Rücktritt stand im Raum - aber Hicke bleibt
Teamchef Josef Hickersberger dachte über seinen Rücktritt nach, er ist aber überzeugt: "Nur ich kann diesen Weg fortsetzen".

Foto © APAEs sieht nicht so aus, aber Josef Hickersberger darf Nationaltrainer bleiben
Das Nationalteam setzt weiter auf die Jugend, Teamchef Josef
Hickersberger wurde vom ÖFB-Präsidium das Vertrauen ausgesprochen -
das ist das Resultat jener "Analyse", die ÖFB-Präsident Friedrich
Stickler nach den enttäuschenden Testspielen gegen Japan und Chile
vom Niederösterreicher gefordert hatte. Am Mittwochabend hatte
"Hicke" dem Verbandschef seine Sicht der Dinge dargelegt, am
Donnerstag wurde das gesamte ÖFB-Präsidium von den Vorstellungen des
Teamchefs informiert.
Kritik
Zu 100 Prozent. Laut Stickler steht das Führungsgremium "zu 100 Prozent" hinter
dem Bekenntnis, weiterhin auf junge Spieler zu setzen. Der ÖFB
unterstütze das Konzept der Verjüngung. "Es gibt keine Trendumkehr
und es wird zu keinen radikalen Schnitten kommen", betonte Stickler. Er habe von Hickersberger eine "sehr profunde, tiefgreifende und nicht in jedem Bereich angenehme Analyse" bekommen, so der ÖFB-Boss. Nun ist für Stickler auch die zuletzt aufgekommene
Trainer-Diskussion erledigt. "Das Präsidium geht davon aus, dass der Teamchef bei der EURO 2008 Josef Hickersberger heißt."
Fakten
Der Countdown Richtung EURO 2008 geht fürs ÖFB-Team am 13. Oktober (20:30 Uhr) weiter, in Zürich steht das Duell mit dem EM-Mitveranstalter Schweiz auf dem Programm.
Kein Blatt Papier. Es werde aber nicht alles beim alten bleiben, versicherte der
ÖFB-Präsident. "Es gibt die Forderung an die Spieler, eine entsprechende
Änderungs-Bereitschaft zu zeigen." Mit öffentlicher Schelte für Spieler wie zuletzt für
Roland Linz ist künftig aber nicht mehr zu rechnen. Von seiner Seite hätte es niemals den Versuch gegeben, in die Kaderzusammenstellung von Hickersberger einzugreifen. "Der Teamchef
ist absolut frei, wen er einberuft. Für sportliche Belange ist
ausschließlich der Teamchef zuständig", erklärte Stickler und
ergänzte: "Zwischen dem Teamchef, mir und dem Präsidium passt kein
Blatt Papier."
Philosophie. Hickersberger selbst bleibt seiner Philosophie treu. "Es gibt nur
einen Weg für mich, und der ist, den Verjüngungsprozess fortzusetzen." Dem Comeback von arrivierten Kickern wie Ivica Vastic erteilte Hicke eine Absage. "Es gibt keine
Rückkehr zu den 'Super-Oldies'. Dieser Fehler wurde in Österreich
schon mehrmals gemacht, zuletzt auch in der WM-Qualifikation für
2006. Auch die damals wirklich besten Spieler haben die Qualifikation
nicht geschafft, sollen wir jetzt noch einmal den gleichen Fehler
machen?", fragte Hickersberger.
Rücktrittsgedanken. Hickersberger gab zu, sich zuletzt über einen möglichen Rücktritt Gedanken gemacht zu haben. "Natürlich habe ich über diese Möglichkeit
nachgedacht. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, diesen Weg
fortzusetzen, und nur ich kann diesen Weg mit den Jungen fortsetzen,
weil es ein anderer nicht machen würde."
Fehlende Leistungsträger. Sein Vertrauen in die Jung-Kicker sei nur "von den Wenigsten"
missbraucht worden. Die jüngsten schlechten Leistungen seien auch auf das Fehlen von
Kickern wie Martin Stranzl oder Andreas Ivanschitz zurückzuführen.
"Es sind viele wichtige Spieler verletzt ausgefallen, und die anderen
konnten das nicht kompensieren."







