Azzurri haben Sehnsucht nach Lippi
Fans und Medien wünschen sich nach dem EM-Aus eine Rückkehr des Weltmeister-Machers. Spieler für Teamchef Donadoni.

Foto © GEPAItalienische Fans
Mamma mia, der Weltmeister ist im Viertelfinale an Spanien gescheitert und ein ganzes Land trauert. Was auch in den Gazetten Niederschlag findet: "Alles zu Ende. Verwunschene Elfmeter für De Rossi und Di Natale: Italien muss nach Hause zurückkehren. Das Abenteuer der Italiener geht vor Casillas Tor, nach einem vom Leid geplagten Match, zu Ende", befand etwa die rosarote "Gazzetta dello Sport".
Einsicht. Unter die Trauer mischt sich auch Einsicht. Nämlich die Einsicht, dass man nach durchwachsener Leistung im gesamten Turnier nicht ganz zu Unrecht die Koffer packt. "Man muss es zugeben. Spanien war Italien 120 Minuten lang überlegen. Italien war auf der verzweifelten Suche nach sich selbst und seinen Träumen", bilanziert "Corriere dello Sport". Und "La Repubblica" ergänzt: "Italien hätte es nie schaffen können, die Spanier waren besser. Wenn in vier Spielen praktisch keine Tore geschossen werden, gibt es nicht viel zu sagen."
Donadoni will bleiben. Die Zeitungen und quasi jeder Italiener erwarten nach einer mehr als dürftigen EM das Ende der Teamchef-Ära von Roberto Donadoni. Der hat aber am Tag nach dem Aus bereits bekräftigt, dass er sicher nicht aus freien Stücken geht: "Nein, ich trete nicht zurück. Auf keinen Fall. Das entspricht nicht meiner Persönlichkeit und es gibt auch keinen Grund. Wir sind in einem Elfmeterschießen ausgeschieden, das ist wie eine Lotterie." Rückendeckung bekommt der frühere Star des AC Milan, dem man zugute halten muss, dass er nicht nach Ausreden sucht, übrigens nur von einer Seite - seinen Spielern, die Donadoni "Mister" nennen.
Letzte Entscheidung. "Er hat hervorragende Arbeit geleistet. Nach dem WM-Titel war es nicht leicht, neue Impulse zu setzen", meinte etwa der verletzte Fabio Cannavaro.
"Der ,Mister' genießt die Wertschätzung der Mannschaft. Es wäre schade, wenn man das wegen einer Niederlage beendet", sagt auch der glücklose Torjäger Luca Toni. Rest-Italien sehnt hingegen eine Rückkehr von Weltmeister-Macher Marcello Lippi herbei. Die letzte Entscheidung liegt beim italienischen Fußball-Verband. Donadonis Vertrag läuft zwar bis 2010, aber für den nun eingetretenen Fall, dass das Minimalziel EM-Semifinale verpasst wird, kann der Verband den Kontrakt binnen zehn Tagen nach dem Ausscheiden kündigen.
ALEXANDER NIGGAS
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