60 Jahre und kein bisschen leise
Er war einer der größten Fußballer im Land, hat als Trainer polarisiert und als Sänger Hits gelandet. Nun ist er also 60 Jahre alt, der Mann, der so viele Namen hat. Von Achim Schneyder.

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Wenn man im Jahre 1977 als Elfjähriger mit dem Vater in Salzburg ins Lehener Stadion gehen und Hans Krankl dabei zusehen darf, wie er gegen Malta sechs von neun Toren erzielt, hat man eine Erinnerung fürs Leben. Und wenn man exakt 22 Jahre später im selben, heute längst abgerissenen Stadion in seiner Funktion als Journalist quasi direkt neben Hans Krankl auf der Trainerbank sitzen und eine Geschichte unter dem Titel "Banküberfall" recherchieren darf, brennt sich das ebenfalls fest im Hirn.
Unvergesslich, wie Krankl, damals Trainer der Salzburger und damals wie heute ein großer - und das ist jetzt nicht abwertend gemeint - Selbstdarsteller, für den Reporter eine Show abzog. Musste er sich aufregen, regte er sich ganz besonders auf, drehte sich danach um und zwinkerte dem Redakteur zu. Das Match gegen "seine" Rapidler, bei denen Heribert Weber auf der Bank saß, endete 1:1, und die zu schreibende Geschichte war ein Selbstläufer.
Positive Bilanz
Den Titel holte Krankl in dieser Saison nicht. Wie er überhaupt keinen holte. Keinen "richtigen" zumindest. Mit Rapid (1990) und Salzburg (1999) gewann er das Stadthallenturnier und mit dem VfB Mödling 1994 das damalige Aufstiegs-Play-off. Und dennoch zieht der Mann, der abgesehen von Rapid, Salzburg und Mödling auch noch den FC Tirol, den SV Gerasdorf, Fortuna Köln, die Admira, den LASK und das rot-weiß-rote Nationalteam unter seinen Fittichen hatte, eine zufriedene Bilanz. "Es ist mir fast alles aufgegangen", sagt Hans Krankl, den kaum jemand mit Taufnamen Johann ruft, und meint das tatsächlich so. Er hält sich für einen Erfolgstrainer. Punkt. Weil er den Erfolg nicht nur an Titeln misst, sondern auch daran, wie sich Teams und Spieler unter ihm entwickelt hätten. "Es passt, wie es gelaufen ist."
Nun ist er also 60 Jahre alt, der Mann, der so viele Namen hat. Den "Goleador" hat er sich in seiner erfolgreichen aktiven Zeit beim FC Barcelona eingehandelt. "Grauer Bomber" folgte in jenen Jahren, als das Haupthaar nicht mehr nur dunkel und noch nicht weiß war. "Nachtfalke", als er ob seiner Liebe zu (guter) Musik sogar eine eigene Radiosendung hatte. "Johann K." nannte er sich als (erfolgreicher) Sänger, der mit "Rostige Flügel" oder "Lonely Boy" Hitparaden stürmte. Und "Hanseee", so nennen sie ihn einfach in Wien.
Kein Comeback
Nun ist er also 60 Jahre alt, der Mann, der nicht mehr Trainer sein will, seit er im Frühjahr 2009 mit dem LASK den Klassenerhalt geschafft hat. "Auch wenn ich möglicherweise das ideale Alter hätte und sicher auch die nötige Erfahrung habe. Aber ich will nicht mehr, denn dort, wo ich hinwill, will man mich nicht, und dort, wo man mich haben will, will ich nicht hin."
Auch wenn er es öffentlich nicht zugibt, am liebsten wäre er vermutlich wieder, respektive immer noch, Teamchef. Im September 2005 war es, da verlängerte der damalige ÖFB-Präsident Friedrich Stickler den Vertrag nach zehn Siegen, zehn Remis und elf Niederlagen nicht, und so fiel Krankl um die Heim-EM 2008 um. "Und die wäre", sagt der dreifache Familienvater, "mit mir als Trainer sicherlich besser gelaufen." Typisch Hans.
Ehe & Beruf
Nun ist er also 60 Jahre alt, der Mann, der seit 40 Jahren mit seiner Inge verheiratet ist. "Die größte Leistung meines Lebens", so der bekennende Österreicher, der heute als Testimonial und Experte des Pay-TV-Senders "Sky" sowie als Kolumnist gutes Geld verdient. "Jobs, die mich völlig ausfüllen", so der Jubilar, der in kleinem Kreis feiern wird und sich für die Zukunft nur wünscht, "dass alles so bleibt, wie es ist". Spekulationen, er wollte, sollte oder würde in irgendeiner Form zurückkehren zu "seiner" Rapid, wischt er im Moment vom Tisch. "Aber wenn ich jemals wieder etwas bei Rapid machen sollte, dann etwas, was ich will, und nicht, was Rapid will."
Alles Gute, Hans Krankl.
Features
Johannes Krankl
Geboren: 14. Februar 1953 in Wien
Größe: 182 cm
Gewicht: 90 kg
Familienstand: verheiratet (Ingrid/Kinder: Sandra, Johann, Maria)
Hobbies: Fußball, Musik, Golf
Stationen als Profi-Spieler (von 1965 bis 1989): Rapid, Wiener AC, FC Barcelona, Vienna, Barcelona, Rapid, Wr. Sportclub, Kremser SC, SV Salzburg
Größte Erfolge als Aktiver: ÖFB-Meister 1982 und 1983 ÖFB-Cupsieger 1976, 1983, 1984, 1985 Europacup der Cupsieger 1979
Torschützenkönig: vier Mal in Österreich (1974/36 Treffer, 1977/32, 1978/41 aktueller Bundesliga-Rekord, 1983/23) ein Mal in Spanien (FC Barcelona/29 Treffer in Saison 1978/79), "Gold-Schuh-Gewinner (Europas bester Torschütze) 1978 (41 Tore), "Silber-Schuh"-Gewinner 1974 (36) 69, A-Länderspiele mit 34 Toren (Debüt 13. Juni 1973 gegen Brasilien 1:1, Teamende 17. April 1985 gegen Ungarn 0:3)
Zwei WM-Endrunden-Teilnahmen (1978/Argentinien und 1982/Spanien)
Europacup-Gewinner der Cupsieger 1979 (mit FC Barcelona im Finale 4:3 n.V. gegen Fortuna Düsseldorf/ein Krankl-Tor)
Europacup-Finalist der Cupsieger 1985 (mit Rapid 1:3 gegen FC Everton/ein Krankl-Tor)
Stationen als Cheftrainer (von Sommer 1989 bis Winter 2001): Rapid (1990: Bundesliga-Dritter, dritte Europacup-Runde, ÖFB-Cupfinalist; 1991 Bundesliga-Vierter und ÖFB-Cupfinalist; 1992: Bundesliga-Fünfter) VfB Mödling (1993: Bundesliga-Aufstieg, 1994: Bundesliga-Sechster) FC Tirol (1995: Bundesliga-Fünfter, zweite UEFA-Cup-Runde) VfB Mödling (1996: Vierter in zweiter Division) SV Gerasdorf (1997: Fünfter in zweiter Division) SV Salzburg (1998 und 1999: jeweils Bundesliga-Vierter, 1999: UI-Cup-Finale) Fortuna Köln (Jänner bis Mai 2000: vorzeitige Trennung als Tabellenvorletzter in zweiter Liga) Admira Wacker Mödling (2001: Bundesliga-Neunter und Klassenerhalt, 2001: im Dezember vorzeitige Trennung) ÖFB-Teamchef (Jänner 2002 - September 2005), Bilanz: 31 Spiele - 10 Siege - 10 Remis - 11 Niederlagen, Torverhältnis 47:46 LASK Linz (Frühjahr 2009)





















