Das Spielfeld wird zum Opfertisch
Zauberer auf dem Fußballplatz und am Spielfeldrand - das ist der Afrika Cup. Am Samstag geht's los: Der große Favorit auf den Titel ist die Elfenbeinküste um Superstar Didier Drogba.

Foto © ReutersFans der Abordnung aus Senegal
Für die europäischen Spitzenklubs ist er ein Albtraum. Für den schwarzen Kontinent hingegen ist er ein alle zwei Jahre wiederkehrendes Fußball-Spektakel, das Männlein und Weiblein aller Altersklassen und aller sozialer Schichten in seinen Bann zieht - der Afrika Cup, der am Samstag mit dem Match Äquatorial-Guinea gegen Libyen (19.30 Uhr Eurosport live) angepfiffen wird.
"Weil das ihr Turnier ist, weil Afrika der Veranstalter ist, auf afrikanischem Boden gespielt wird, weil die Fans ihre afrikanische Lebensfreude und die Spieler ihre Star-Allüren ungehemmt ausleben können. Das gefällt allen", versucht Hermann Kern die Faszination des Afrika Cups zu erklären. Der Steirer ist seit 2009 General Manager der Red-Bull-Akademie in Ghana. Und in Zeiten eines Afrika Cups muss auch er den Tagesablauf ändern. "Natürlich wollen und werden unsere Spieler bei den Spielen vor dem Fernseher mitfiebern", verrät der 45-Jährige schmunzelnd.
Stars als Zugvögel
Weniger Freude mit dem Turnier haben Europas Topklubs. Denn es gibt keinen Legionär, der eine Einberufung zum Afrika Cup freiwillig auslässt. Und so sind die Drogbas, Toures und Gervinhos auch dieses Mal, Zugvögeln gleich, gen Süden aufgebrochen, um für ihre Nationalteams den goldenen Pokal zu holen. In Gabun und Äquatorial-Guinea werden sie diesmal ihre Kunststücke zeigen, während ihre Arbeitgeber in England, Deutschland, Italien oder Spanien ohne die hoch bezahlten Profis auf Punktejagd gehen müssen.
Drei Wochen dauert der Fußball-Zauber, der auch im Jahr 2012 nicht ohne Zauberer auskommen wird. Denn auch unter den Medizinmännern grassiert das Fußball-Fieber. Opferrituale, Geisterbeschwörungen und kriegerisch anmutende Tänze gehören zum Afrika Cup wie die Trommelklänge und rhythmischen Gesänge der Fans auf den Tribünen.
Manchmal hilft's. So opferte etwa das ägyptische Nationalteam im Training für das Viertelfinale des Afrika Cups 2008 auf dem Spielfeld eine Kuh. Prompt gewann man das Turnier. Auch Medizinmänner, die mit einer blutgetränkten Tormannhose durch den Strafraum hüpften, gab es schon. Die Zahl des geopferten Kleingetiers, das unter den diversen Spielfeldern des Kontinents vergraben liegt, ist riesig.
Ungewohnt sind für Europäer aber nicht nur die Bräuche, sondern auch die klingenden Spitznamen der Teams.
Da duellieren sich die Nilkrokodile (Sudan) mit den Schwarzen Antilopen (Angola). Die Adler von Karthago (Tunesien) bekommen es mit den Löwen des Atlas (Marokko) zu tun. Und die Löwen von Teranga (Senegal) zittern vor den Gewehrkugeln (Sambia) - oder auch nicht.
"Elefanten" als Favorit
Der große Favorit auf den Turniersieg sind aber die "Elefanten" von der Elfenbeinküste, gespickt mit Stars wie Didier Drogba, Salomon Kalou oder Yaya Toure. Aber auch Ghanas Legionärs-Truppe rund um Asamoah Gyan hofft auf den fünften Turnier-Triumph. Rekordsieger und Titelverteidiger Ägypten scheiterte ebenso in der Qualifikation wie Ägypten, Kamerun, Südafrika, Algerien und Nigeria. Allesamt Mannschaften, die zwölf der letzten 14 Afrika-Meisterschaften gewonnen hatten. Auch diese Unberechenbarkeit ist eine der Zutaten, die den Afrika Cup für Beobachter so schmackhaft macht.















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