"Rekordlöwe" Cerny hört zufrieden auf
Am Donnerstag hat Harald Cerny seinen Rücktritt bekannt gegeben. Im Interview spricht er über seine Zukunftspläne, den Comeback-Kampf und natürlich die "Löwen".

Foto © GEPAHarald Cerny mit seinem Ex-Coach Walter Schachner
Sie haben lange um Ihr Comeback gekämpft, was war nun der
ausschlaggebende Grund fürs Karriereende?
Harald Cerny: Ich wollte nach meiner Verletzung wieder 100 Prozent meines
Leistungsvermögens erreichen. Das habe ich eineinhalb Jahre lang
versucht, aber es hat leider nicht geklappt. Und mit 90 Prozent kann
man nicht Profi-Fußball spielen. Das macht keinen Sinn und keinen
Spaß.
Letzter Auftritt
Sein letztes Pflichtspiel für die "Löwen" bestritt Cerny, im Februar 2006 beim 2:2 gegen Greuther Fürth.
Sie können dennoch auf eine bewegte Karriere zurückblicken.
Harald Cerny: Ich darf sehr zufrieden sein mit meiner Karriere. Ich war 15
Jahre Profi. 10 Jahre in der höchsten deutschen, zwei Jahre in der
höchsten österreichischen und drei Jahre in der zweiten deutschen
Liga. Dazu fast 50 Länderspiele und die WM-Teilnahme 1998.
War der frühe Wechsel ins Ausland der Garant für eine derart
erfolgreiche Laufbahn?
Harald Cerny: Dass ich in der Jugend den Schritt nach München gewagt habe,
war wahrscheinlich das Wichtigste. Auch der Schritt von
Innsbruck zurück zu 1860 war wichtig. Hinzu kommt natürlich viel
Glück. Unterm Strich konnte ich mich dann sehr lange in der deutschen
Bundesliga durchsetzen.
Ist das ein Weg, den Sie jungen Österreichern ans Herz legen
können?
Harald Cerny: Ich hab's versucht und das Risiko genommen. Ich kann es nur
jedem empfehlen. Auch wenn es nicht klappt, sind es zumindest
Lernjahre, von denen man sicher profitieren kann.
Mit 238 Erstliga-Partien sind Sie Rekordspieler von 1860
München, wie fühlt man sich als "Rekordlöwe"?
Harald Cerny: Das ist natürlich eine Riesen-Ehre, denn 1860 ist ja ein
echter Traditionsverein. Und wenn man für so einen Klub die meisten
Bundesliga-Spiele absolviert hat, dann ist das gleichermaßen
Auszeichnung wie Bestätigung.
Der Fußball-Arbeitsplatz München ist ja mit einem in Österreich
keinesfalls vergleichbar.
Harald Cerny: Vor allem die Medien stellen einen Riesenunterschied dar. In
München gibt es fünf Tageszeitungen und alle TV-Stationen sind dort
daheim. Das kann durchaus positiv, aber natürlich auch negativ sein.
Auch das Zuschauerinteresse ist enorm, trotz unserer dritten Saison
in der zweiten Liga hatten wir einen Schnitt von 40.000.
Was waren die schönsten Momente als ÖFB-Teamspieler?
Harald Cerny: Die Qualifikation und die WM-Endrunden 1998 war das absolute
Highlight. Es war unglaublich, dass wir in einer Gruppe mit Schweden
und Schottland als Gruppensieger zur WM gefahren sind.
Features
Harald Cerny
Geboren am 13. September 1973 in Wien
Größe/Gewicht: 1,77 m/73 kg
Position: Mittelfeld
Rückennummer: 13
Länderspiele/Tore: 47/4
Familie: verheiratet, 2 Kinder
Seine Karriere als Profispieler begann 1992 beim FC Bayern, ein
Jahr später ging er zu Wacker Innsbruck, ehe er von Anfang 1996 bis
zuletzt 1860 München die Treue hielt.


















