Datenscouts verfolgen die Superstars
Fußball als Spiel mit den Millionen. Hinter der Feilscherei um Mann und Mammon stehen professionelle Datenbanken und Firmen. Auch Verletzungen werden einkalkuliert.

Foto © GEPADie Beine eines Kickers sind gold wert
Aufatmen bei Frankreich, dem FC Bayern - und den Versicherungen. Weil Franck Ribery im Spiel gegen Italien doch keinen Beinbruch erlitten, sondern sich nur eine schwere Verstauchung im linken Knöchel zugezogen hat, entgeht den Teams ein herber sportlicher Verlust und den Versicherungen großer finanzieller Schaden.
Entschädigung an Klubs. In welcher Höhe das linke Bein des französischen Regisseurs versichert ist, wurde zwar nicht überliefert, bekannte Zahlen seiner Fußballerkollegen lassen aber Schätzungen zu. Die Schussbeine von Englands David Beckham etwa sind 52,9 Millionen Euro wert, Ribery wird wohl ein bis zwei Kategorien darunter anzusetzen sein. Die vielen prominenten Verletzten bei der Euro (u.a. Cannavaro, Vieira, Podolski) sorgen hinter den Kulissen für Diskussionsstoff. Wieder aufgewärmt wird die leidige Geschichte mit den Teamabstellungen, weil die Klubs als Arbeitgeber der Stars durch die Finger schauen, wenn ihre Arbeitnehmer verletzt von den Nationalteam-Einsätzen zurück kommen.
4000 Euro. Die aufsehenerregende Aktion der G14-Klubs, die die Fifa auf 860 Millionen Euro geklagt hatten und damit die ausbezahlten Gehälter an nicht einsatzfähige, weil verletzte Nationalteamspieler retour bekommen wollten, hat nicht gefruchtet. Die Klage wurde abgewiesen. Ein erstes Entgegenkommen ist in dieser Causa aber absehbar: Die Uefa hat angekündigt, den Klubs nach der Euro pro abgestellten Spieler und Turniertag eine Prämie von 4000 Euro zu überweisen. Bedingung: Der Spieler muss die vergangenen zwei Jahre durchgehend bei diesem Verein gewesen sein.
Basis für alle Spekulationen um Versicherungssummen und Prämien ist der Marktwert . Und der kann sich rasant ändern, wie aktuelle Beispiele zeigen.
Ronaldo ist top. In der Woche vor Beginn der Europameisterschaft war etwa Österreichs Dreier-Keeper Ramazan Öczan der billigste EM-Teilnehmer: Sein Marktwert betrug 300.000 Euro - gleichbedeutend mit dem Wert des kompletten Nationalteams von San Marino. Allein durch das Aufscheinen im Hickersberger-Kader, aber ohne eine Einsatzminute, vervierfachte sich der Wert von Öczan auf 1,25 Millionen. Günstigster Österreicher war damit Martin Hiden, den größten Gegenwert stellte die Aktie von Roland Linz dar.
Der teuerste Kicker bei der Euro ist mit 55 Millionen Euro Portugal-Star Cristiano Ronaldo, seine Kronprinzen heißen - mit Respektabstand - Zlatan Ibrahimovic und Andrea Pirlo.
Dutzende Datenscouts. Wie werden diese Zahlen ermittelt? Marktwerte von Superstar Ronaldo abwärts bis zu heimischen Regionalliga-Kickern hart an der Grenze zur sportlichen Bedeutungslosigkeit kann man im Internet abrufen. Portale wie www.transfermarkt.de, die größte deutschsprachige Plattform dieser Art, boomen. Dort wird seriöserweise betont, dass die Marktwerte nur Schätzungen sind, die tagesaktuell angepasst werden, wenn reale, bezahlte Summen bei Transfers bekannt gegeben werden. Die Strukturen sind professionell: Für transfermarkt.de arbeiten fünf Angestellte im Büro in Hamburg, zwei Gebietsleiter für Österreich und
die Schweiz, dazu 50 sogenannte "Paten" und 25 Datenscouts, die sich um extrem detaillierte Statistiken und Bewertungen bemühen.
Legende. Jeder Einsatz, jede Gelbe, jedes Tor kommt in die Datenbank. Zudem werden auch Agenturmeldungen und Presseaussendungen der Klubs studiert. Ein gefundenes Fressen nicht nur für Fußballfreaks, sondern auch für Spielerberater und Manager, die damit ihre "Aktien" aktiv steuern können. Die Entstehungsgeschichte dieser Plattform ist fast schon Legende. Um als Fan von Werder Bremen in Hamburg am Laufenden zu bleiben, richtete Matthias Seidel im Mai 2000 ein Internet-Forum ein. Das zog Interessierte an, und mittlerweile hat das ähnlich wie Wikipedia aufgebaute System 40.000 registrierte User, die alle Ligen Europas abdecken.
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Der teuerste Kicker: Christiano RonaldoFoto © APA





