Genie und Wahnsinn: Mario Balotelli
Keiner springt so oft über die Grenze zwischen grandios und verrückt wie Italiens Stürmer Mario Balotelli. Nicht nur gegen Irland zeigte er in Sekunden zwei Gesichter.

Foto © ReutersMario Balotelli
Der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist schmal. Wie schmal, das hat Italiens Stürmer Mario Balotelli im Spiel gegen Irland gezeigt. Erst traf er mit einer artistischen Einlage zum 2:0-Sieg, nur Sekunden später musste ihn sein Mitspieler Leonardo Bonucci vor einer Dummheit bewahren. Balotelli hatte nicht gejubelt, sondern wütend Richtung Ersatzbank und Trainer Cesare Prandelli geschrien, da hielt ihm Bonucci den Mund zu. Prandelli hatte Balotelli erstmals bei der EM auf die Bank gesetzt.
Zum Rapport musste der 22-Jährige trotzdem. "Er muss lernen, mit Kritik und der Ersatzbank klarzukommen, wenn er ein Champion werden will", sagt Prandelli.
Dabei hatte es Balotelli nie leicht. Als Sohn ghanaischer Immigranten kam er als Mario Barwuah 1990 in Palermo auf die Welt. Als er mit drei Jahren mit Magenproblemen ins Spital musste, ließen ihn seine Eltern dort, weil sie kein Geld für die Behandlung hatten. Nach 14 Monaten im Krankenhaus nahmen ihn schließlich die Balotellis auf. Zu seinen leiblichen Eltern hat er keinen Kontakt mehr, lieber unterstützt er eine Schule im Sudan.
Mit Pfeilen auf Spieler
Balotelli kann aber auch ganz anders. Die Geschichten über seine Fehltritte sind Legion. Er hat Dartpfeile nach Jugendspielern geworfen. Er hat im Badezimmer mit Feuerwerkskörpern hantiert und damit ein ganzes Haus in Brand gesteckt. Auch seine Äußerungen haben ihm bei der Masse keine Sympathien gebracht. Bei einem Autounfall mit seinem Bentley hatte er 5000 Pfund im Kofferraum. Auf die Frage des Polizisten, warum er so viel Bargeld im Auto habe, sagte er protzig: "Weil ich reich bin."
Die Sicherungen brennen ihm durch, wenn er seiner Hautfarbe wegen verspottet und beschimpft wird. Da drohte er sogar damit, denjenigen umzubringen, der ihm eine Banane vor die Füße wirft. "Wir leben im Jahr 2012, da darf so etwas nicht passieren", sagt Balotelli.
Auf dem Feld ist er teilweise genial, teilweise aufreizend lustlos. Er hat noch keinen einzigen Elfmeter verschossen. Dafür machte er in einem Testspiel gegen L. A. Galaxy am Fünfer eine Pirouette und einen Fersler, statt den Ball ins Tor zu schießen. Roberto Mancini, sein Trainer bei Manchester City, hat schon mehrmals mit ihm gebrochen und ihn wieder begnadigt. Denn auch wenn Balotelli "verrückt" sei, sagt Mancini: "Ich liebe ihn, weil er ein guter Mensch ist."
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Blutgrätsche
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Balotelli beim 2:0-Siegestreffer gegen Irland Foto © APA
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und "oben ohne"Foto © APA
Infos:
Mario Balotelli, geboren am 12. August 1990 in Palermo
Bekam erst mit 18 Jahren die italienische Staatsbürgerschaft und spielt seither im Nationalteam.
Vereine: Lumezzane, Inter Mailand, Manchester City.





















