WAC-Coach Bjelica spricht Klartext
WAC-Trainer Nenad Bjelica spricht nach dem 1:4 bei Sturm Graz Klartext. Was ihn gestört hat, warum er der Kritik von Heribert Weber Recht gibt und warum das Testspiel gegen Wolfsburg ungünstig war.

Foto © GEPAWAC-Trainer Nenad Bjelica
Hatten Sie schon Zeit, die Niederlage vom Samstag zu analysieren?
Nenad Bjelica: Nein, noch nicht. Aber viel analysieren brauch ich da ohnehin nicht mehr.
Wieso?
Bjelica: Die Fehler, die wir gemacht haben, waren Kindergartenfehler, die inakzeptabel waren. Das weiß jeder Spieler. Dazu brauch ich nichts mehr sagen.
Kleine Zeitung-Analytiker Heribert Weber geht mit der Defensive hart ins Gericht. Bei diesen Freiräumen könne selbst er noch mitspielen, sagt er. Kritik gerechtfertigt?
Bjelica: Ich gebe Weber recht. Diese Fehler kriegt man nicht einmal im Nachwuchs zu sehen. Da kann nicht nur er mitspielen, sondern jeder, der mal Fußball gespielt hat.
Müssen Sie sich Fehler in Sachen Aufstellung oder Taktik eingestehen?
Bjelica: Im Nachhinein kann man natürlich davon sprechen. Aber nachher ist man immer schlauer. Wir wollten in Graz offensiv auftreten, das ist uns phasenweise gelungen. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre, hätten wir die Fehler nicht gemacht. So beherrscht hat uns Sturm auch wieder nicht.
In den Spielen zuvor machte das Team einen gefestigteren Eindruck. Wie ist dieser plötzliche Leistungsabfall erklärbar?
Bjelica: Ich sage es ganz offen, wir haben in den vergangenen zwei Monaten zu viel Lob bekommen. Nicht nur von Außen, auch innerhalb des Vereins.
Können Sie das konkretisieren?
Bjelica: Die Situation nach dem Testspielsieg gegen Wolfsburg zum Beispiel. Da haben viele Spieler gedacht, man kann gegen einen Spitzenklub gewinnen, ohne dafür 100 Prozent geben zu müssen. Ich habe es fast geahnt, dass dieser Sieg negative Auswirkungen haben wird.
War der Test also ein Fehler?
Bjelica: Für die Spieler war es nicht optimal. Ich hätte das Spiel nie organisiert. Aber es war für den Klub eine Chance, sich im TV zu präsentieren und den Bekanntheitsgrad zu steigern.
Muss man die Erwartungen am WAC nach unten korrigieren?
Bjelica: Ich habe immer gesagt, dass es für uns in erster Linie um den Klassenerhalt geht. Dazu brauchen wir 40 Punkte. Die wollen wir holen.
Aber ist der Kader nicht stark genug, um mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu haben?
Bjelica: Der Kader ist gut und ausgeglichen. Aber niemand spricht davon, dass wir nur zwei bundesligaerfahrene Spieler haben. Viele waren vor ein paar Jahren noch in der Regionalliga. Man darf sich in der ersten Saison nicht zu viel erwarten.
Verspüren Sie vor dem nächsten Spiel gegen Mattersburg schon einen gewisse Drucksituation?
Bjelica: Es gibt keinen Grund, nervös zu werden. Gegen Sturm darf man verlieren. Wichtig ist jetzt Ruhe zu bewahren. Ich bin überzeugt, dass wir die richtige Antwort auf das schlechte Spiel vom Samstag geben werden.



















