswissenschaften und drei Aufbaustudiengänge absolviert", erklärte Mucha dem Nachrichtenmagazin "Wprost". Sie habe nicht gewusst, dass ihm der Friseurladen in Lublin gehört: "Dann müsste ich ja auch fragen, wem die Schneiderei gehört, zu der ich gehe", sagte sie.
Die größte Empörung rief allerdings hervor, wie Mucha auf die Kündigung des Direktors im Nationalen Sportzentrum NCS reagierte, das für den Bau des Nationalstadions in Warschau verantwortlich ist. Rafal Kapler forderte die ihm vertraglich zugesicherte Prämie von 570.000 Zloty (136.119 Euro), obwohl das Stadion schon vergangenes Jahr im August eingeweiht werden sollte - und bis heute nicht ganz fertig ist. "Er hat eine enorme Arbeit geleistet", verteidigte ihn Mucha. Erst als Ministerpräsident Tusk sich zu Wort meldete, ruderte die Ministerin zurück. Sie lasse Juristen prüfen, ob die Prämie nicht verweigert werden könne, erklärte sie am Mittwoch.
"Tusk hat Minister ausgewählt, die ihm nicht gefährlich werden können, und wir tragen die Konsequenzen", kommentierte Lukasz Warzecha von der Boulevardzeitung "Fakt". Der Regierungschef solle Mucha entlassen - "am besten mit dieser drohenden, martialischen Mine, die er bei Pressekonferenzen immer anlegt", riet Piotr Najsztub von der Wochenzeitung "Wprost", die Tusk noch vor kurzem zum "Menschen des Jahres 2011" gekürt hatte. Andere fordern, Donald Tusk - schließlich ein begeisterter Fußballspieler - solle selbst das Sportressort in die Hand nehmen.
Die Ministerin will trotz der Angriffe nicht klein beigeben. "Ich verwende viel Kraft darauf, die berechtigte Kritik an mir von derjenigen zu trennen, die nur aus einem Herdentrieb erwächst", erklärte sie kämpferisch in einem Radiointerview.













