"Prinz Poldi" und das Gespür für Schmäh
Warum Lukas Poldoski nach seinen zwei Toren gegen Polen kaum jubelte und warum der gebürtige Pole schon immer ein Frühstarter war.

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Noch einen Tag vor dem deutschen EM-Einstand in Klagenfurt zählte im deutschen Fernsehen das 1:0 gegen Polen bei der Heim-WM zu den Fixpunkten im Programm. Immer wieder wurde das entscheidende Tor in der Nachspielzeit gezeigt. Natürlich auch der Jubel und die Erleichterung. Zur Einstimmung, gleichsam aber auch als Warnung. Das 1:0 stand am Beginn des deutschen Sommermärchens, dessen zweiter Teil bei der EM in Österreich und der Schweiz folgen sollte.
Besondere Wirkung. Vom ersten Turnierspiel versprechen sich Fußballer immer eine besondere Wirkung. Nicht nur wegen der drei Punkte. Sie erwarten sich vom Ausgang der Partie Kraft und Motivation für die nächste. Beides ist Deutschland beim 2:0 gegen Polen gelungen. Dabei tat sich die Mannschaft von Joachim Löw wesentlich leichter als vor zwei Jahren. Vor allem dank eines Mannes: Lukas Podolski. Einer, der polnische Wurzeln hat.
"Kölsche" Junge. Der "kölsche" Junge, wie sie ihn in Deutschland nennen, weil er in diesem Raum groß geworden ist, schoss mit dem baldigen 1:0 (20.) eine große Last weg und sorgte mit seinem zweiten Treffer (72.) für die Vorentscheidung. Während die Kollegen auf dem Feld sowie die Chefitäten und Auswechselspieler auf der Bank in Jubelstürme ausbrachen und Luftsprünge fabrizierten, hielt sich der sonst fröhliche "Prinz Poldi" sichtlich zurück. "Aus Respekt gegenüber den Polen", wie der zum Mann des Spieles gewählte Lukas später sagte.
Bankdrücken. Er habe zu dem Land, in dem er geboren wurde, eine besondere Beziehung. Und demonstrierte diese auch. Nach dem Schlusspfiff kletterte der zweifache Torschütze auf die Tribüne, umarmte Vater, Onkel und weitere Verwandte aus Polen. Ein kurzer Familientreff nach einem emotionalen Drahtseilakt. Bei Bayern München musste sich Podolski in der letzten Saison mit der Rolle des Teilzeitarbeiters zufrieden geben, überlegte schon einen Vereinswechsel. Nur fünf Tore gelangen ihm, trotzdem hielt Teamtrainer Löw am 23-Jährigen fest. Im Nationalteam ist er eine fixe Größe, seine Torquote (26 Treffer in 49 Länderspielen) außergewöhnlich.
Frühes Debüt. Der gebürtige Pole, dessen Eltern mit dem zweijährigen Lukas nach Köln gezogen waren, war schon immer ein Frühstarter. Mit sechs begann er Fußball zu spielen, als Zehnjähriger schloss er sich dem 1. FC Köln an und mit 18 stand Podolski bereits im Kader des Bundesliga-Klubs. Der junge Stürmer verblüffte in seiner ersten Bundesligasaison gleich mit zehn Toren in 19 Spielen. Sein Aufstieg erfolgte im Schnellzugstempo: Ein Jahr später, also mit 19, gab er bereits sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. 2006 übersiedelte er zum FC Bayern, der für "Prinz Poldi" zehn Millionen Euro an Ablöse auslegte.
Früh dran. Nicht nur als Fußballer war Lukas Podolski früh dran. Seit April ist der 23-Jährige Vater eines kleinen Sohnes. Wortdribblings aber mag der Freund schneller Autos eher nicht. Der monotone Kultspruch von Podolski: "So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere" - der wortkarge "Prinz" und das Gespür für Schmäh. Am Sonntag behielt er recht. . .
Features
GER - POL
Fotoserie
Lukas Podolski
Geboren am 4. Juni 1985 in Gliwice (Polen)
Seine Eltern übeersiedelten mit ihm im Alter von zwei Jahren nach Deutschland.
Familienstand: ledig, Freundin Monika, seit April Vater eines Sohnes (Louis)
Verein: FC Bayern München, zuvor 1. FC Köln
Bilanz: Erzielte für Deutschland 26 Tore in 49 Länderspielen.





