Zur Lage der Liga
Bundesliga-Rekordspieler Heribert Weber analysiert für die Kleine Zeitung die Entwicklungen in Österreichs höchster Spielklasse.

Foto © GEPAHeribert Weber
Paul Gludovatz war lange Jahre Nachwuchstrainer im ÖFB. Mit 62 Jahren wagte er den Sprung ins Profigeschäft. Als Ried-Trainer hat er sich durchgesetzt, er verdient großen Respekt aufgrund seiner Leistungen im Innviertel. Jetzt ist er Hauptverantwortlicher für die sportlichen Belange bei Sturm. Seine erste Amtshandlung war die Beurlaubung des erfolgreichsten Trainers der Gegenwart in Österreich. Damit nicht genug. Er kritisierte Franco Fodas Führungsstil nach dessen Abgang in aller Öffentlichkeit. Das geht gar nicht, passt aber so richtig zu ihm. Gludovatz glaubt nämlich, Gottvater aller österreichischen Trainer zu sein. Er kritisiert und belehrt alle, wie es ihm gerade in den Kram passt. Ist er schon so abgehoben, dass Respekt und Anerkennung den Kollegen gegenüber für ihn Fremdwörter geworden sind?
Kristl, Neukirchner, Pegam - mehr als nur Interimslösungen bei Sturm? Auf jeden Fall brachten sie unter widrigsten Umständen eine schlagkräftige Mannschaft auf das Spielfeld, die von der ersten Minute an Feuer und Flamme war, das Fiasko gegen Hartberg vergessen zu machen. Es war schön anzuschauen, wie Sturm seine Spritzigkeit und Beweglichkeit ausnützte und dadurch Schnelligkeitsdefizite im Salzburger Abwehrzentrum schonungslos aufdeckte. Die Truppe von Ricardo Moniz ist noch lange nicht am Ziel der Träume. Zu groß ist die Kluft zwischen überzeugender Offensive und desolater Defensive.
Auch Admira und Innsbruck gingen mit großen Ambitionen in ihre Spiele, mit einem internationalen Startplatz vor Augen zählte für beide Trainer nur ein Sieg. Doch es kam nicht dazu. Die gerechte Punkteteilung konnte keinen erfreuen. Bis auf Ried, das sich durch einen erkämpften Zittersieg gegen Mattersburg in die Poleposition schoss. Aber entschieden ist noch lange nichts, das Verwirrspiel in der Tabelle hält noch sechs Runden an.
Das Duell im Tabellenkeller hielt, was es versprach. Unfassbar. Was sich im Wiener Neustädter Stadion an Unzulänglichkeiten abspielte, geht auf keine Kuhhaut. Dass die Niederösterreicher das weiße Rechteck für sinnlos erachten, ist ja hinlänglich bekannt. Aber jetzt trifft es auch die Gegner mit voller Härte. Dieses Mal war Kapfenberg an der Reihe. Weil die Steirer im Verwerten der Chancen noch harmloser sind als Peter Stögers Truppe, stand das Endresultat schon vor Beginn des Spieles fest.
Gefrorener Boden, holpriger Untergrund - zu Saisonbeginn war der Schuldige für schlechte Spiele schnell gefunden. Wie aber wird ein Duell zweier (Wiener) Spitzenmannschaften erklärt, das trotz optimaler Bodenverhältnisse zum Wegschauen war? Manche behaupteten, Austria und Rapid hätten nicht gegen-, sondern miteinander gespielt. Wie bei einem Flipperautomaten zirkulierte die Kugel von grün zu violett und zurück. Fehlpassorgien führten zu Muskelkater im Genickbereich auf den Tribünen. Intensives Kopfschütteln war angesagt. Kurz gesagt: Die Teams haben sich neutralisiert.


















