Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
22. Mai 2013 14:30 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Finanzdebakel in Tirol erfordert erneut Überprüfung von RH Sexy, sexy: Griss um Hemd von Joachim Löw Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Euro 2008 Nächster Artikel Finanzdebakel in Tirol erfordert erneut Überprüfung von RH Sexy, sexy: Griss um Hemd von Joachim Löw
Zuletzt aktualisiert: 12.06.2008 um 14:50 UhrKommentare

Von der Erotik des Spiels entwaffnet

Berührungsängste mit der Fanzone? Eine Reporterin schildert, wie sie sie verloren hat.

Nicht einer von sieben Freunden hatte Zeit oder Lust, als Bodyguard mit mir in die Fanzone zu gehen. Aber die Aussicht, das erste Österreich-Spiel alleine vor dem Nicht-Flachbild-Fernseher zu verbringen, war schlimmer als die Angst vor johlenden Hooligans. Mit Klagenfurt-Schal und Pfefferspray bewaffnet ab zum Neuen Platz. Da er schon überfüllt ist, setze ich mich mutig in ein Lokal mitten unter die Fans. Um meine Eleganz unter Beweis zu stellen, bestelle ich gleich einen Prosecco statt Bier. Krieg ich doch glatt im Glas und nicht im Becher.

Angriff. In der zweiten Halbzeit gehen nicht nur die Österreicher, sondern auch meine Nebensitzer auf Angriff über. "Bist verheiratet?", stürmt der rot-weiß-rot-Perückte voran. "Nein? Dann kann ja noch was werden mit uns." Als ich zweifelnd den Kopf schüttle, ergreift der Linksaußen die Chance. "Noch einen Prosecco für die Dame!" Zu Spielende hat niemand einen Treffer gelandet, "meine" Fans verziehen sich bedauernd und ich wage mich direkt in die schwarz-gelb-rote Meute. "Ach, da ist ja eine Einheimische, super", freuen sich zwei Schwaben und nehmen mich unter die Fittiche. Mario Gomez stamme aus seinem Heimatort Unlingen, erklärt der charmante Blonde, der mir sein Bier anbietet und den Spielausgang voraussagt. Er hat Recht, nur hat er einmal auf Klose statt Podolsky getippt. Schade, dass es nur zwei Tore waren, denn jedes Mal wurde auch ich gebührend abgebusselt. Die Ekstase schwappt auf mich über und muss in der Fanmeile mit Flüssigkeit abgekühlt werden.

Respekt. Ob sie deshalb mit mir per Sie wären, weil ich so alt aussähe, frage ich die netten Deutschen. "Das liegt nicht am Alter, sondern am Respekt, den du bei uns genießt", werde ich aufgeklärt. Da schau ich aber. Und sehe vier Polen, die ich zwecks Völkerverständigung sofort anspreche. Sie lachen, machen Fotos mit mir und den Deutschen. Adam aus Warschau tauscht seinen Polska-Schal gegen meinen Klagenfurt-Schal. Wo sie denn übernachten, will ich wissen. "Nix sleep. Amphetamin." Na bumm, Aufputschmittel. Ich geh lieber schlafen. Ein deutscher Galan begleitet mich bis zu meiner Bus-Endhaltestelle. Damit mir nichts passiert. Da können meine Freunde aber einpacken.

ELKE FERTSCHEY

Seitenübersicht