Der Osten hat mehr zu bieten als nur Geld
Markus Schopp beschäftigt sich in seiner Analyse mit der Attraktivität des Fußballs in Osteuropa.

Foto © GEPAMarkus Schopp
Schachtar Donezk, Dnjepropetrowsk oder Metalist Charkiw - gleich mehrere Vereine aus dem Osten, vorwiegend aus der Ukraine und Russland, sind derzeit in der Champions League und der Europa League vertreten. Und glänzen durchaus mit tollen Ergebnissen. Es ist aber gar nicht so sehr die Tatsache spannend, dass sie regelmäßig Punkte holen, sondern wie sie diese holen. Nämlich mit einem attraktiven, modernen und kreativen Spiel.
Dieser Trend zeichnete sich schon länger ab und es gab bereits in den vergangenen Jahren vereinzelt Achtungserfolge. Mittlerweile drängen aber immer mehr Vereine aus diesen Ligen in die internationalen Bewerbe und erwerben sich dadurch auch immer mehr an wichtiger Erfahrung. Zusätzlich wurde nicht wahllos in große Fußballnamen investiert, deren Zenit schon längst überschritten ist. Die Vereine im Osten haben sich auch ein sehr gutes Netzwerk aufgebaut, um junge, äußerst talentierte Spieler, sogenannte Rohdiamanten, zu erkennen und zu verpflichten. Dies erklärt die hohe Qualität an ausländischen Legionären, die vor allem aus Brasilien und Argentinien stammen. Keine anderen Ligen verfügen über eine so hohe Anzahl an südamerikanischen Spielern.
Diese Entwicklung scheint auf den ersten Blick etwas verwunderlich, weil südamerikanische Spieler eigentlich dafür bekannt waren, dass sie sich nicht nur im Verein, sondern auch im jeweiligen Land rundum wohlfühlen müssen, um ihre maximale Leistung abrufen zu können. Spanien und Italien galten deshalb lange Zeit nicht nur wegen der Sprache als erklärtes Ziel vieler Südamerikaner. Natürlich ist es einerseits das hohe Gehaltsniveau, das junge, hoch talentierte Spieler nach Russland oder in die Ukraine zieht. Andererseits haben sich auch die Infrastruktur, die Stadien, die Qualität der Teams und der Trainer in den letzten Jahren enorm verbessert. So manch ein europäischer Topverein kann längst nicht mehr Schritt halten.
Während meiner aktiven Zeit in Italien spielte ich gemeinsam mit Matusalem bei Brescia Calcio. Der brasilianische U21-Teamspieler galt als eines der größten Talente des Vereins. Trotz vieler Top-Angebote von europäischen Klubs unterschrieb er bei Donezk. Als er uns einmal besuchen kam, schwärmte er von der tollen Infrastruktur und den perfekten Bedingungen innerhalb der Vereinsanlage, in der er sich nahezu rund um die Uhr aufhielt.
Charkiw, der Gegner von Rapid in der Europa League, ist auch so ein ukrainischer Topverein mit internationaler Erfahrung, der nahezu nur aus Legionären besteht - sechs Argentinier, sechs Brasilianer, ein Serbe und ein Senegalese. Die Spieler verfügen über ein enormes Potenzial und sind in den letzten Jahren gereift. Schon bei den Auftritten in der letzten Saison gegen die Wiener Austria und Salzburg konnte man die Qualität dieses Teams erkennen - und deshalb ist Charkiw auch mein Favorit für den Sieg in der Gruppe K.
Features
Zur Person
Markus Schopp (38), spielte für Sturm, Hamburger SV, Brescia, Salzburg und New York Red Bulls.




















