Eine andere Fußball-Welt
Anschauungsunterricht in Udine hätte Austria Kärnten, der jüngste Bundesliga-Verein in Österreich, ganz gutgetan.

Foto © GEPAPräsident und Coach
Fußball ist nicht immer gleich Fußball. Wer am Dienstag beim 0:4 von Austria Kärnten im Semifinale des ÖFB-Cups gegen Wiener Neustadt und 24 Stunden später in Udine bei der Pokal-Vorschlussrunde zwischen Udinese Calcio und dem AS Roma war, musste feststellen: Das war ein anderer Fußball. Austria Kärnten-Fan Willy Haslitzer, der Kärntner ORF-Landesdirektor und frühere Sportreporter, verstieg sich sogar zur Feststellung: "Das war eine andere Sportart."
In der Tat: Knapp eineinhalb Auto-Stunden von Klagenfurt entfernt wird anders Fußball gespielt. Aktionen in Zeitlupe, Probleme, den Ball den Willen aufzuzwingen oder Zuspielfehler gibt es dort nicht, rasante Kombinationen, präzise Ballannahme und atemberaubende Dribblings sind in Udine Standard. Gut, dort war im Stadio Friuli mit dem AS Roma immerhin der Tabellenführer der italienischen Serie A zu Gast. Dass die Italiener die defensive Arbeit besonders gut beherrschen, ist bekannt. Deshalb gelang es den Römern auch, den 2:0-Vorsprung aus dem ersten Cuptreffen gegen Udinese über die Distanz zu bringen. Zu spät fiel das 1:0 der Friauler.
Nachdem der Abstieg der Austria Kärnten Faktum ist, dürften künftig wohl noch mehr Kärntner Fußball-Freaks Udine aufsuchen, um Spitzenfußball zu sehen. Dort wird - obwohl es in dieser Saison nicht ganz nach Wunsch gelaufen ist - gezeigt, wie ein Provinzverein erfolgreich zu führen ist. Udine, im Vorjahr im Uefa-Cup erst an Werder Bremen gescheitert, holt und bildet junge Spieler aus, um die dann gewinnbringend zu verkaufen. Einer, der auf Sicht kaum zu halten sein wird, ist der 21-jährige Chilene Alexis Sanchez. Ein Dribbelkünstler, der auch bei der WM in Südafrika im Einsatz stehen wird. Es wird aber nicht der einzige Spieler von Udinese sein.
Nur eine Ankündigung
Vielleicht hätte sich Austria Kärnten-Präsident Mario Canori einmal die Mühe machen sollen, um in Udine die Vereinsarbeit zu studieren. Zwar war einmal von einer Zusammenarbeit zwischen dem friaulischen Erstdivisionär und den Kärntnern die Rede, doch blieb es bei den vollmundigen Ankündigungen. Canori hatte - ganz Politiker eben - ja auch Kooperationen mit einem brasilianischen und einem russischen Fußballklub in Aussicht gestellt.
Genauso wie seinen Rücktritt. Offenbar hat der ehemalige Klagenfurter Vizebürgermeister doch mehr Gefallen an dem Amt des Fußball-Präsidenten gefunden als er zugibt. Der stets selbstbewusst auftretende Klagenfurter gab am Freitag sogar den extra in Sachen Austria-Rettung tagenden Klagenfurter Stadtsenatsmitgliedern einen Korb, weil er einen privaten Termin hatte. Manche bringen den Niedergang des von Jörg Haider von Pasching nach Kärnten verpflanzten Klub unmittelbar mit Canori in Verbindung. In den letzten zwei Jahren gab es nur noch Troubles: Missmanagement und Konzeptlosigkeit waren Programm, von einem Funktionär mit Format fehlte jede Spur. Weil nur Canoris Meinung zählte, verließen zuletzt viele Vorstandsmitglieder das sinkende Austria-Schiff.
Dass Canori die Fußballkompetenz fehlt, gab er selbst zu. Legendär soll seine Begrüßung beim Pasching-Deal gewesen sein: "Grüß Gott, Herr Bubenik." In Wirklichkeit war es aber Michael Baur. Aber es gibt Schlimmeres, als einen Fußballer zu verwechseln. In letzter Zeit helfen nur öffentliche Zuschüsse, um die Austria wirtschaftlich am Leben zu erhalten. Zum wirtschaftlichen Bankrott kommt der sportliche dazu. Beim Budget für die aktuelle Saison fehlen dem Klub 800.000 Euro. Der ausgewiesene Wirtschaftsexperte Canori begründet das mit ausbleibenden Zuschauern. Mag sein, aber dass die Stadtpolitiker vorsichtiger denn je sind, was die Unterstützung des Klubs anlangt, ist verständlich: Es ist ja nicht die einzige Baustelle, die die Austria zu planieren hätte. Das sind auch noch Klagen des FC Kärnten, des Stadion-Caterers und von Trainer Frenkie Schinkels finanziell zu verkraften. Wie auch immer: Eine Erfolgsbilanz ist das Wirken des Fußball-Präsidenten Mario Canori eher nicht.
Features
SK Austria Kärnten
Österreichs jüngster Bundesliga-Verein. Er wurde am 1. Juni 2007 in Klagenfurt als Nachfolgeverein des FC Pasching (OÖ) auf der Taufe gehoben.
Klubführung: Präsident Mario Canori, Vizepräsident Karl-Heinz Petritz. Geschäftsführer Michael Heiden.
1. Bundesliga-Spiel: 2:1-Heimsieg gegen Austria Wien (16. September 2007).
Platzierungen: Saison 2007/08 - 9. Platz. Saison 2008/09 - 6. Platz. Saison 2009/10 - 10. Platz, Abstieg.
Internet: www.sk-austriakaernten.at
















