Der Alte und der große Bub
Sie verkörpern zwei Fußballer-Generationen und spielen in einem Team. Ivica Vastic (38) und Sebastian Prödl (20).

Foto © GEPAIvica Vastic und Sebastin Prödl im Gespräch mit Kleine Zeitung-Redakteur Hubert Gigler
Geschichten werden den Jungen aus Erzählungen der Alten überliefert, in diesem Fall aber dürfen zwei Generationen auf der gleichen Ebene gemeinsam auftreten. Dabei ist der Unterschied durch die biografischen Eckdaten eindrucksvoll markiert. Zwischen Ivica Vastic und Sebastian Prödl liegen fast 18 Jahre, doch sie klaffen keineswegs auseinander. Im Gegenteil: inzwischen ist die Annäherung perfekt vollzogen, denn der älteste und der jüngste Spieler im österreichischen Kader für die in 13 Tagen startende EM-Endrunde sind als zahlentechnische Randerscheinungen zentrale Figuren im rot-weiß-roten Euro-Spiel.
Vorbild.
Die Distanz, die von den beiden zurückgelegt wurde, lässt sich am besten an Prödls Erinnerungen messen. "Als ich noch in die Volksschule gegangen bin, war Ivo schon eine Ikone bei Sturm Graz und mein Idol. Ich habe ihn oft im Fernsehen gesehen. Es freut mich riesig, noch mit ihm zusammen spielen zu können." Der kleine Bub ist inzwischen 1,94 m groß geworden und urteilt über den Senior. "Er hat überhaupt keine Anlaufzeit gebraucht, gleich seine besonderen Fähigkeiten gezeigt." Er sei in jeder Hinsicht ein Vorbild. "Auch durch seine kontinuierliche Arbeit. Er geht immer als Letzter in die Kabine, um noch einzuschießen. Außerdem strahlt er eine unglaubliche Ruhe aus." Ruhe, die dem ÖFB-Team in den Länderspielen gegen Deutschland und die Niederlande gefehlt hat.
Respekt.
Die Komplimente bekommt der Jungverteidiger postwendend zurück. "Das ist ja keine Frage des Alters, sondern der Leistung. Und bei Sebastian braucht man darüber nicht zu diskutieren." Außerdem attestiert Vastic seinem Junior-Partner schon durchaus reifes Verhalten. "Er traut sich was, kommuniziert mit den Mitspielern, ist frech und kann dirigieren." Prödl nimmt das Lob dankbar entgegen. "Das gibt zusätzliches Selbstvertrauen." Sie pushen sich gegenseitig.
Jungbrunnen.
Schon einige wertvolle Tipps hat Vastic an die Jugend weitergegeben. "Vor allem in taktischer Hinsicht profitieren wir sehr von Ivo", sagt Sebastian, der bald in Bremen spielen darf. "Er wird es am Anfang sicher schwer haben, sich gegen die gestandenen Spieler durchzusetzen. Das muss er wissen", so Vastic, der zwölf Jahre über dem Team-Durchschnittsalter (26,1) liegt und sich trotzdem nicht alt fühlt. "Im Gegenteil, das wirkt wie eine Verjüngungskur." Weitermachen will Vastic, "solange ich nichts spüre. Noch stehe ich jeden Tag problemlos auf." Der Routinier kann den jungen Kollegen auch die Erfahrungen einer WM-Teilnahme (1998) vermitteln und zieht einen Vergleich. "Diesmal ist die Harmonie unter den Spielern viel besser als damals." Sie haben sich also weiterentwickelt.





