Löw strich Helmes, Jones und Marin aus Kader
Der DFB-Teamchef spricht von einer "Millimeter-Entscheidung".

Foto © APAJoachim Löw
Schweren Herzens hat Joachim Löw am Morgen nach dem Rückschlag gegen Weißrussland den Schalker Jermaine Jones, den Kölner Patrick Helmes und überraschend auch den Gladbacher "Zauberlehrling" Marko Marin aus dem Kader für die Fußball-Europameisterschaft gestrichen. "Die Entscheidung ist unserem Trainerteam sehr schwer gefallen", erklärte Löw kurz vor Ablauf der Meldefrist (12.00 Uhr) bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Die Deutschen sind in Gruppe B Gegner der österreichischen Nationalmannschaft.
Gute Perspektive. Löw sprach von einer "Millimeter-Entscheidung" und war darum bemüht, das Trio nicht als Verlierer des von ihm ausgerufenen
"Castings" um die 23 Kader-Plätze darzustellen: "Jeder der drei Spieler hätte es verdient gehabt, dem EM-Kader anzugehören", betonte der frühere Innsbruck- und Austria-Trainer. Die Enttäuschung für das Trio versuchte er auch dadurch zu mildern, dass er Helmes, Jones und Marin versicherte, dass sie "gute Perspektiven" hätten, nach der EM wieder im Kreis der Nationalmannschaft dabei zu sein und "eine gute Rolle zu spielen".
"High Noon". Die Mannschaft war erst eine halbe Stunde vor "High Noon" in einer Teamsitzung im Quartier "Son Vida" informiert worden. Dabei dürften andere heiß gehandelte Streich-Kandidaten wie David Odonkor, Piotr Trochowski, Oliver Neuville und auch Tim Borowski, der sich wegen
eines grippalen Infektes bisher im Teamtraining gar nicht beweisen konnte, innerlich gejubelt haben. Am überraschendsten kam die Ausmusterung des zuvor von Löw fast schon überschwänglich gelobten Marin. Der 19-Jährige hatte am Tag
zuvor in Kaiserslautern beim enttäuschenden 2:2 noch sein Länderspiel-Debüt gefeiert. "
Unerfahrenheit. Helmes verlor das Duell um den fünften Stürmerplatz mit dem 35-jährigen Gladbacher Neuville, dem eine dritte Enttäuschung nach
den EM-Ausmusterungen 2000 und 2004 erspart blieb. Auch gegen Jones dürfte die Länderspiel-Unerfahrenheit gesprochen haben, denn Löw
berief gleich 15 WM-Spieler ins Aufgebot. Nur sieben Akteure spielen ihr erstes großes Turnier, der Schalker Kevin Kuranyi ist nach der
WM-Ausbootung 2006 zum zweiten Mal bei einer EM-Endrunde dabei.





