Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
21. Mai 2013 11:33 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Zuletzt aktualisiert: 25.06.2008 um 18:03 UhrKommentare

Der Rubel rollt

Um sich mit der Staatsmacht gut zu stellen, investieren superreiche Russen wie Roman Abramowitsch Millionen in das Geschäft mit dem Fußball. So will es Präsident Putin. Zur Not auch mit sportlichem Nachdruck.

Roman Abramowitsch

Foto © APRoman Abramowitsch

"Wer nicht betrügt, gewinnt nichts", lässt der russische Dramatiker Alexander Ostrowski (1823-1886) in seiner Komödie "Der bittere Rest beim fremden Fest" den Kaufmann Tit Titytsch sagen. Titytsch verkörpert in dem Stück einen ungebildeten und beschränkten Mann, der es in Rekordzeit zu großem Reichtum gebracht hat. Weil seine einzige Antriebsfeder hemmungslose Besitzgier ist, wird er vom gemeinen Volk gehasst.

Oligarch. Mit dieser Figur schuf der Dramatiker Ostrowski den Prototyp der heutigen russischen Oligarchen. Auch sie sind auf rücksichtslose Art und in kurzer Zeit steinreich geworden, nachdem sie sich die Filetstücke der Sowjetwirtschaft zu Spottpreisen unter den Nagel gerissen hatten. Doch im Gegensatz zum Kaufmann Titytsch haben die Oligarchen gelernt: Um das Volk milde zu stimmen, unterstützen sie soziale Einrichtungen, investieren in Kunstobjekte - oder finanzieren Fußballvereine. "Hinter jedem russischen Klub steckt ein Oligarch, der Staat oder ein Unternehmen", sagt der Kenner des russischen Fussballs Ilija Kaenzig, früher Manager der Bundesligavereine Bayer Leverkusen und Hannover.

Unerschöpfliche Mittel. Der Oligarch Jewgeni Ginter beispielsweise ist Präsident von ZSKA Moskau, Rubin Kasan wird von der dortigen Regionalregierung finanziert, Meister Zenit St. Petersburg vom Erdölkonzern Gasprom. Mit den schier unerschöpflichen Mitteln der Oligarchen lassen sich in Russland ungefähr Löhne bezahlen wie in der Bundesliga. Laut Kaetzig verdient schon ein solider russischer Fußballer eine halbe Million Euro netto im Jahr; Spitzenverdiener soll Andrei Arschawin mit vier Millionen sein. Zahlreiche Brasilianer, Argentinier, Kroaten und Serben, die in früheren Jahren nach Westeuropa gewechselt hätten, verdienen ihr Geld heute in Russland und verleihen der Liga so Internationalität.

Löcher gestopft. In sportlicher Hinsicht hat sich das Engagement schon vor dem aktuellen Erfolg der Nationalmannschaft bei der Euro ausgezahlt: Vor drei Jahren gewann ZSKA Moskau den Uefa-Cup, dieses Jahr siegte Zenit St. Petersburg, nachdem die Mannschaft auf dem Weg in das Finale Bayern München ausgeschaltet hatte. Dem Interesse der Oligarchen am Fußball half Premierminister Wladimir Putin nach. Mit Missfallen beobachtete er, wie Roman Abramowitsch seit 2003 Hunderte von Millionen in den FC Chelsea steckt. Putin ließ Abramowitsch fragen, was dieser für den russischen Fußball zu tun gedenke. Seit drei Jahren stopft der Oligarch nicht nur die Löcher des russischen Fußballverbandes, sondern er baut mit den Geldern einer von ihm gegründeten Stiftung auch Dutzende von Fußball-Akademien im ganzen Land.


Fakten

Russland - Spanien Zu sehen Donenrstagabend ab 20.45 Uhr auf ORF beim zweiten Semifinale der Euro im Wiener Ernst-Happel-Stadion.

Seitenübersicht

Zum Seitenanfang