Es wackelt der Stuhl in Istanbul
Nach dem desaströsen Auftritt der ÖFB-Elf gegen Belgien blickt Fußball-Österreich nun auf die Begegnung mit der Türkei am Dienstag. Bei einer Pleite könnte der Sessel von Teamchef Constantini gewaltig wackeln.

Foto © ReutersTeamchef Didi Constantini
Das Stadion war, sieht man vom VIP-Klub ab, längst menschenleer, da stand ÖFB-Präsident Leo Windtner ein paar Momente schweigend auf der Ehrentribüne und schaute sehr nachdenklich auf den Rasen. Dann, offenbar zu irgendeinem Schluss gekommen, schüttelte er kaum merklich den Kopf, drehte sich um und trottete freudlos zurück zu seinen Gästen.
"Herr Präsident, eine Frage: Wenn's am Dienstag wieder nichts wird, eventuell sogar ein Debakel, muss man dann nicht bald den Trainer hinterfragen?"
Da lächelte Windtner ein sehr gequältes Lächeln und verkniff sich eine Antwort. Aber, das ist hinlänglich bekannt, oft ist auch keine Antwort eine. Zumal der Chef am Tag danach betonte: "Persilschein gibt es nirgends."
Geht's in Istanbul also nicht nur um die letzte Chance, sich in der Folge noch für die Euro 2012 qualifizieren zu können? Geht's eventuell auch um Didi Constantinis berufliche Zukunft? Möglich. Wiewohl es im Sinne vieler wäre, würden Team und Coach ihren Kopf zumindest bis zum Heimspiel gegen Deutschland noch einmal aus der engen Schlinge ziehen.
Mehr Herz
Dafür wird einiges notwendig sein. Vor allem mehr Herz, mehr Biss, mehr Leidenschaft, mehr Spielintelligenz. Dinge, die gegen Belgien nicht erkennbar waren. Zumindest nicht von außen. Und auch beim Personal sind Umstellungen geplant.
"Wir sind es uns und den Fans schuldig, den Karren aus dem Dreck zu ziehen", sagt Christian Fuchs, der auch keine wirkliche Erklärung für das "komplette kollektive Versagen" beim 0:2 gegen Belgien hat. "Vielleicht war der eine oder andere wegen der großen Erwartungshaltung gehemmt. Aber da sollte man im Grunde drüberstehen."
Umstellungen geplant
Marc Janko, der bei seinem Austausch ausgepfiffen wurde, glaubt weiterhin an die Qualität der Truppe, "auch wenn wir sie zu oft nicht abrufen können".
Janko selbst wird in der Türkei vermutlich nichts abrufen, er wird nämlich nicht spielen. Zumindest nicht von Beginn an. Und das nicht nur, weil nun auch seine linke Schulter leicht lädiert ist. "Die Türken", sagt er, "werden uns überrollen wollen, vielleicht kommt uns das sogar entgegen. Es wird auf jeden Fall ein anderes Spiel, das auch ein anderes System erfordert."
So sieht's auch der Trainer, der Umstellungen plant. Paul Scharner, gegen Belgien gesperrt, wird wohl für Alaba ins Team kommen, Franz Schiemer, sofern fit, ebenfalls einlaufen. Möglich, dass die Solospitze nicht Maierhofer, den man eigentlich gegen Belgien erwartet hatte, sondern Hoffer heißen wird. Und vielleicht bekommt auch Arnautovic diesmal eine Nachdenkpause. Korkmaz wäre eine Alternative.
"Wer auch immer spielen wird, ich hoffe, wir vertreten den österreichischen Fußball würdig", so der Tiroler.
Mit dieser Hoffnung ist er wahrlich nicht alleine.
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