"Ich war zu euphorisch und blauäugig"
Er gilt als der Buhmann, der alles verbockt hätte. Ex-Präsident Josef Loibnegger zur Situation bei Austria Klagenfurt. "Im Fußball lässt sich halt nichts planen - leider."

Foto © GEPAJosef Loibnegger
Herr Loibnegger, sie sind in einem Alter, wo sie sich nicht mehr profilieren müssen, sind Stammgast bei den Spielen von Bayern München, waren bei Fußballweltmeisterschaften, Länder- und diversen internationalen Finalspielen. Warum haben sie sich den Präsidentenjob bei Austria Klagenfurt eigentlich angetan?
JOSEF LOIBNEGGER: Jetzt, nachdem, was alles vorgefallen ist, muss ich sagen: weil ich ein Narr bin. Nein, im Ernst: Ich wollte in Klagenfurt zeigen, dass es auch anders geht. Unsere Philosophie war, ehrlichen und seriösen Fußball aufzuziehen. Dass wir im Nu 1400 Saisonabos verkaufen konnten, sprach dafür, dass wir mit der Neugründung richtig lagen.
Austria Klagenfurt ist nicht nur sportlich weit hinter den Erwartungen geblieben, auch finanziell steht sie vor dem Ende. Was ist falsch gelaufen?
LOIBNEGGER: Das Entscheidende für unsere prekäre Situation war der ausbleibende sportliche Erfolg. Hätten wir vorne mitgespielt, wären im Schnitt zwischen 2000 und 3000 Zuschauer gekommen und keinen hätten die Verträge der Fußballer gestört.
Dass in der Regionalliga Fußballer an die 3000 Euro verdienen, ist aber nicht Usus?
LOIBNEGGER: Das gibt es auch bei anderen Klubs. Ich gebe zu, dass wir da vielleicht etwas zu großzügig waren, doch solche Beträge erhielten nur jene, die vorher in der Bundesliga gespielt hatten.
Wollten sie zu schnell nach oben und haben sie dabei den finanziellen Bogen überspannt?
LOIBNGEGGER: Wir haben ein Budget erstellt und haben uns dann auf die Zusagen der Stadt verlassen.
Die Austria hat 700.000 Euro an Steuergeld bekommen. Eine astronomische Summe für einen Regionalligaverein. Nun urgieren sie noch immer 230.000 Euro?
LOIBNEGGER: Ja, die wurden uns, ohne ins Detail zu gehen, auch zugesagt. Wenn wir das Geld bekämen, wäre die Saison ausfinanziert und ein Konkurs kein Thema.
Was werfen sie sich vor?
LOIBNEGGER: Dass ich nicht in der Lage war, Großsponsoren zu lukrieren. Nebenbei war ich zu euphorisch und zu blauäugig. Im Fußball lässt sich halt nichts planen - leider. Unterschätzt habe ich auch die Querschüsse innerhalb des Klubs sowie gewisse politische Begehrlichkeiten.
Sie wurden mit dem Vorwurf konfrontiert, Belege zurückzuhalten. Wie schaut es damit aus?
LOIBNEGGER: Eine Ente: Belege für 800.000 Euro liegen im Rathaus
Sie sind im April als Präsident zurückgetreten, rechnen sie heute bei der Mitgliederversammlung mit ihrer Entlastung?
LOIBNEGGER: Eigentlich schon. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Dass ich allein zum Buhmann für das Scheitern gemacht wurde, trifft mich hart. Ich werde jedenfalls noch alles tun, damit die Austria am Leben bleibt.
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Mitgliederversammlung. Heute ab 18.30 Uhr steigt im EM-Stadion (1. Stock) die Fortsetzung der außerordentlichen Mitgliederversammlung. Ob da Vizepräsident Hans Slocker ein neues Führungsteam präsentiert und der zurückgetretene Präsident Josef Loibnegger entlastet wird, ist noch unsicher.
Neu. Mit dem Steuerberater Dietmar Thuller hat sich - nicht zum ersten Mal - ein neuer Mann als Austria-Retter ins Spiel gebracht.
















