Trotz 4:1-Traumstart keine Euphorie bei "La Roja"
Das Spanische Team ist nach dem Erfolg schaumgebremster als die Fans und die Medien. Der dreifache Torschütze Villa meinte nur: "Müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben".

Foto © APDie spanische Mannschaft konnte ihr Glück kaum fassen
Die spanischen Fußball-Fans im Innsbrucker Tivoli-Stadion sprudelten über, doch "La Roja" selbst gab sich am Dienstagabend nach dem klaren 4:1-(2:0)-Auftaktsieg in Gruppe D der EURO 2008 gegen Russland äußerst schaumgebremst. "Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben", warnte jener Mann, der am meisten Grund gehabt hätte, auf Wolke sieben zu schweben, nämlich der dreifache Torschütze David Villa. "Wir haben das erste Spiel gewonnen, aber es bleiben uns noch zwei Partien und da müssen einen Schritt nach dem anderen machen."
Teamchef denkt an nächste Aufgabe.
Auch Teamchef Luis Aragones dachte trotz aller Zufriedenheit bereits an die nächste Aufgabe, wo am Samstag (18.00 Uhr) wieder im Tivoli Schweden als nächster Gegner wartet. Und gegen das Drei-Kronen-Team hatte Spanien in der EM-Qualifikation im Oktober 2006 in Stockholm immerhin mit 0:2 verloren. Das Rückspiel wurde dann 13 Monate später mit 3:0 gewonnen. Der Respekt ist aber geblieben, gaben die Schweden doch am Dienstag mit einem 2:0-Sieg in Salzburg gegen den noch amtierenden Europameister Griechenland ebenfalls ihre Visitenkarte ab.
"Villa hat Dose aufgemacht".
Liverpool-Striker Fernando Torres, der vor allem vor der Pause die russische Abwehr erfolgreich angebohrt hatte (Villa: "Er hat uns die Dose aufgemacht"), hegte leichte Zweifel: "Ich bin mir nicht sicher, ob es gerecht ist, dass wir 4:1 gewonnen haben." Torres sah die Gründe für den Sieg auch darin, dass sich die Spieler vor dem Match nicht von der Favoritenrolle hatten verrückt machen lassen: "So ein Spiel gewinnst du, wenn du Bescheidenheit und Respekt zeigst."
TEamchef nüchtern.
Auch der Teamchef blieb nüchtern: "Wenn man nur auf das Resultat schaut, könnte man glauben, dass es ein leichtes Spiel für uns war. Aber das war es nicht. Die ersten 15 Minuten haben wir uns sehr schwer getan, der Gegner war vor allem physisch enorm stark. Wir haben Glück gehabt, dass sie uns nach dem 1:0 nicht den Ausgleich geschossen haben." Nach dem zweiten Treffer habe sich Spanien aber erfolgreich darauf verlegen können, auf Konter zu spielen.
Euphorie kennt keine Grenzen.
Dennoch: Die Euphorie der Fans und mancher Medien kannte nach dem 4:1 vom Dienstag keine Grenzen. "Illa, illa, illa, Villa maravilla!" ("Illa, illa, illa, das Wunder Villa!"), skandierten die rot-gelb gewandeten Anhänger und auch ein enthusiasmierter Reporter des seriösen öffentlich-rechtlichen TV-Senders TVE begann seine Reportage im morgendlichen Nachrichtenblock mit diesem Slogan.
Kronprinz Felipe zuversichtlich.
Selbst die ehemalige TVE-Kollegin Letizia Ortiz und ihr Ehemann ließen sich von der guten Stimmung anstecken. "Ich denke, die Spieler können die Illusionen, die sie und wir alle haben, wahr machen", meinte Kronprinz Felipe, der das Match im Stadion verfolgt hatte. Auf die Frage, ob "wir" "es" diesmal schaffen können, reagierte seine Hoheit gegenüber TVE geradezu ausgelassen: "Natürlich können wir!" Wobei mit "es" wohl der erste Titel seit 44 Jahren (EM 1964) gemeint war.
Features
Weitere Videos
Analyse
SPA - RUS
Fotoserie
Kleine Verwechslung
Den Vogel der Begeisterung schoss aber wohl eine Zeitung ab, die meinte, dass in ganz Österreich eine Supermarktkette an den Helden von Innsbruck erinnere. Im Spanischen wird nämlich das "B" und das "V" recht ähnlich ausgesprochen. Der Gedankensprung von "Billa" zu "Villa" scheint dennoch etwas gewagt...
Foto

Villa und Torres - das erfolgreiche DuoFoto © APA






