Vastic: "Braucht man mich, bin ich bereit"
Ivica Vastic (38) kann sich einen Einsatz in Österreichs Startelf gegen Polen vorstellen. Kann Teamchef Josef Hickersberger im "Alles-oder-Nichts"-Spiel auf den Super- Oldie überhaupt verzichten?

Foto © ReutersIvica Vastic ist bereit
Ivica Vastic steht nach dem Training in der Mixed-Zone, seine Schuhe in der rechten Hand, den Waschbeutel in der linken. Er steht vor der Journalisten-Meute und wirkt trotz seiner 38 Jahre und seiner langjährigen Erfahrung wie ein kleiner Bub.
Diplomatisch. Fragen prasseln auf den Ausnahme-Fußballer nieder: Hast du Kraft für 90 Minuten? Wirst du gegen die Polen von Anfang an spielen? Bist du in der Lage ein ganzes Spiel zu marschieren? Plant der Teamchef mit dir? Vastic' Lächeln wirkt verlegen. Es hat den Anschein, als hätte er viel zu sagen, tut dies aus Solidarität zum Teamchef und der Mannschaft aber nicht. Und so fallen seine Antworten diplomatisch aus: "Ich weiß nicht, ob ich von Beginn an spiele. Ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft. Man sollte jetzt keine Unruhe in die Mannschaft bringen. Ich kann der Mannschaft mehr helfen, wenn ich eingewechselt werde. Ich bin immer bereit. Ja, ich fühle mich topfit."
WM-Schicksal. Wer Vastic kennt, weiß: er ist ein Vollblut-Kicker und würde gerne in jedem Spiel von Anfang an glänzen. Ereilt den Super-Techniker das selbe Schicksal wie bei der WM 1998 in Frankreich, als der damalige Teamchef Herbert Prohaska weitgehend auf seine Dienste verzichtet hatte? Anstatt des damals so erfolgreichen "magischen Dreiecks" - Vastic, Reinmayr, Haas - setzte Prohaska auf die Wiener Partie mit Herzog und Polster und vergeigte so einen möglichen Aufstieg.
Vastic gehört am Donnerstag gegen Polen in die Mannschaft. Er ist stets für einen genialen, unberechenbaren - den so genannten tödlichen - Pass gut, kann ein Spiel ebenso beruhigen wie beschleunigen, behandelt den Ball eleganter und sicherer als jeder andere in der rot-weiß-roten Nationalelf.
Turnier-Erfahrung. Vastic war und ist stets Lenker und Denker seiner Mannschaft, egal bei welchem Klub er spielt. Und: Vastic hat mit Martin Hiden als einziger Turnier-Erfahrung, spielte drei Saisonen in der Champions League. Teamchef Josef Hickersberger sagt selbst: "In diesem Spiel geht es um alles oder nichts." Um im nächsten Satz wieder einzuschränken: "Wir können nicht von Beginn an auf totale Offensive, oder wie Ernst Happel gesagt hat, ,auf Hollywood' spielen. Das kann sehr leicht ins Auge gehen." Auch wenn Polen eine Klassemannschaft ist, wie sie es trotz des 0:2 gegen Deutschland gezeigt hatte. In diesem Spiel muss es ganz einfach heißen: Runter mit dem Visier. Denn nur mit einem Sieg lebt der Viertelfinal-Traum weiter. Seine Schuhe hatte Vastic jedenfalls schon gestern in der Hand.
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