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Hickersberger zweifelt, hat aber keine Angst

Ein Jahr vor dem Ankick zur EURO 2008 spricht Österreichs oberster Trainer über seine Gefühlslage, Oldies und natürlich das Team.

© APA
 
Welche Gefühle herrschen in Ihnen genau ein Jahr vor der Heim-EM vor - Vorfreude, Angst, Zweifel?
Josef Hickersberger: Es ist zweifelsohne bereits eine gewisse Vorfreude vorhanden. Auch Zweifel, aber überhaupt keine Angst. Ich bin überzeugt, dass sich die Mannschaft in den kommenden zwölf Monaten steigern wird. Wir waren schon besser als jetzt, etwa beim Sieg gegen die Schweiz im Herbst haben wir sehr ordentlich gespielt. Wenn alle an Bord sind, sind wir besser als in den vergangenen beiden Länderspielen.

Steht der Stamm des EM-Kaders bereits?
Hickersberger: Man muss das letzte Jahr vor der EM abwarten und hoffen, dass wichtige Spieler Spielpraxis bekommen und Form zeigen. Aber einen Stamm von rund 15 Spielern habe ich schon. Mir ist nicht bange. Wir werden eine Mannschaft haben, auf die Österreich vielleicht sogar stolz sein kann.

Wie schaut's mit einem von einigen Seiten geforderten Comeback von Ivica Vastic aus?
Hickersberger: Es gibt im Moment keinen Plan, Vastic einzuberufen. Vastic hat jetzt ein Jahr in der Red-Zac-Liga gespielt. Schon zwischen der T-Mobile-Liga und den Meisterschaften in England, Spanien, Italien oder Frankreich besteht punkto Tempo und Anforderungen ein eklatanter Unterschied. Der Sprung von der zweiten heimischen Liga aufs Topniveau ist nahezu unmöglich. Wir werden sehen, wie sich Vastic jetzt in der T-Mobile-Liga schlägt. Ich werde von meiner Strategie nicht abwichen und weiter die Jungen forcieren und auf sie bauen.

Bräuchten wir nicht vor allem punkto Einstellung mehr Spieler der Marke Martin Stranzl?
Hickersberger: Stranzl hat demonstriert, wie wichtig ihm das Nationalteam und die EM sind. Er war drei Wochen krank und hat dann eine Halbzeit gegen Paraguay gespielt. Das ist außergewöhnlich. Aber es gibt auch andere Spieler, die vor Ehrgeiz brennen. Auch wenn sie es dann im Spiel noch nicht so richtig zeigen können.

Wäre es nicht gut, wenn viel mehr Spieler den Sprung ins Ausland wagen würden?
Hickersberger: Für jeden Trainer ist es von Vorteil, wenn seine Spieler in Topligen engagiert sind. Unser Problem ist, dass wir uns nicht so schnell auf das Tempo umstellen können, das in solchen Spielen erforderlich ist. Deshalb haben wir bewusst starke Vorbereitungsgegner ausgesucht. Dieser Anpassungsprozess wird uns weiterbringen.

Je näher die EM rückt, umso größer wird der mediale Rummel werden. Eine Tatsache, der Sie wohl mit Ihrer bekannten stoischen Ruhe begegnen werden...
Hickersberger: Das ist bei einer WM, EM, in der Champions League oder wenn Rapid um den Titel mitspielt dasselbe. Ich bin alt genug und kann mit diesen Dingen gut umgehen. Das wird mich nicht aus der Fassung bringen.

Werden auch die teilweise jungen und relativ unroutinierten Spieler damit umgehen können?
Hickersberger: Auch die werden sich schön langsam daran gewöhnen. Sie lesen die Zeitungen öfter und regelmäßiger als ich. Das ist eine gute Schule in Tagen wie diesen.