Das Wunder begann in Mariazell
In sechs Monaten vom Trümmerhaufen zum Winterkönig der Ersten Liga. Ein Blick hinter die KSV-Kulissen.

Foto © GEPABei solchen Jubelsezenen...
Am Boden zerstört. So präsentierte sich der SV Kapfenberg im Juni dieses Jahres. Trotz aller Bemühungen war es dem Team um Trainer Werner Gregoritsch nicht gelungen, den Klassenerhalt in der Red Zac-Liga zu schaffen. So fand man sich mit hängenden Köpfen zu einem Trainingslager in Gußwerk ein, um sich schweren Herzens auf eine Saison in der wenig attraktiven Regionalliga Mitte vorzubereiten. Während eines braven Trainingsspielchens raste plötzlich Zeugwart Antal Bolvari über den Platz, fuchtelte mit dem Handy und kündete die Frohbotschaft: Keine Lizenz für den GAK, Kapfenberg bleibt in der Liga! Sofort hasteten Gregoritsch und Co. nach Mariazell und zündeten ein Kerzerl an.
Am Misserfolg gewachsen.
Der Erfolg der heurigen Saison hat seinen Ursprung in der Niedergeschlagenheit dieser Zeit. Das hat die Truppe zusammengeschweißt, die in fast derselben Zusammenstellung auch in der Regionalliga gespielt hätte. Dass Gregoritsch einen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat, als die Vorzeichen klar auf Abstieg standen, zeugt vom Charakter des Teams. "Diese Mannschaft ist auf den Misserfolgen des Vorjahres gewachsen", ist für ihn klar.
Stützen des Erfolgs.
Ob es das Kerzerl von Mariazell war, oder nicht, in der laufenden Saison haben die Kapfenberger jenes Quäntchen Glück, das darüber entscheidet, ob ein Ball an die Querlatte geht oder ins Tor. Ob es Elfmeter gibt oder nicht. Damit wuchsen Selbstvertrauen und Spielstärke. Zwei Kicker haben dazu wesentlich beigetragen. Zum einen der junge Michael Liendl, der im Sommer schon fast vom KSV weg war und im Herbst zu einer Super-Form auflief. Zum anderen der "alte" Herbert Wieger, der den x-ten
Frühling erlebt und viele Spiele entschied. "Lebende Mumie" nennt ihn "Gregerl" liebevoll.
Blick nach oben.
Ermöglicht wurde das "Wunder Kapfenberg" auch durch Klub-Boss Erwin Fuchs, der bei Misserfolgen nie die Ruhe und bei Triumphen nie den Kopf verliert. Jetzt gibt er die Parole "Aufstieg" aus. "Wir rüsten aber nicht auf, wir sind auch so stark genug." Interessant ist eine Anfrage aus Deutschland: Ein Bundesliga-Klub (Stuttgart?) möchte GAK-Talent Dieter Elsneg (17) erwerben und in Kapfenberg spielen lassen. Fuchs: "Warum nicht?"
Features
Der Trainer
Werner Gregoritsch spielte im Vorjahr Feuerwehr und einte die Kräfte im Umfeld (Gemeinde, Stadion, Vorstand). Er macht den Kickern ordentlich Dampf.
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... kann sich auch Coach Werner Gregoritsch entspannenFoto © GEPA
Der Obmann
Erwin Fuchs gibt dem Klub Ruhe und Richtung. Er führte den KSV in exakt zehn Jahren Abstiegskampf in der Landesliga an die Red-Zac-Spitze.
Der Torjäger
Michael Liendl (22) spielt schon fünf Jahre in Kapfenberg und reift gerade vom "schlampigen Genie" zum Führungsspieler und Goalgetter.


















