Haussegen hing am Ende schief
Am Tag feierten die Bayern-Fans. Voreilig, wie sich schließlich herausstellte. Am Ende hatten die Blauen das Sagen.

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Am Schluss dieses langen Tages, und er hatte tatsächlich fast schon Mitternacht erreicht, war die Mir-san-mir-Bewegung der Bayern am unerwarteten, bitteren Ende angelangt. In der Heimarena, also dahoam, wie es unablässig propagiert wurde, hing der Haussegen schief. Als Didier Drogba das Champions-League-Finale für Chelsea auf den Punkt brachte, hätte man auf der Südseite, hinter dem Elfer-Tor, eine Stecknadel fallen hören. Lähmendes Entsetzen hat die zuvor fast permanent schreiende Bayern-Menge zum Stillstand gebracht. Und das Stadion war in diesem Moment vollkommen blau angelaufen. Die Chelsea-Fans tobten über den unerwarteten Triumph.
Unten auf dem Rasen ließen die Engländer, allen voran der Matchwinner Drogba, ihrer gewaltigen Freude über diesen Titel freien Lauf. Die Bayern hingegen wirkten ratlos. Mit leerem Blick starrten Jupp Heynckes & Co. auf die Tribüne und die Fans der Roten waren so verstört, dass ein Großteil bis zum Ende der Siegeszeremonie sitzen blieb. Chelsea-Trainer Roberto di Matteo erklärte in tadellosem Deutsch, dass er sich sehr für seine Spieler freue. "Sie haben hart dafür gearbeitet. Die Bayern hatten mehr Chancen, aber meine Mannschaft hat den Stil praktiziert, zu dem sie fähig ist. Und manchmal kommt auch Glück dazu. Thomas Müller wiederum konnte das Unglück nicht begreifen. "So ist Fußball. Nicht immer gewinnt der, er es sich verdient hätte. Es ist schwer in Worte zu fassen."
Dabei hatte der Tag mit einem vorgezogenen Triumphzug der Bayern-Fans durch München begonnen. München war in den Stunden vor dem Match fest in Bayern-Hand, logisch, irgendwie. Im Zentrum der Fankultur auf dem Marienplatz war an ein Durchkommen nicht mehr zu denken, und nur vereinzelt tauchten auch englische Fans auf.
An alles gedacht
Auf dem Viktualienmarkt wurden nebst Waren aller Art "Fliegenklatschen" angeboten, zum äußerst günstigen Tarif von 5,95 Euro je Stück und versehen mit einer Garantieerklärung: "Zu 100 Prozent treffsicher", steht da geschrieben. Es war aus Bayern-Sicht fast ein makaberer Hinweis auf das Elferschießen viele Stunden später.
Bei der UEFA war im Vorfeld des Großereignisses an alles gedacht. Zwei Public-Viewing-Zonen hatten das Fußballvolk ebenfalls mobilisiert. Tausende füllten im Verlauf des Nachmittags die Areale auf der Theresienwiese und im Olympiapark, Platz war für je 60.000 und jeder, der hinein will, muss dafür fünf Euro hinblättern. "Das dient der Kontrolle", sagt Martin Kallen, Event-Direktor der UEFA. Geschäftstüchtigkeit wird auch nicht als Laster anerkannt.
Schließlich war dieser Eintrittspreis sehr günstig im Vergleich zu den Schwarzmarktpreisen für richtige Matchtickets. Ein englischer Fan etwa streifte hilflos durch die Menge. "I need tickets", er hätte gern welche gehabt, aber zu welchem Preis? "So wenig wie möglich", sagte er, aber das war an so einem Tag keine Option. Maximal 500 Euro könne er zahlen, da lachen die Kartenbesitzer. Ab 2000 Euro konnte verhandelt werden, auch 4500 Euro waren noch drin. Später fielen die Preise, denn auf den wertvollen Tickets sitzenbleiben wollte schließlich auch niemand. Aber auf Bayern-Seite dachte da noch niemand daran, dass dieser Tag so enden würde.



















