Blatter gibt Stronach eine Abfuhr
Im Gespräch mit Christian Ortner, Frank Staud und Thomas Plauder nimmt FIFA-Boss Joseph Blatter zur Causa Schwanenstadt klar Stellung.

Foto © GEPAStronach zieht sich von der Austria zurück
Der oberste Fußball-Boss ist bestens gestimmt, erscheint mit einem breiten Lächeln zum Gespräch mit Christian Ortner (Vorarlberger Nachrichten), Frank Staud (Tiroler Tageszeitung) und Thomas Plauder (Kleine Zeitung). Kein Wunder, spricht er doch nach der erzielten Einigung zwischen FIFA, UEFA und den "G14"-Klubs (umfasst derzeit 18 Vereine) von einem "historischen Tag" in seiner nunmehr zehnjährigen Amtszeit.
Abbestellung
Die UEFA zahlt für die EM 2008 und 2012 insgesamt 100 Mio. Euro für die Abstellung von Nationalspielern an die Vereine. Das sind rund 4.000 Euro pro Spieler und Tag.
Neue Basis. Am FIFA-Sitz in Zürich verständigten sich die Vertreter der europäischen Spitzenklubs darauf, ihre Beziehungen durch konkrete Maßnahmen auf eine neue Basis zu stellen. Geplant sind u. a. die Umwandlung des Europäischen Klubforums in eine Europäische Klubvereinigung (ECA), die formelle Unterzeichnung einer Vereinbarung mit der UEFA und die anschließende Auflösung der G 14 mit dem Rückzug ihrer anhängigen Klagen. Die UEFA und die FIFA verpflichteten sich ihrerseits vorbehaltlich der Zustimmung durch die betreffenden Gremien zur finanziellen Entschädigung der Klubs für die Abstellung von Spielern für Europa- und Weltmeisterschaften.
Fußball
Reglement-Änderung. Bald aber weicht das Lächeln des obersten Fußballbosses, sein Blick wird ernst. Hintergrund ist der geplante Lizenzerwerb durch Frank Stronach. Mit der Lizenz des SC Schwanenstadt will der Magna-Boss ja sein "Tiger Team" über den Wiener Stadtklub SV Wienerberger in der Red-Zac-Erste-Liga etablieren. "Er kann sich die Lizenz nicht kaufen", stellt Joseph S. Blatter klar und klärt auf. Das Exekutivkomitee des Weltverbandes habe anlässlich der Sitzung am 15. Dezember in Tokio die Frage der Lizenzerteilung genau erörtert und eine Reglement-Änderung vorgenommen. "Die müsste auch Stickler und seinen Söhnen bekannt sein", kann er sich einen Seitenhieb Richtung ÖFB und Bundesliga nicht verkneifen.
Fall in Spanien. Auslöser war ein Fall in Spanien, als sich das kleine Granada mit dem Kauf des Aktienkapitals des Profiklubs Ciudad de Murcia aus dem Amateurfußball verabschieden wollte. Daraufhin hat die FIFA den Passus verändert und auch ihre Verbände davon in Kenntnis gesetzt. "Sonst ist es in Zukunft so, dass die Reichen oben und die Armen unten spielen", erklärt Blatter. Deshalb, so der Schweizer, sei der Fall "Pasching und Kärnten" nicht mit jenem von "Schwanenstadt und Stronach" vergleichbar. "Das ist davor geschehen und wir bei der FIFA sind keine Polizisten." Was aber erwartet er vom ÖFB? "Der Verband ist aufgefordert, den Lizenzkauf zu verhindern." Deshalb brauche er seitens der FIFA der Sache keinen Riegel mehr vorzuschieben, denn durch das Reglement sei dem Deal bereits ein Riegel vorgeschoben.
Features
Die Veilchen-Liebhaber
- 1. August 1998: Frank Stronachs Einstand als Veilchen-Liebhaber mit einem Scheck über zehn Millionen Schilling - damit wird Michael Wagner geholt.
- 13. Oktober 1999: Austria trifft mit Stronachs Magna-Konzern eine Grundsatzvereinbarung, die 40 Millionen Schilling pro Jahr garantiert.
- 2. Februar 2000: Die Austria schließt mit der Magna-Tochter SMI einen Betriebsführungsvertrag ab. Der Kontrakt ist unter Einhaltung einer einjährigen Kündigungsfrist zum 30. Juni eines jeden Jahres kündbar.
- 11. November 2005: Austria-Mitglieder um Helmut Denk bringen einen "Misstrauensantrag" gegen das Präsidium ein
- 21. November 2005: Stronach kündigt an, den Betriebsführungsvertrag zu lösen.
- 24. November 2005: Denk zieht seinen Misstrauensantrag zurück. "Die Austria hat jetzt 19 Monate Zeit, um den Klub auf solide Beine zu stellen", erklärt Manager Markus Kraetschmer.
- 23. Jänner 2007: Die Umwandlung des Traditionsklubs in eine Aktiengesellschaft (AG) wird abgesegnet. Nach einem "Übergangsjahr" soll die AG 2008 ins Leben gerufen werden
- 9. Mai 2007: Stronach schließt einen einjährig befristeten, neuen Sponsor-Vertrag mit den Violetten ab, der mehrere Millionen Euro garantieren soll.
- 30. Juni 2007: Der Betriebsführungsvertrag läuft aus. Magna ist nur noch Hauptsponsor.
- 6. Jänner 2008: Die Austria bestätigt Gerüchte, dass Hauptsponsor Magna bereits im Dezember 2007 gekündigt hat


















