Mourinho kehrt mit Inter an die Stamford Bridge zurück
Zu Manchester United, Arsenal, Olympique Lyon und FC Bayern München wollen sich Chelsea und Inter Mailand (Hinspiel 1:2) sowie FC Sevilla und ZSKA Moskau (1:1) gesellen.

Foto © ReutersJosef Mourinho
Am Dienstag werden in der Fußball-Champions-League die Viertelfinalisten Nummer fünf und sechs ermittelt. Im Mittelpunkt des Abends steht mit Josef Mourinho auch ein Mann, der dem sportlichen Wettstreit im Westen Londons zusätzliche Reize, Emotionen und Erinnerungen verleiht.
Der portugiesische Trainer kehrt mit dem italienischen Meister an seine einstige Wirkungsstätte zurück. Mit den "Blues" hat der Charismatiker in drei Saisonen je zweimal den englischen Meistertitel und League-Cup sowie einmal den den FA-Cup gewonnen, ehe er 2007 überraschend verabschiedet wurde. "Ich bin Profi, mein Herz schlägt für Inter. Andererseits verberge ich aber auch nicht, dass Chelsea ein sehr wichtiger Teil meines Lebens ist", sagte Mourinho.
Emotionen
Das Gute daran sei, dass er vor dem Anpfiff nicht weit gehen müsse. "Von der Kabine zur Bank sind es nur fünf Meter. Ich muss nicht über den ganzen Platz stampfen und die ganzen Emotionen und Reaktionen der rund 40.000 Fans über mich ergehen lassen. Ich werde nur einfach dasitzen", meinte der 47-jährige Inter-Feldherr, der versucht, die Spieler in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Sie seien viel wichtiger als er. "Denn auf dem Platz und nicht auf der Bank gewinnt man Spiele."
"Special One", wie sich Mourinho selbst bezeichnet, hat die Stimmung um seine Rückkehr nochmals angeheizt. "Es weiß doch jeder, dass Mourinho an der Stamford Bridge nicht verliert. Mein Rekord ist unschlagbar", wurde er in der Zeitung "Sun" unter Hinweis auf seine seinerzeit makellose Heimbilanz (66 Liga-Spiele ungeschlagen) zitiert. Gegenspieler Ancelotti wollte sich auf diesen verbalen Schlagabtausch nicht einlassen. "Das hier ist Chelsea gegen Inter, nicht ich gegen Mourinho", sagte der Chelsea-Trainer.
Klar sei seine Rückkehr etwas Besonderes, "aber wir müssen alles, tun, um uns nicht ablenken zu lassen", meinte Stürmer Didier Drogba vor dem Wiedersehen mit seinem einstigen Chef. Michael Ballack versicherte: "In der Kabine ist das kein großes Thema, die Mourinho-Ära ist vorbei." Frank Lampard warnte: "Inter hat gute Spieler, Mourinho ist ein sehr schlauer Trainer, der mit einem Plan angereist ist."
Für Sentimentalitäten kein Platz
Im Duell des englischen Tabellenzweiten mit dem italienischen Spitzenreiter wollen die ohne Marko Arnautovic (zuletzt krank) angereisten Nerazzurri erstmals nach vier Jahren wieder in die Runde der letzten Acht einziehen. Für persönliche Sentimentalitäten ist daher vom Anfang bis zum Ende der Partie kein Platz. Die Mailänder haben von ihren jüngsten sechs Auswärtsspielen in der Königsklasse nur eines gewonnen, dafür aber immerhin zwei der bisher letzten vier Auftritte in England gewonnen.
Ancelotti, der aktuelle Coach des Finalisten 2008, kann die Beziehung der Blues mit Mourinho gut verstehen. "Er hat sich einen freundlichen Empfang verdient, weil er hier einen fantastischen Job gemacht und gemeinsam mit Roman Abramowitsch den Verein zu einem der besten der Welt geformt hat", streute der Italiener seinem Widerpart Rosen. Er hoffe, dass ihm die gleiche Ehre wie Mourinho zuteilwerde, wenn er nach langer Zeit irgendwann auch einmal zu Chelsea zurückkehre. Ein Triumph in der Champions League, der erste für Chelsea, würde auch Ancelotti an der Stamford Bridge unsterblich machen. Bis dorthin ist es aber noch ein weiter, beschwerlicher Weg. Dazu müsste erst einmal zumindest ein 1:0-Sieg über die Inter her. "Ich glaube nicht, dass wir ein schnelles 1:0 brauchen. Wir müssen gut spielen und die Balance finden, das 1:0 können wir auch in der letzten Minute erzielen", deutete der Chelsea-Coach die Marschroute an. Die Hausherren sind seit 21 CL-Matches daheim ungeschlagen und haben dabei 13-mal kein Tor kassiert.
Eine ähnlich beeindruckende Heimbilanz wie Chelsea weist der FC Sevilla auf, der noch nie im Viertelfinale der Königsklasse gestanden ist. Die Andalusier bringen außerdem ein 1:1 aus dem Auswärtsspiel gegen ZSKA Moskau mit. Sevilla ist zuletzt im Ramon-Sanchez-Pizjuan fünfmal gegen russische Vertreter unbesiegt geblieben. Die Moskauer erinnern sich wiederum gerne an die Saison 1992/93 zurück, als sie durch ein 3:2 in der zweiten Runde auf der iberischen Halbinsel den damaligen Titelverteidiger FC Barcelona aus dem Meistercup warfen.


















