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Zuletzt aktualisiert: 22.06.2008 um 19:54 UhrKommentare

"Guus Geluk" hat das Glück gepachtet

Guus Hiddink machte aus Russland eine holländische Kopie, die das Original überstrahlt. Zu Hause nennen sie ihn Guus Glück, meist begleitet es den 61-Jährigen.

Guus Hiddink

Foto © ReutersGuus Hiddink

Die Russen zerlegten Holland in alle Bestandteile. Mit temporeichem Angriffsfußball entzauberten sie die Oranjes. Russland, ein bärenstarkes Kollektiv mit einem Leitwolf namens Andrej Arschawin. Der "Maradona Russlands" ist sicher eine der größten Entdeckungen dieser Euro. Der Star in der russischen Truppe ist freilich kein Kicker. Er sitzt auf der Bank, ist Teamchef und heißt Guus Hiddink.

Erfolgsgeschichte. Der 61-jährige Niederländer schaffte es seit seinem Amtsantritt im Juli 2006, die Russen innerhalb von zwei Jahren zu einer holländischen Kopie zu machen, die das Original längst überstrahlt. In seiner Heimat Holland nennen sie Hiddink nur "Guus Geluk (Guus Glück). Und das scheint er auch gepachtet zu haben. Wo er als Trainer hinkommt, da ist auch der Erfolg. Mit Südkorea wurde er 2002 WM-Vierter, Australien führte er 2006 ins WM-Achtelfinale und nun Russland. Da ist ein Ende des Höhenflugs noch nicht absehbar. Nur als holländischer Bondscoach blieb ihm der große Erfolg verwehrt.

Reibungen. 1996, bei der EM in England, scheiterte er mit den Oranjes im Viertelfinale. Zwei Jahre später, bei der WM in Frankreich, wurde er undankbarer Vierter. Hiddink und Holland, das ist kein reibungsloses Verhältnis, auch wenn die Fans in seiner Heimat ihn verehren. Zuletzt setzte ihm der holländische Fiskus zu. Vor einem Jahr wurde Hiddink in den Niederlanden wegen Steuerhinterziehung zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Er soll sich in Belgien einen Scheinwohnsitz zugelegt und Millionen am Finanzamt vorbeigeschleust haben. Dabei hätte er so etwas gar nicht nötig. Wer sechs Millionen Dollar im Jahr verdient, kann sich ein paar läppische Steuern doch leisten.

Unglaubliche Leistung. Aber im Moment hat Hiddink ohnehin andere Sorgen. Andersherum, er hat keine Sorgen. Glücklich saß er nach dem Viertelfinal-Triumph in den Katakomben des Jakobs Park. "Ich bin extrem stolz auf mein Team. Wir hatten nur zwei Tage zum Regenerieren und konnten kaum im taktischen Bereich arbeiten. Vor diesem Hintergrund war es eine unglaubliche Leistung. Ich habe in meiner ganzen Karriere so etwas nur selten erlebt." Wenn einer wie Hiddink das sagt, dann heißt das etwas. Schließlich führte er PSV Eindhoven gleich fünfmal zum Titelgewinn und feierte mit ihnen 1988 einen Triumph im Europapokal der Landesmeister.

Wodka. Er machte Real Madrid zum Weltpokalsieger, er coachte Fenerbahce Istanbul, FC Valencia und Betis Sevilla. Und noch eine Anekdote gibt's von Hiddink. Als der im Juli 2006 für Russland unterschrieb, wollten die russischen Funktionäre den erfolgreichen Vertragsabschluss traditionsgemäß mit Wodka begießen. Hiddinks Antwort. "Ich trinke mit euch einen Wodka, wenn wir Europameister sind."

THOMAS PLAUDER, ZÜRICH

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